"Wir leben nicht im isolierten Kunsttempel"

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mi, 06. Oktober 2010

Freiburg

BZ-GESPRÄCH mit dem Schauspieler Helmut Grieser über die aussterbende Spezies des ewigen "Stadttheaterschauspielers" und den neuen Verzicht auf Eitelkeit.

Das Haus, das seit hundert Jahren das Theater Freiburg beherbergt, wurde zwischendurch runderneuert. Aber auch das Wesen dieses Hauses hat in den hundert vergangenen Jahren immer wieder Erneuerung gebracht und gebraucht. Unter anderem hat die Gattung "Stadttheaterschauspieler" einen enormen Wandel erlebt. Helmut Grieser, 69, war einer der letzten "von der alten Sorte", den man über viele, viele Jahre am Abend mit seinem Verzauberungsanliegen auf der Bühne sah – und anderntags mit Einkaufskorb im Supermarkt. Der Wiedererkennungseffekt war garantiert und großartig. Bei kurzlebigeren Engagements lässt dieser Effekt nach. Julia Littmann sprach mit Helmut Grieser über Gewinn und Verlust aus dieser Veränderung.

BZ: Wo ist Ihnen das Theater zum ersten Mal unausweichlich begegnet?
Helmut Grieser: Als ich fünfzehn war, habe ich mich im Theater in Darmstadt bei "Krieg und Frieden" unsterblich in die großartige Julia Costa verliebt. Da war ich völlig betrunken von dem Glück, dass Menschen das für mich tun: Da auf der Bühne stehen und mich verzaubern.
BZ: Mehr als vierzig Jahre lang haben Sie das dann selber getan. Zunächst mal lange Zeit als eine Art "Wanderschauspieler" – Sie waren an einem Dutzend Theater engagiert. Gab es nie die Sehnsucht nach einer unkündbaren Stelle mit langer Perspektive à la "Stadttheaterschauspieler"?
Grieser: Diese Sesshaftigkeit hatte ich ja dann mit Mitte/Ende fünfzig hier in Freiburg. Hier war ich die letzten zwölf Berufsjahre engagiert – und ich arbeite ja immer noch, auch hier. Aber bis ich 1993 herkam, war mein "Wandern" selbst gewählt. Ich bin immer gegangen, wenn es mir nicht mehr gefallen hat. Dazu muss man allerdings sagen, ...

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