Corona, neue Ausbildungsform und Prüfungen an der Pflegeschule Helios Klinik

"Freuen uns wieder auf Präsenz-Unterricht "

Ute Kienzler

Von Ute Kienzler

Mi, 07. April 2021 um 18:12 Uhr

Titisee-Neustadt

Corona, neue Ausbildungsform und Prüfungen: Susanne Winkler hat als Leiterin der Pflegeschule der Helios Klinik Titisee-Neustadt einiges Corona-gerecht organisieren müssen und freut sich im BZ-Interview wieder auf Präsenz-Unterricht.

BZ: Die Pandemiesituation ist vermutlich nicht die einzige Herausforderung, vor der sich die Schule gestellt sieht?
Winkler: Ja, so ist es. Die Corona-bedingten Neuerungen gehen einher mit dem Start der Generalistik. Die novellierte Pflegeausbildung an unserer Pflegeschule hat in Titisee-Neustadt im Oktober 2020 mit dem neuen Generalistikkurs begonnen. Das bedeutet, dass die neue Pflegeausbildung nun drei Bereiche umfasst: Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkranken- und Altenpflege.
BZ: Wie viele Auszubildende in wie vielen Kursen sind bei Ihnen zurzeit angemeldet?
Winkler: Derzeit lernen 62 Auszubildende an unserer Pflegeschule in insgesamt drei Kursen. Der Oberkurs, unser Abschlusskurs, hat gerade das Abschlussexamen gemacht (siehe Infobox). BZ: Wie ist der Unterricht unter normalen Umständen gegliedert?
Winkler: Regulär finden theoretischer Unterricht ebenso wie praktische Übungseinheiten in Präsenz in unserer Schule statt. Mit Beginn der generalistischen Pflegeausbildung haben wir auf Blockunterricht umgestellt. Bisher unterrichten wir nach Lernfeldern, im Rahmen der Generalistik nun nach curricularen Einheiten. Letztere beschreiben Themengebiete wie etwa "Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung zu unterstützen" oder "Erste Pflegeerfahrungen reflektieren – verständigungsorientiert kommunizieren".
BZ: Der Präsenzunterricht muss nun ersetzt werden durch Digitalunterricht. Wurden die Dozenten darin geschult? Gibt es dafür ein speziell zugeschnittenes Programm?
Winkler: Explizit geschult wurden die Dozenten nicht, da dies aufgrund vorhandener Erfahrungen mit Onlineunterricht und digitalem Lernen nicht notwendig war. Den Auszubildenden der Helios Kliniken wird zum Start der Ausbildung ein eigener Laptop überlassen. Dieser kann geliehen oder finanziert werden, falls die Auszubildenden diesen nach Beendigung übernehmen möchten. Bereits seit 2013 arbeitet Helios mit der digitalen Lernplattform Ilias. Über die Helios-eigene Lernbar besteht seit jeher die Möglichkeit, Lernmodule und Fachliteratur anzubieten sowie Arbeitsblätter, Unterrichtsmaterial und Informationen online bereitzustellen, Chats zu verschiedenen Themen zu generieren und Arbeitsaufträge anzubieten.
BZ: Das Fach Pflege enthält praktische Anteile, die durch die Restriktionen nicht erlaubt sind. Wie werden sie ersetzt?
Winkler: Durch gute Praxisanleitungen auf den Stationen.
BZ: Wie wurde die Abschlussprüfung unter den restriktiven Bedingungen gehandhabt?
Winkler: Unter strengen hygienischen Auflagen und unter Einsatz eines angepassten Hygienemaßnahmenplans, entwickelt von Regionalhygieniker Dr. Oeltze und mir. Auch die hervorragende Zusammenarbeit mit unserer Stationen hat uns ein reibungsloses Examen ermöglicht. Unabhängig von Prüfungssituationen gelten ebenso verschärfte Hygienemaßnahmen. Zusätzlich hat jede Mitarbeiterin in der Schule und jeder Auszubildende ein "Symptomtagebuch" zu führen, das jederzeit einsehbar ist.
BZ: Werden Ihre Schülerinnen auch auf Stationen eingesetzt, auf denen sich Coronapatienten befinden?
Winkler: Ja, sie werden unter anderen auch auf solchen Stationen, teils erst im zweiten Ausbildungsjahr. In ihrer Ausbildung lernen unsere Auszubildende von Beginn an den Umgang mit Patienten, die Infektionen mit multiresistenten Keimen haben und unter strengen hygienischen Maßnahmen betreut werden müssen. Insofern beherrschen unsere Auszubildenden alle hygienischen Vorgehensweisen und sind sehr gut geschult.
BZ: Müssen Sie bei Auszubildenden Ängste vor dem Coronavirus abbauen oder akzeptieren?
Winkler: Ja, natürlich kam das vor. Wir führen individuelle Gespräche, sind stetig in engem Austausch mit unseren Auszubildenden und können so Ängste erkennen, nehmen diese ernst und gehen bei jedem Einzelnen auf seine Bedürfnisse, Anliegen und Sorgen ein.
BZ: Gibt es Auszubildende, die unter diesen Bedingungen ihre Ausbildung abbrechen?
Winkler: Nein.
BZ: Befürchten Sie wegen der Pandemie weniger Anmeldungen für den neuen Kurs?
Winkler: Die Tendenz zeigt, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Die Pandemie hat die Vorteile des Pflegeberufs in den Fokus der Gesellschaft rücken lassen: Sinnhaftigkeit, Zukunftssicherheit, Flexibilität und Vielseitigkeit zeichnen diesen Beruf aus.
BZ: Wird nach Corona der normale Schulalltag zurückkehren?
Winkler: Ja und nein. Wir freuen uns alle auf den Präsenzunterricht. Der persönliche Austausch ist von sehr großer Bedeutung und fehlt sehr, trotz aller Bemühungen, über virtuelle Wege in Kontakt zu bleiben. Allerdings werden die Erfahrungen, die uns die Pandemie gelehrt hat, und besonders auch die Umstellungen, die in den generalistischen Ausbildungen umzusetzen sind, unseren Schulalltag langfristig prägen und verändern. Homeschooling und Onlineunterricht erfordern ein hohes Maß selbstgesteuerten, selbstorganisierten und individualisierten Lernens. Das ist vor allem für Anfänger und Personen, die die deutsche Sprache nicht vollständig beherrschen, sehr schwer zu leisten.

Susanne Winkler, 39, ist seit Oktober 2020 Schulleiterin. Sie durchlief eine Ausbildung zur Hebamme und ein Studium zur Pflegepädagogin BA. Von 2011 bis 2019 war sie als Pädagogin und Hebamme in der Helios-Klinik Titisee-Neustadt tätig. Winkler ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.