Unterschriftenliste an Bischof

Maria 2.0 ist in Oberschopfheim angekommen

Barbara Puppe-Opahle

Von Barbara Puppe-Opahle

Mo, 30. September 2019 um 15:00 Uhr

Friesenheim

In Oberschopfheim tagten Frauen und Männer zur Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche.

"Macht euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche." An dieser bundesweiten Aktionswoche der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) von 23. bis 29. September haben sich am Samstag auch Frauen und Männer in Oberschopfheim beteiligt. Eine Unterschriftenliste soll an die Deutsche Bischofskonferenz übergeben werden.

"Kann die Kirche es sich leisten, weiterhin auf 50 Prozent der Charismen zu verzichten, auf die Fähigkeiten und gleichberechtigte Beteiligung der Frauen?" Das war Thema beim Gesprächsabend in Oberschopfheim. Immer mehr katholische Frauen fordern eine geschwisterliche Kirche, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind und Zugang zu allen Ämtern erhalten. Im Mai hatte eine Gruppe Münsteraner Frauen mit der Aktion Maria 2.0 zum Kirchenstreik aufgerufen, der die Diskussion einmal mehr an die Öffentlichkeit brachte.

"Kirchenstreik war

etwas zu heftig für uns."

Hildegard Gnädig
Die zentralen Forderungen von Maria 2.0 lauten: Zugang zu allen Ämter, die Aufhebung des Pflichtzölibats und die uneingeschränkte Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. "Kirchenstreik war etwas zu heftig für uns", erklärte Hildegard Gnädig, Vorsitzende der Frauengemeinschaft Oberschopfheim, die zusammen mit drei anderen Frauen den Abend vorbereitet hatte. Man habe jedoch eine Unterschriftenaktion in die Wege geleitet, um diese dem Freiburger Erzbischof zu übergeben. Auch bundesweit läuft aktuell eine Unterschriftenaktion, die Listen sollen an die jeweiligen deutschen Bischöfe übergeben werden.

Die Forderungen von Maria 2.0 sind in Oberschopfheim angekommen. Die versammelten Frauen und auch drei Männer suchten zunächst Stichworte zum Thema. Gleichberechtigung, Hoffnung, Mut, Aufbruch waren die am häufigsten genannten Begriffe. "Achtung vor der Frau" war ein weiterer Appell. Positiv vermerkt wurde, dass Frauen auf die Straße gehen, statt im stillen Kämmerlein zu verbleiben. "Wir Frauen müssen sagen, was wir wollen und dafür kämpfen", forderte eine Teilnehmerin. Schließlich seien es nicht zuletzt die Frauen gewesen, die einst Jesus begleitet haben. Eine Frau, Maria Magdalena, war es auch, die als erste nach der Auferstehung von Jesus den Auftrag bekam: " Geh und verkündige, was du erlebt hast."

"Wir brennen für

unsere Kirche."

Ruth Schneeberger
"Wir brennen für unsere Kirche", sagte Ruth Schneeberger, Theologin und ebenfalls im Vorbereitungsteam. Es sei ihr Herzenswunsch, dass mehr Demokratie und Mitbestimmung in die Kirche einziehe. Oft sei es schwierig und streitbar, man spüre jedoch den Wunsch der Menschen nach mehr ausgebildeten Seelsorgerinnen und Seelsorgern und es sei traurig, dass die Grenzen doch sehr eng seien.

Für Anette Ehret, Mutter zweier Töchter, stellt sich auch die Frage, wie den Kindern ein Zugang zur katholischen Kirche zu vermitteln sei in dem Wissen, dass sie von vielem ausgeschlossen seien. "Das passt nicht in unsere Zeit." Wenn die katholische Kirche eine Zukunft haben solle, dann müsse ein Umbruch stattfinden.

Gemeindereferentin Bettina Richter-Klahs erklärte, es sei wichtig, einen Dialog zu führen, dazu hätten die Bischöfe einen synodalen Weg ins Leben gerufen, in dem es darum gehe, miteinander im Gespräch zu bleiben. Viel Frauenpower könne in der Kirche erlebt werden, weiß die Gemeindereferentin, in den Leitungsämtern allerdings sähe die Quote anders aus. Frauen könnten in Gremien und in der Seelsorge andere Qualitäten einbringen, allerdings gehe es nicht darum, Frauen und Männer gegeneinander auszuspielen, sondern darum, "dass Frauen es genauso gut können wie Männer".