Trockenheit

Für die Buchen in Malterdingen kommt der Klimawandel zu schnell

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Do, 21. Januar 2021 um 10:00 Uhr

Malterdingen

Im vergangenen Jahr seien die Schäden im Wald noch überschaubar gewesen – aber laut Forstamtschef Martin Schreiner geht es "langsam ans Eingemachte". Der Wald ist zu trocken.

Die Probleme mit den Trockenschäden an der das Buchenland prägenden Baumart nehmen wie in den Herbolzheimer und Kenzinger Wäldern auch im Malterdinger Wald zu. Hier ist die Buche mit 40 Prozent die wichtigste Baumart.
"Langsam geht's ans Eingemachte", fasst Forstamtschef Martin Schreiner die Probleme im Malterdinger Wald zusammen. Die Trockenheit schade besonders den alten Buchen, für die der Klimawandel zu schnell komme. "Die Buche wird die dominierende Baumart bleiben", erklärte Schreiner. Er gehe davon aus, dass die nachwachsenden Bäume besser mit der Trockenheit zurechtkommen. Allerdings würden die Buchen wohl nicht mehr so hoch werden. Angesichts der zunehmenden Schäden sei es wichtig, die Buchen rechtzeitig zu fällen, bevor sie Brennholz werden, sagte Revierförster Bernhard Schultis.

Wald soll durch neue Arten widerstandsfähiger werden

Bis zu fünf Prozent neue Baumarten, die der Trockenheit besser gewachsen seien, würden gepflanzt. Insgesamt sollen 2300 Festmeter Holz in 2021 eingeschlagen werden. Alleine 800 davon würden für die Verkehrssicherheit an der L 113 gefällt. Im Wirtschaftsplan sind rund 140 000 Euro an Einnahmen durch den Holzverkauf ausgewiesen. Nach Abzug der Kosten soll ein Plus von 3000 Euro herauskommen.

Seit Jahren werde im Malterdinger Wald ein kleines Plus erwirtschaftet, so Schultis. 3000 Euro sollen für einen Fällkeil mit Fernbedienung ausgegeben werden. Angesicht der Gefahr beim Fällen von geschädigten Buchen oder Eschen sei dies nötig, erklärte Schultis. Die Fernbedienung ermöglicht es den Waldarbeitern, von einem Ort außerhalb des Kronenbereichs die Fällung zu steuern.

Der Wald steckt einiges weg

In der Bilanz stecken knapp 7000 Euro Mehrbelastungsausgleich vom Land für den Wald als Erholungsraum. Dieser sei in der Pandemie deutlich wichtiger geworden, so Schreiner. Die Menschen hätten sich mehr und länger im Wald aufgehalten. "Der Wald hält das aus", versicherte Schreiner. Auch wenn andernorts wilde Partys im Rheinwald gefeiert wurden oder Mountainbiker Sicherheitsvorkehrungen abgebaut hätten.

"Das Kapitel Tongrube ist weitgehend abgeschlossen", erklärte Schultis auf Nachfrage zur Wiederaufforstung der Grubenbrache. Angesichts der Bodenverhältnisse seien vor allem Erlen mit etwas Eichen gepflanzt worden.

Wenn sich in etwa 80 Jahren der Waldboden regeneriert habe, könnten hochwertigere Wirtschaftsbäume gepflanzt werden. "Wir haben viel Lehrgeld gezahlt", kommentierte Schultis. Er selbst habe Schermäuse, die in den Kulturen die Wurzeln abgefressen hätten, gefangen. Weil die Grube im Sommer ein Hitzekessel sei, hätten sich die Nager stark vermehrt. Er sei froh, dass der Weiterbetrieb der Tongrube an der Auflage der Wiederaufforstung gescheitert sei, sagte Bürgermeister Hartwig Bußhardt. Den Gewinn des Abbaus einstreichen und der Allgemeinheit die Kosten für die Renaturierung aufzubürden, wäre nicht hinzunehmen gewesen.