Tischtennis

Für die Tischtennisfrauen des ESV Weil läuft es richtig gut

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 25. April 2021 um 09:42 Uhr

Tischtennis

Frauen-Tischtennis-Bundesligist ESV Weil schafft es in seiner ersten Erstliga-Saison in Meisterschaft und Pokal ins Halbfinale. Es ist die beste Saison der Vereinsgeschichte.

Das erste Jahr in der ersten Bundesliga verläuft für die Tischtennisfrauen des ESV Weil zum Beginn und zum Schluss sehr erfolgreich. Das liegt auch an Polina Trifonova.

Serge Spiess ist nicht dafür bekannt, inflationär überbordende Superlative zu gebrauchen. Der sportliche Leiter des ESV Weil ist seit mehreren Jahrzehnten gemeinsam mit seiner Frau und Abteilungsleiterin Doris der Macher und Schaffer beim Tischtennisclub im südlichsten Eck Südbadens. Er ist mit Herz bei der Sache. Man kann ihm aber nicht nachsagen, er lobe seinen Erstligaverein über den grünen Klee.

Erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte

Daher ist es beachtlich, was er am späten Mittwochnachmittag zu Protokoll gab: "Die vergangene Saison war die erfolgreichste in der gesamten Vereinsgeschichte." Und in der Tat liest sich die Bilanz beachtlich. Im Pokal und in der Liga hat es der kleine ESV Weil bis ins Halbfinale geschafft.

Aber der Reihe nach: Als nach dem vorzeitigen Ende der vergangenen Saison der damalige Tabellenführer TTC Weinheim auf sein Aufstiegsrecht verzichtete, griffen die Weilerinnen zu. Damals war klar: Das Oberhaus wird eine Herausforderung. "Die anderen Teams haben Spielerinnen aus den Top 50/60 der Weltrangliste, da ist es für uns schwierig", befand Spiess damals.

Und schwierig wurde es im Anschluss tatsächlich für das Team von Trainer Alen Kovac, dem ehemaligen Nationalspieler Kroatiens. Zu Jahresbeginn sah es so aus, als ob die Weilerinnen nach einer gewissen Anfangseuphorie auf dem Boden der Tatsachen gelandet seien. Hatte man es im September noch überraschend ins Final Four des Pokals geschafft, wollte sich in der Liga der Erfolg nicht so recht einstellen.

Lange stand das Team so am unteren Tabellenrand. Aufgrund des Rückzugs der TuS Bad Driburg stand zwar fest, dass es keine Absteiger geben würde. Der Playoff-Einzug war aber keine Selbstverständlichkeit. Als es dann noch schmerzhafte Niederlagen setzte gegen den SC DJK Kolbermoor und den TSV Schwabhausen – Teams, gegen die man in der Hinrunde durchaus mithalten konnte –, erreichte die Stimmung in Weil den Tiefpunkt.

Die Pandemie erschwerte die Saison zusätzlich: Da Weil ein Team der Pendlerinnen ist, machte der ESV seine ganz eigenen Erfahrungen mit den Quarantänevorschriften des Bundes. Alle Spielerinnen trainieren in ihren Heimatvereinen. Ievgeniia Sozoniuk in Kiew, Izabela Lupulesku in Belgrad, Jugendnationalspielerin Sophia Klee in Hessen, Polina Trifonova in Bulgarien, Vivien Scholz in Brandenburg.

Die Ausländerinnen mussten immer wieder je eine Woche vor dem Spieltag anreisen, quartierten sich dann bei Familie Spiess ein und verbrachten mehrere Tage isoliert in Quarantäne. Im Keller hielten sie sich mit einem Tischtennisroboter fit.

"Die Saison war eben auch mit Spannung und Emotionen verbunden", sagt Sportchef Spiess schmunzelnd. Aus der Rückschau weiß er, dass es im Anschluss nur noch aufwärtsging. Denn zum Ende präsentierten sich die Weilerinnen in Topverfassung. "Polina Trifonova war dabei dann unsere Spielerin des Jahres", findet Trainer Alen Kovac. Die Bulgarin war im Viertelfinale gegen Favorit TSV Schwabhausen die überragende Akteurin. "Was sie da geleistet hat, war sensationell", schwärmt Kovac auch zwei Wochen nach dem überraschenden Halbfinal-Einzug über die Leistung seiner Nummer eins.

Polina Trifonova wuchs über sich hinaus und schlug die bis dahin die gesamte Saison über ungeschlagene deutsche Nationalspielerin Sabine Winter. Nach 16 Siegen am Stück fügte das Weiler Rückschlag-Ass ihr die erste Niederlage der Spielzeit bei.

"Der Halbfinaleinzug durch zwei Siege kam völlig überraschend und hat die Saison gekrönt", findet Trainer Kovac. Dass im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft dann gegen den Serienmeister und amtierenden Champions-League-Sieger TTC Berlin Schluss war, enttäuschte kaum jemanden beim ESV.

Klee geht und Arapovic kommt

Für Kovac indes ist nach der Saison vor der Saison. Er freut sich, dass sich sein Team nur auf einer Position verändert wird. Sophia Klee zieht es zu Aufsteiger Weinheim. Hochwertiger Ersatz steht bereits fest. Kovac’ Verbindungen in die kroatische Heimat machen den Wechsel von Hana Arapovic möglich: Die 16-jährige Kroatin aus Zagreb ist aktuell die Nummer 13 der U-18-Weltrangliste.

Trotz des Erfolgs und der starken Neuverpflichtung wachsen in Weil die Bäume aber nicht in den Himmel. Was auch an Sportchef Spiess liegt. Er sagt: "Es wird schwierig, dieses Jahr zu wiederholen. Wir wollen unseren Etat verbessern und hoffen, dass wir uns in der ersten Bundesliga etablieren." Bei so viel erfrischender Zurückhaltung kann man gespannt sein, wie stark die Weilerinnen auch kommende Saison ihre Konkurrenz überraschen.