Für ein Kirchlein wird angepackt

Ursula Freudig

Von Ursula Freudig

Do, 09. September 2021

Waldshut-Tiengen

Die Maria Königin Kapelle in Detzeln wurde 1958 eingeweiht und ist Ergebnis großen Durchhaltevermögens der Dorfbevölkerung.

. Seit Corona ist sie jeden Tag auf: "Gerade in schwierigen Zeiten müssen Kirchen geöffnet sein, die Menschen brauchen einen Ort der Stille, wo sie Kraft tanken können", sagt Rosmarie Kyas. Sie spricht von der Maria Königin Kapelle in Detzeln, die sie seit sieben Jahren als Mesnerin betreut. Jeden Tag schließt sie morgens die Eingangstüre auf und abends wieder zu. Vergangenen Winter hat sie zusätzlich morgens eine zeitlang die Heizung aufgedreht.

Wer Rosmarie Kyas reden hört, spürt, dass sie eine enge Verbindung zur Maria Königin Kapelle hat, einer Filialkirche der Pfarrgemeinde Tiengen.Vor der Corona-Pandemie feierte Detzeln in seiner kleinen Kirche ein Mal im Monat eine heilige Messe und zusätzlich die Hochfeste. Seit Corona ist sie "nur" noch privat zur stillen Einkehr geöffnet. Dafür gibt es aber auf dem Kirchplatz bei schönem Wetter bereits wieder Angebote, so wie kürzlich die Feier des Patroziniums am 22. August, dem römisch- katholischen Festtag Maria Königin. Die Detzelner Kapelle ist also der Gottesmutter geweiht, die als Königin des Himmels oder Weltalls verehrt wird.

Informiert man sich über das Entstehen der Detzelner Kapelle, wird in den Dokumenten immer wieder hervorgehoben, dass sie sich einer gut funktionierenden Dorfgemeinschaft und deren Ausdauer verdankt. Es heißt in Unterlagen, dass bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein Kapellenbau geplant wurde und nach Ende des Krieges ein Kapellverein fleißig Spenden für den Bau sammelte. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern bis das Vorhaben umgesetzt wurde und der Ort feststand, an dem sie heute steht. Nach Aussage von Rosmarie Kyas wollten die Detzelner ihr neues Gotteshaus ursprünglich nahe der Steina bauen. Wegen einer möglichen Gefährdung der Kirche durch Hochwasser wurde dieser Platz aufgegeben. Ihren Standort fand die Maria Königin Kapelle schließlich leicht erhöht links der Ortseinfahrt von Tiengen kommend. Dort war im Juli 1954 die Grundsteinlegung. So gut wie alle Detzelner versammelten sich nach einer Prozession von der alten Oswald Kapelle, um diesen Anlass mit dem damaligen Dekan Karl Armbruster und dem damaligen Tiengener Stadtpfarrer Eugen Fürstos zu feiern. Das wechselhafte Wetter hielt und gegen Ende kam sogar die Sonne durch, was laut damaligen Tiengener Pfarrblatt "wie eine Bestätigung war, dass das, was geschah, recht war und Gottes Wohlgefallen darauf ruhe." Viele Detzelner Bürger hatten den Kirchenbau unterstützt: Nicht nur finanziell, sondern auch durch Eigenarbeit, sprich Muskelkraft direkt auf der Baustelle.

Im Herbst 1958 war es dann soweit: Die Maria Königin Kapelle wurde feierlich eingeweiht, gut 50 000 Mark soll der Bau gekostet haben. 1960 folgte die Anschaffung von drei Glocken. Die robust wirkende Kapelle ist innen schlicht eingerichtet. Zentral im Altarraum sind ein großes Holzkreuz und ein Mosaikbild Marias, das der Tiengener Handwerker und Künstler Paul Przybylski geschaffen hat. Im Kirchenraum sind handgeschnitzte Kreuzweg-Bilder das Besondere. .

Dass die Detzelner Bürger und die Vereine nach wie vor hinter der Maria Königin Kapelle stehen, zeigte sich 2016, als eine neue Orgel nötig wurde. Wieder wurde sehr erfolgreich Geld gesammelt – mehr als 5000 Euro, kamen bei verschiedenen Veranstaltungen zusammen. Damit war die neue Orgel finanziert.