Ganz viel erfahren – dann erleben

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Mi, 17. Juli 2019

Lörrach

Doppelführung in der Ausstellung und auf der Burgruine Rötteln.

LÖRRACH. Bei der Doppelführung des Dreiländermuseums und Röttelnbunds konnten die Teilnehmer am Sonntag die aktuelle Ausstellung über die Burg Rötteln im Dreiländermuseum und die Ruine selbst entdecken. Harald Ziegler vom Röttelnbund führte die Besucherinnen und Besucher durch die Jahrhunderte und Räume der Burg Rötteln.

DREILÄNDERMUSEUM
Lange hätten sich die Menschen mehr für die Antike als für die mittelalterlichen Burgen interessiert, erklärte er. Mitte des 19. Jahrhunderts, mit Beginn der Industrialisierung habe jedoch ein Umdenken stattgefunden. Als der Röttelnbund sich 1926 daran machte, die Burg vor dem Verfall zu bewahren, habe es kritische Stimmen gegeben. Es bestand die Sorge, die Romantik der überwachsenen Ruine könne durch Konservierung verloren gehen, so Ziegler. Der Röttelnbund hat 600 Mitglieder, etwa 30 kümmern sich ums Tagesgeschäft und sorgen für den Erhalt der Ruine. 6000 bis 7000 Stunden Arbeit kämen so jedes Jahr zusammen.

Die Ausstellung ist in drei Epochen der Burg Rötteln gegliedert: das Hochmittelalter zwischen 1100 und 1300 unter den Edelfreien von Rötteln, das Spätmittelalter von 1300 bis 1500 unter den Markgrafen von Hachberg-Sausenburg, die frühe Neuzeit unter dem Markgrafen von Baden von 1500 bis zur Zerstörung 1678. Eine von vielen Besonderheiten ist eine Schachfigur aus Elfenbein, die sich auf der Burg fand. Sie sei wohl von Nordafrika über Sizilien nach Rötteln gekommen.

Nach Augenzeugenberichten war die Innenausstattung der Burg äußerst prächtig. Gleich ob durch kunstvolle Wandteppiche oder Zierkacheln mit religiösen, mythologischen oder herrschaftlichen Symbolen – die Burg habe bei ihren Besuchern Eindruck hinterlassen. Auch Glasfunde gab es. Hergestellt wurde das Glas bereits im 14. Jahrhundert in Raitbach und dann in Basel verkauft. Die äußerst holzintensive Glasherstellung habe mit dafür gesorgt, dass die ehemaligen Buchenwälder in der Region durch die massive Abholzung etwa durch Fichten ersetzt wurden. Das gab dann dem Schwarzwald seinen Namen.

Nachdem die Burg 1678 von den Franzosen eingenommen und durch ein Feuer zerstört worden war, wurde sie nicht wieder aufgebaut. Weil sie gegen neue Waffen wie Kanonen nicht mehr zu schützen war, wurde die Lage der Burg unattraktiv, so Ziegler. Somit musste die auf der Burg beheimatete Verwaltung einen neuen Platz finden. Hier sei die Wahl auf Lörrach gefallen, vermutlich weil man im Falle eines Angriffes aus Frankreich schneller nach Riehen und Basel flüchten konnte.

AUF DER RUINE
Mit dem Bus ging es vom Dreiländermuseum zur Burgruine. Ziegler präsentierte die vielfältigen Aspekte der Burg. Heutzutage besuchen jedes Jahr 50 000 Besucherinnen und Besucher die Oberburg und den frei zugänglichen Teil grob geschätzt etwa 250 000 Menschen. "Die Burg Rötteln war die schönste, größte und technisch modernste Burg am Oberrhein", stellte Ziegler fest. Deutlich wurde dies etwa an der Zugbrücke. Statt im Falle eines Angriffs erst mühselig die gesamte Länge der Zugbrücke nach oben ziehen zu müssen, sei diese zweigeteilt gewesen. Die Hälfte davon hochzuziehen, war mit gerade einmal 20 Prozent des Kraftaufwandes im Vergleich zur gesamten Brücke möglich, erklärte er. Ähnlich technisch raffiniert war das Zisternensystem. Durch die Aufschüttung von Kies und Sand wurde das Regenwasser gefiltert, bevor es in der Zisterne gespeichert wurde. Modern waren auch die Verliese in den beiden Türmen – es gab eine Trennung zwischen Straftätern und zivilrechtlichen Übeltätern wie Schuldnern. Ähnlich raffiniert wurden bei der Erbauung der Burg vor gut 900 Jahren die großen Steine für den Turmbau mittels einer metallenen Greifzange hochbefördert.

Bei der Doppelführung wurde der enge Bezug der Ausstellung mit der Burgruine deutlich. Zugleich zeigte sich, dass die Burg mehr als 340 Jahre nach ihrer Zerstörung noch ihre Besucher fasziniert.

Termine, Röttelnbund: 25. Juli, 19 Uhr: Röttler Geschichte(n) Teil 3. Rudolf IV und Philipp – Aufstieg und Entfremdung (mit Burgrundgang); Dreiländermuseum: 28. Juli, 11.30 Uhr, Vortrag Tafelfreuden und Alltagsbrei – Kochen und Essen im Mittelalter.