Auf 1000 Metern Höhe

Gar keine himmlischen Zustände mehr

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Di, 11. August 2020 um 17:08 Uhr

Titisee-Neustadt

Der Verkehr und die ungeordneten Zustände auf der Hochebene bringen die Schwärzenbacher und ihre Gäste um eine ihrer Attraktionen.

. Morgens kurz vor halb neun, schon fast 20 Grad warm, blauer Himmel, der Duft des Sommers, zwei stattliche Bauernhöfe, grasendes Vieh auf den Weiden. Doch die Idylle ist getrübt. "Kriegen wir unsere Himmelsliege nicht mehr", fragt Cosima Spiers. Sie ist, wie jeden Tag zwei Mal, mit ihrem Hund Lucky auf der Schwärzenbacher Hochebene unterwegs, als sie am Verbindungsweg nach Eisenbach Ralf Grünsteidl stehen sieht. Sie kennen sich, sind Nachbarn. Riesengroß ist ihre Enttäuschung, als sie erfährt, dass sie künftig nicht mehr Platz nehmen und die Aussicht nach Süden genießen kann, die am Horizont von Holzschlag bis Breitnau reicht und die Höhen und Wälder streift, das Windrad Olpenhütte, die Hinterzartener Sprungschanze, den Feldberg.

Rückblick: 2017 feierte Schwärzenbach sein 700-jähriges Bestehen. Ein großes Ereignis für den kleinen Ort. 3000 Euro Erlös blieben übrig, die man sinnvoll einsetzen wollte. Die Wahl fiel auf drei Himmelsliegen, die an ausgewählten Orten die reizvolle Lage Schwärzenbachs hervorheben sollten. Die eine wurde beim Ahorn aufgestellt, die andere steht oberhalb des Haberjockelhofs, die dritte schließlich auf der Ebene, direkt neben der Gruppe mit Baum, Kreuz, Bank und Hinweistafeln. Diese hier war besonders beliebt, die Hochebene ist ganzjährig ein Anziehungspunkt für Einheimische, mehr noch für Gäste, sommers wie winters. Diese Beliebtheit ist der Liege nun aber zum Verhängnis geworden. Denn immer wieder trafen sich hier Gruppen, woher auch immer, zu nächtlichem "Remmidemmi", wie Grünsteidl sagt. Und sie parkten ihre Autos in die Weiden beiderseits des Wegs. So lange, bis es Frank Kleiser vom Hochebenehof zu bunt wurde. Am Montag war es so weit, die Schwärzenbacher mussten die Liege beseitigen. Ein Traktor rückte an und hob die Sitzgelegenheit aus dem Boden, sie steht jetzt bei Grünsteidl.

Vorausgegangen war ein Ortstermin mit Bürgermeisterin Meike Folkerts. Das Problem mit dem Verkehr ist im Rathaus sowieso anhängig als Konflikt zwischen Tourismus und Landwirtschaft (die BZ berichtete). Spiers spricht von chaotischen Verhältnissen, auch Grünsteidl beklagt das hohe Aufkommen von Autos und zunehmend auch Wohnmobilen. An diesem Morgen steht ein Mobilist da, den Spiers schon seit Langem regelmäßig sieht. Dem Kreuz-und-quer-Parken immerhin soll durch die Markierung des Parkplatzes entgegengewirkt werden. Grünsteidl wünscht sich vom Ordnungsamt eine Ausschilderung, wonach Wohnmobile nicht auf die Ebene fahren dürfen, sondern am Platzbergparkplatz stehen bleiben müssen.

Und was wird aus der Himmelsliege? Man will sie wieder aufstellen, natürlich, Geld und eine Portion Eigenarbeit stecken drin. Nur über den Platz ist man noch im Unklaren. Infrage kommen bisher Standorte nahe dem Haberjockelshof oder beim Wenzelhäusle, wie Spiers von Grünsteidl erfährt. Wann es so weit sein soll, steht nicht fest.