"Geheule bringt mich nicht weiter"

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Von dpa

Sa, 17. Oktober 2020

Basketball

Start des VfB Friedrichshafen in die Saison der Volleyball-Bundesliga könnte leichter sein / Auswärtsspiel in Königs Wusterhausen.

Auf dem Weg zum ersten Saisonspiel wollten die Volleyballer des VfB Friedrichshafen keinerlei Risiko eingehen. Noch ist niemand im Team des Rekordmeisters positiv auf das Coronavirus getestet worden und das sollte vor dem Bundesliga-Auftakt bei den Netzhoppers KW-Bestensee am Samstagabend auch so bleiben. Ein Supermarkt in Friedrichshafen stellte den Spielern und Betreuern daher Pakete mit Essen für die rund 750 Kilometer lange Fahrt nach Brandenburg zusammen, damit niemand den Bus verlassen musste. In der Corona-Krise seien es die einfachen Dinge wie diese Hilfe, die wirklich super seien, sagt der VfB-Trainer Michael Warm.

Ansonsten ist "einfach" gerade ein Fremdwort im deutschen Volleyball. Auch für den Titelanwärter Friedrichshafen und seinen 52 Jahre alten Coach. Im vergangenen Jahr an den Bodensee gekommen, erlebte Warm wegen der Corona-Krise zunächst den Saisonabbruch im März und nun in der Vorbereitung auch noch den Wegfall der Heimspielstätte. Die ZF-Arena ist baufällig und wurde geschlossen.

Deshalb wich der VfB in den vergangenen Wochen in Hallen von Nachbargemeinden aus und hatte nur die Hälfte der geplanten Trainingszeiten, wie Warm erklärt. Zudem bestreitet der Champions-League-Teilnehmer die ersten vier Ligaspiele auswärts. Lange aufhalten will sich Warm mit solchen Problemen aber nicht, denn: "Geheule bringt mich auch nicht weiter." Und hilft nicht, die großen Ziele zu erreichen.

Der VfB will in dieser Saison wieder richtig angreifen. "Natürlich wollen wir Meister werden", sagt Warm, betont aber auch, dass er das niemals als Ziel ausgeben würde. Nur als Wunsch. Genauso wie den Pokalsieg. Denn nach der schwierigen Vorbereitung werde erst die Saison zeigen, wie stark seine Mannschaft ist.

Viel stärker als zuletzt, heißt es zumindest im Umfeld des Vereins. Denn neben vielversprechenden Neuzugängen wie den beiden 33 Jahre alten Routiniers Dejan Vincic (Zuspiel) aus Slowenien und Nicolas Marechal (Außenangriff) aus Frankreich verfügt Warms Kader auch über eine Reihe hochveranlagter Talente.

Hauptkonkurrent dürfte wieder der Erzrivale Berlin Volleys sein, der zuletzt viermal in Serie Meister war. Friedrichshafen gelang das letztmals 2015 unter Stelian Moculescu – und musste nach dem Viertelfinal-Aus auch noch mit ansehen, wie ihnen die Berliner im Februar den Pokaltitel wegschnappten.

Sein erstes Heimspiel in dieser Saison wird der VfB wahrscheinlich erst Mitte November austragen können. Vermutlich wird die künftige Heimspielstätte eine Halle der Messe Friedrichshafen sein. Eine Entscheidung soll demnächst fallen.

Während die Situation in der Bundesliga extrem angespannt sei, wie ihr Präsident Michael Evers sagte, sieht es in Friedrichshafen finanziell besser aus als bei manch anderem Club. Der VfB konnte seine Sponsoren im Wesentlichen halten, wie Teammanager Matthias Liebhardt bestätigte. Die Vorbereitung sei aber komisch gewesen, sagt Trainer Warm. "Man macht seine Arbeit und weiß nicht so recht, was dabei rauskommt."

Der Südbadische Volleyball-Verband (SBVV) hat wegen der steigenden Zahl der Corona-Infektionen alle Spiele für das Wochenende abgesagt. Das gab der Verband am Freitag bekannt. Die Absagen betreffen die Ligen von der Freizeit- und Kreisklasse bis zur Verbandsliga.