Russland

Geht’s eigentlich noch naiver?

Dieter Fritsch

Von Dieter Fritsch (Staufen)

Mi, 17. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Russland muss seinen Beitrag leisten", Interview von Thomas Fricker mit Klaus Mangold (Politik, 28. Januar)

Putin hat politisch klug berechnend die Krim "zur Rettung der russischen Bevölkerung" besetzt und in der Ukraine mit Erfolg "gezündelt", zunächst (laut Putin) ohne Russen, dann mit "Soldaten in Urlaub"? Als Truppenausweise russischer Soldaten entdeckt wurden, gab er zu, dass russische Truppenteile am "heroischen Kampf" gegen Unterdrückung von Minderheiten beteiligt sind.

Empfehlung von Herrn Mangold: "Miteinander reden". Ach, ist das beruhigend! Stichwort Mordanschlag auf Nawalny: Herr Fricker: "Moskau wollte keine Untersuchung". Herr Mangold: "Man hätte Interesse in Moskau wecken müssen". Geht’s eigentlich noch naiver? Es wird noch plumper. Erstens: Ausschluss aus "G8", wegen völkerrechtswidriger Annexion der Krim. Herr Mangold sagt dazu: "Da wären andere Mittel besser gewesen". Welche bitte? Etwa wieder miteinander reden, um eine Annäherung an den Westen zu erreichen. Sicher wäre Putin dann "brav" auch wieder von der Krim abgezogen.

Zweitens: Russland war bereit (gemäß UN-Vorschlag), eine "entmilitarisierte Zone" in der Ost-Ukraine zu akzeptieren, so Herr Mangold. Na klar, um die Ukraine, übrigens ein souveräner Staat wie Russland, zu destabilisieren.

Drittens: Herrn Mangolds Vergleiche zur Wirtschaftslage zwischen Russland und "uns"( Deutschland/EU) hinken gewaltig. Mir scheint da seine euphorische Milde gegenüber Putin zu siegen. Hätten die baltischen Staaten nicht sofort nach Auflösung des Warschauer Paktes dringend um Aufnahme in die Nato gebeten (nicht die Nato hat diese "Erweiterung erzwungen", wie Putin behauptet), hätte er auch ohne Risiko den russischen Bevölkerungsteil in Estland befreit. Dann hätte sicher Herr Mangold vorgeschlagen, miteinander zu reden. Dieter Fritsch, Staufen