Glosse

Geishas in Japan und Kühe im Schwarzwald teilen ein ähnliches Schicksal

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Do, 06. Mai 2021 um 08:42 Uhr

Unterm Strich

Die schneeweiß geschminkten Damen mit den sündhaft teuren Kimonos, den aufwändigen Frisuren und den Tippelschritten sind ein sehr beliebtes Fotomotiv bei Touristen. Und das ist ein Problem.

Die Hanamikoji-Straße im japanischen Kyoto hat viel von ihrem ursprünglichen Charme erhalten. Wenn die Sonne untergeht, erwacht die breite Gasse mit den meist aus Holz gebauten Häuschen im Amüsier-Viertel Gion zum Leben. Das liegt auch an den Damen, die Gion zu dem Touristenmagneten gemacht haben, der er heute ist: den Geishas. Sie leben dort nicht nur, sondern gehen dort mitunter auch ihrem Job nach, der weit weniger anrüchig ist, als es die erotischen Fantasien der Westler oft suggerieren.

Was genau die Geishas, beziehungsweise deren Azubis, die Maikos, in den als Teehäusern getarnten Trinkhöhlen tatsächlich machen, würde den Rahmen dieser Glosse sprengen. Tatsache ist, dass die schneeweiß geschminkten Damen mit den sündhaft teuren Kimonos, den aufwändigen Frisuren und den Tippelschritten ein extrem beliebtes Fotomotiv bei Touristen sind.

Manche der Besucher vergessen dann sämtliche Grenzen, fassen den Geishas ins Haar oder umarmen sie für ein Selfie. Die Stadtverwaltung versucht diesem ein Ende zu setzen und hat vor einigen Jahren in der Hanamikoji-dori Schilder aufgestellt mit einer klaren Botschaft: "Don’t touch the Geishas" (Berühre die Geishas nicht). Offenbar scheint manchen Touristen angesichts des schönen Fotomotivs der Gaul durchzugehen.

Das scheint auch im Schwarzwald der Fall zu sein. Nun gibt es hier weniger Geishas, dafür aber umso mehr Kühe. Und die werden offenbar ebenso gerne fotografiert, umarmt, man streicht ihnen durchs Fell. Alles so Sachen, die Kühe nicht haben wollen und wegen denen sie schnell aggressiv werden können.

Was tun? Ähnlich wie in Kyoto werden nun an vielen Stellen des Biosphärengebiets Schwarzwald Schilder aufgestellt, die vor Selfies mit Kühen warnen und dazu raten, generell Abstand zu ihnen zu halten. Auch Füttern soll man die Tiere nicht. Immerhin – möchte man einwerfen – hat das bei den Geishas wohl noch keiner versucht. Hoffentlich zumindest.