Gelbe Diva unter den Pilzen entdeckt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 26. Februar 2021

Kirchzarten

Forstbezirk Hochschwarzwald sieht Fund als Bestätigung für naturnahe Waldbewirtschaftung.

(BZ). Einen Sensationsfund meldet der Forstbezirk Hochschwarzwald mit Sitz in Kirchzarten: Gleich an vier Orten sei die Zitronengelbe Tramete gesichtet worden. Der quietschgelbe Pilz sei die Diva unter den Pilzen und ein Indikator für sehr naturnahe Wälder, wie der stellvertretende Leiter des Forstbezirks, Philipp Weiner, erklärt. Der Fund sei tatsächlich etwas Besonderes, bestätigt Dennis Regul, Pilzsachverständiger bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGFM). Die Zitronengelbe Tramete komme nur in alten Wäldern mit Totholz vor und sei daher sehr selten.

Bei einer ersten Inventur von Arten in einem schon 100 Jahre zuvor als Bannwald unter Schutz gestellten Gebiet sei Ende 2014 die erste Tramete Baden-Württembergs gefunden worden, "sie hatte sich bisher recht gut versteckt", so Weiner. In naturnah bewirtschafteten Wäldern des Forstbezirks sei "der scheue Pilz" gleich an vier Orten gesichtet worden. Weiner spricht von einer "freudigen Sensation", die den eingeschlagenen Weg einer naturnahen Wirtschaftsweise bestätige. "Der Fund zeigt eindrucksvoll, wie das Zusammenspiel von unbewirtschafteten Waldbereichen, sogenannten Bannwäldern, deren Verknüpfung über Trittsteinflächen, den Waldrefugien, hinein in bewirtschaftete Wälder wirkt."

Der Pilz hat Weiner zufolge ganz eigene Ansprüche an seinen Lebensraum. Er fühle sich eher in höheren Lagen wohl, "ausreichend Niederschlag und Luftfeuchte scheinen ihm auch zu bekommen". Ganz speziell wünsche sich der Pilz eine große Menge an abgestorbenen Fichten, dieses Totholz müsse auch noch vom Rotrandigen Baumschwamm besiedelt sein, erst auf dem könne er selbst gedeihen. Ob er einfach auf seinem Vetter wächst oder diesen gar parasitisch ausnützt, müsse die Wissenschaft noch klären, sagt Weiner.

Biodiversität, die Vielfalt der Arten und deren Bedrohung werde häufig symbolhaft an Säugetieren festgemacht. Doch: "Sowohl von der Artenanzahl als auch von deren Bedeutung für einen Lebensraum haben sowohl Insekten als auch Pilze eine ganz grundlegende und große Bedeutung", sagt Weiner. Die Tramete sei mit dem Dreizehenspecht ein Symbol für ursprüngliche, wilde Nadelholzwälder in Europa. "Dass sich auch der Dreizehenspecht in unseren Wäldern wohlfühlt, ist ein weiterer Beleg für die Vereinbarkeit unserer Waldnutzung mit dem Artenschutz", so Förster Hansjörg Frei, in dessen Revier neben dem Specht nun auch der rare Pilz entdeckt wurde.

Auf die Spur kam man ihm laut Weiner über das Forschungsprojekt "ConFoBi". Pilzspezialist Max Wieners habe die Art auf zwei Untersuchungsflächen sowie an zwei Stellen in benachbarten Wäldern gefunden. Erforscht werde, wie wirksam etwa die Anreicherung von Habitatbäumen und Totholz für den Erhalt der Biodiversität in Wirtschaftswäldern sind und wie Biodiversitätsschutz effektiv in andere Waldfunktionen integriert werden kann. Der im Forstbezirk eingeschlagene Weg sei wohl schon ganz gut, so Weiner: "Pilze lügen nicht, zumindest nicht die gelben."