Prozess in Offenburg

Ein Mann soll seine Frau getötet haben − vor 23 Jahren

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 25. Oktober 2019 um 13:10 Uhr

Gengenbach

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Offenburg wird ab 18. November gegen einen 48-Jährigen verhandelt. Der Mann soll 1996 seine Ehefrau getötet haben.

Nach 23 Jahren steht ein Tötungsdelikt, dem 1996 eine junge Frau aus Gengenbach zum Opfer gefallen ist, vor der gerichtlichen Aufarbeitung. Ein 48 Jahre alter Mann ist vom 18. November vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Offenburg angeklagt seine damalige Ehefrau ermordet zu haben.

Grund soll eine Urlaubsbeziehung der Frau gewesen sein

Die Anklagebehörde wirft ihm vor, am Abend des 20. Juni 1996 seine Ehefrau in deren Dachgeschosswohnung getötet zu haben. Der Angeklagte und das Opfer hatten zwei Jahre zuvor im Heimatland des Angeklagten geheiratet und sich Anfang des Jahres 1996 getrennt.

Der Angeklagte soll wegen einer intimen Urlaubsbeziehung seiner Ehefrau mit einem anderen Mann beschlossen haben, sie zu töten, heißt es in einer Pressemitteilung des Landgerichts. Außerdem habe er die Möglichkeit gesehen, durch den Mord an das Geld seiner Ehefrau zu kommen. Der Angeklagte soll laut Anklage sechs Mal auf die wehrlose Frau eingestochen haben. Sie verstarb an inneren Blutungen infolge eines Herzstichs.

Geld vom Konto des Opfers abgehoben

Der Angeklagte soll unmittelbar nach der Tat den Geldbeutel der Ehefrau mit einem unbekannten Bargeldbetrag an sich genommen und an einem Geldautomaten der Sparkasse Gengenbach von deren Konto einen Betrag in Höhe von etwa 800 D-Mark abgehoben haben.

Der Angeklagte habe sowohl bei der Heirat, als auch bei der späteren Einreise nach Deutschland die Personalien seines Cousins benutzt. Nach der Tat floh er in sein Heimatland und arbeitete dort unter seiner wahren Identität. Nach politischen Unruhen kehrte er im Jahr 2018 wieder nach Deutschland zurück. Die unterschiedlichen Personalien hätten die Ermittlungsarbeit für die deutschen Behörden erschwert. Das Verfahren war zwischenzeitlich eingestellt worden, da man irrtümlich davon ausgegangen war, dass der Angeklagte verstorben sei.

Eine Verurteilung ist nur noch wegen Mordes möglich

Da seit der Tat inzwischen mehr als 23 Jahre vergangen sind, besteht eine Verjährungsproblematik. Eine Verurteilung ist nur noch wegen Mordes möglich, da Mord nicht verjährt. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Offenburg verhandelt deshalb über die Frage, ob der Angeklagte wegen Mordes verurteilt werden kann. Als mögliche Mordmerkmale nennt die Anklageschrift Heimtücke, Habgier sowie niedrige Beweggründe.

Während alle anderen Straftaten der Verjährung unterliegen, das heißt, dass sie nach Ablauf einer bestimmten, von der gesetzlichen Strafdrohung für das Delikt abhängigen Zeitdauer, nicht mehr verfolgt werden können, gilt dies für Mord nicht. Nicht jede vorsätzliche Tötung eines Menschen ist Mord: Hinzukommen muss mindestens eines der zehn strafgesetzlich definierten Mordmerkmale. Je länger eine Tat zurück liegt, desto schwieriger ist es, einen Tatnachweis zu
führen. Zeugen können sich nicht mehr erinnern oder sind nicht mehr auffindbar, Spuren gehen verloren, Zweifel an der Schuldfähigkeit lassen sich manchmal nicht mehr gut aufklären.
Termine

18. November, 8.30 Uhr, 20. November 13 Uhr, 26. November, 8.30 Uhr, 27. November, 8.30 Uhr, 28.November, 8.30 Uhr, 4. Dezember, 8.30 Uhr.