Annalena Baerbock

Gestandene Frauen jeglichen Berufs werden oft abgeschwächt

Hildi Geib

Von Hildi Geib (Ehrenkirchen)

Do, 29. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Sie wagt den großen Sprung", Beitrag von Thorsten Knuf (Die dritte Seite, 20. April)

Parteiunabhängig vermisse ich im Artikel über Annalena Baerbock (Grüne) Achtung und Wertschätzung. "trägt ein blaues Kleid, hinter ihr die grüne Wand", "das Amt ist ein paar Nummern zu groß", "Antworten hat sie sich vorher zurechtgelegt", "nach dem wichtigsten Amt greift", "wühlt sich durch Vorlagen und Dokumente", "fällt sie mit Detailkenntnis auf", "mag keine überragende Rednerin sein", "sie weiß, dass ihre knarzige Stimme manchen Zuhörer nervt." Weiter, "man lebt in einem alten Bauernhaus – in einem linksliberalen Bullerbü", "Politikerin aus der dritten Reihe". Ihre gute Rhetorik wird mit "Das klingt staatstragend" dokumentiert. Man gewinnt leider den Eindruck, dass, wenn die Biografie eines Menschen stimmt und man nichts Anstößiges entdecken kann, man ihn dann in diesen Worten herabsetzten möchte, nur um sich reißerisch hervorzutun.

Den Bericht habe ich nochmals gelesen, aber dabei statt Frau Baerbock, den Namen von Herrn Habeck eingesetzt. Nie wäre ein Artikel in solch einer Form über ihn gedruckt worden. Große Achtung habe ich vor der Entscheidung von Herrn Habeck, diese ist absolut selten.

Seit vielen Jahren fallen mir immer wieder Artikel auf, in denen gestandene Frauen jeglichen Berufs oft abgeschwächt worden sind und immer noch werden. Bekanntere, wie zum Beispiel damals Gerdi Staiblin, Ursula von der Leyen und so weiter, wurden/werden auf Familie reduziert, wie viele Kinder sie haben, ob sie dem Amt gewachsen seien und dergleichen. Trotz der Mehranforderungen, die sie als Frau zu bewältigen haben.

Sie schenken oft Leben, haben Familie. Alleine dies ist schon eine Aufgabe an Management. Zusätzlich haben sie einen guten beruflichen Werdegang vorzuweisen. Deshalb wirkt der Artikel auf mich misogyn. Diesen Journalismus werde ich persönlich nicht weiter unterstützen.

Hildi Geib, Ehrenkirchen