Befragung

Gewalt gegen Frauen und Kinder hat in der Corona-Krise zugenommen

Michael Saurer und dpa

Von Michael Saurer & dpa

Mi, 03. Juni 2020 um 07:17 Uhr

Deutschland

Streit, Ohrfeigen, Vergewaltigung: Laut einer Online-Befragung erlitten zahlreiche Frauen in der Corona-Krise Gewalt in der Familie. Auch Kinder. Das zeigt eine Online-Befragung.

Viele berichteten bei der wissenschaftlichen Umfrage von lautstarkem Streit, Ohrfeigen und erzwungenem Sex. Die Online-Befragung wurde unter rund 3800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren durchgeführt. Ähnliche Hinweise auf häusliche Gewalt während der Corona-Krise gibt es auch aus anderen Ländern.

3,1 Prozent der Frauen berichteten, in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen mindestens eine körperliche Auseinandersetzung erlebt zu haben, etwa Schläge. Ähnlich viele Frauen gaben an, vergewaltigt worden zu sein. Bei 6,5 Prozent wurden Kinder den Aussagen der Mütter zufolge gewalttätig bestraft. Offen blieb, ob die Gewalt in diesem Fall von der Frau oder dem Mann ausging.

Bei Frauen in Quarantäne stiegen die Zahlen stark an

Befanden sich die Familien zu Hause in Quarantäne, stiegen die Zahlen stark an: Dann berichteten 7,5 Prozent von körperlicher Gewalt, in 10,5 Prozent der Fälle erlitten Kinder Gewalt. Ähnlich dramatisch waren die Angaben, wenn die Familie akute finanzielle Sorgen hatte: Körperliche Gewalt traf Frauen dann in 8,4 Prozent der Fälle, Kinder in 9,8 Prozent.

Am höchsten waren die Zahlen, wenn ein Partner Depressionen oder Angst hatte. Hier gab es bei 9,7 Prozent körperliche Gewalt gegen Frauen und bei 14,3 Prozent gegen Kinder.

Aus der Studie lässt sich allerdings nicht ableiten, ob sich die Fälle häuslicher Gewalt infolge der Pandemie generell erhöht haben. "Wir können keine Rückschlüsse auf die Zeit vor Corona schließen", sagt Janina Steinert, die als Sozialwissenschaftlerin an der Technischen Universität München mit der Volkswirtin Cara Ebert vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung die Untersuchung leitete. Es gibt zwar Studien zu dem Thema, diese untersuchen aber stets einen längeren Zeitraum als ein paar Wochen und sind somit nicht vergleichbar. Eine Zunahme der Fälle häuslicher Gewalt sei aufgrund der erhobenen Daten aber sehr wahrscheinlich, betont Steinert.