Premiere für das Musical Tom Sawyer

Goethe-Gymnasiasten spielen lebendig und glaubwürdig – Chapeau!

Georg Voß

Von Georg Voß

Di, 16. Juli 2019 um 14:52 Uhr

Emmendingen

Das Junges Theater und Unterstufenchor des Goethe-Gymnasiums (GGE) bringen das Musical Tom Sawyer lebendig auf die Bühne. Die Musik von Jens Uhlenhoff, ehemaliger GGE’ler, passt perfekt.

EMMENDINGEN. Das Musical "Tom Sawyer" hatte es in sich. Zur Premiere kamen am Montagabend rund 250 Besucher in die Aula des Goethe-Gymnasiums (GGE). An zwei Abenden traten 32 junge Akteurinnen und Akteure des GGE Junges Theater unter Leitung von Norma Hambrecht und die 35 Sängerinnen und Sänger des Unterstufenchores unter der Leitung von Berthold Braitsch auf.

Da das Junge Theater mittlerweile sehr groß geworden ist, sind die 16 Rollen doppelt besetzt. Das Musical lehnt sich eng an die Romanvorlage des US-amerikanischen Schriftstellers Mark Twain an, auch wenn nicht alle Szenen daraus übernommen wurden. Für die Textfassung ist Christine Jonas verantwortlich Das Musical ist spannend und attraktiv inszeniert, in den anderthalb Stunden kommt an keiner Stelle Langweile auf.

Getragen wird dieses Stück, das diese Atmosphäre des 19. Jahrhundert in diesem fiktiven Ort am Mississippi tief eingeatmet und glaubwürdig in Szene gesetzt hat, durch die große Spielfreude der Schauspieler, insbesondere der von Simon Hiller, der an beiden Tagen in die Hauptrolle des Tom schlüpft und durch seine facettenreiche Gestik und Mimik ihn glaubwürdig und authentisch zum Leben erweckt. Der Unterstufenchor, bestehend aus Schüler der fünften bis achten Klasse, ist immer präsent, mal direkt im Geschehen auf der Bühne, mal vor der Bühne, während die Akteure mit dem Umbau für die nächste Szene beginnen. So entsteht keine ungewollte Pause. Die Lieder sind wohl auskomponiert mit viel Pep und Tiefgang und fügen sich textlich geschmeidig in die Abenteuer des Tom Sawyer ein. Die Songs für das Musical komponierte der Emmendinger Kulturpreisträger Jens Uhlenhoff. Berthold Braitsch am Klavier und Tim Stolberg am Schlagzeug und Mika Holm, beide aus der K1, an der E-Gitarre sorgten für die musikalische Begleitung.

Gleich in der ersten Szene treffen Tom Sawyer und sein Freund Huckleberry Finn (Ben Löhle/Luzie Trinkner) aufeinander, der dabei ist, einen Heilzauber gegen Warzen mit Hilfe einer toten Katze zu kreieren. Huckleberry Finn ist ohne festen Wohnsitz, sein Vater ein Trinker, die Mutter gestorben. Auch Tom ist ein Waisenkind und wächst bei seiner Tante Polly (Katharina Schuldt/Pauline Siegel) und seinen Halbgeschwistern Mary (Julianna Horning/Nelli Aberle) und Sid (Anna Ritter/Theo Krumm) auf. Tom schwänzt gerne die Schule und vertreibt lieber seine Zeit mit Huckleberry Finn. So kommt er oft erst spät abends nach Hause, erfindet irgendwelche hanebüchenen Ausflüchte, wird aber oft von Sid verpetzt, während sich Tante Polly sich große Sorgen um die Erziehung von Tom macht. Der Chor unterstreicht ihre Sorgen: "Nichts als Ärger, nur die Streiche … Ich bin auch einfach nur besorgt um ihn."Als Tante Polly ihn bei einer seiner Ausflüchte ertappt, muss Tom einen großen Zaun streichen. "O, Pinselstrich, o Pinselstrich", intoniert der Chor. Tom, clever wie er ist, nützt diese Gelegenheit und bringt seine Mitschüler dazu, den Zaun zu streichen.

Wenn Tom mal in der Schule ist, bekommt er die modernen Lernmethoden mit dem Rohrstock am eigenen Leib zu spüren. Tom ist mehr oder weniger mit Amy (Rosa Brummack/Anna Fall) zusammen, verliebt sich aber in Becky (Lea Sammel/Leonie Wörner), die Tochter der neu hingezogenen Richterfamilie. Und der Chor singt: "Tom, o Tom, was denkst du dir, was willst du denn von ihr."

Als Tom Sawyer mit Huckleberry Finn eines Nachts den Heilzauber gegen Warzen auf einen Friedhof ausprobieren will, werden beide Jungen Zeuge eines Mordes, der vom berüchtigten Halbblut Indianer Joe (Leana Rueb/Zain Shakar) begangen. Beide schwören, darüber Stillschweigen zu bewahren, doch vor Gericht kommt dann Toms großer Auftritt.

Alles in allem besticht das Musical durch seine Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit, getragen von vielen Akteuren des Jungen Theater, der Stimmgewalt des Unterstufenchores, sowie der adäquaten Komposition von Jens Uhlenhoff. Chapeau!