Blitzschnelle, gebügelte Fairways

Heidrun Simoneit

Von Heidrun Simoneit

Do, 22. Oktober 2020

Golf

Ex-Eishockeyspieler Stefan Königer erlebt als Golf-Pro bei der DM neue Grenzerfahrungen.

. Schnelle Grüns gibt es viele auf deutschen Golfplätzen, doch zu den absoluten Ausnahmen gehören blitzschnelle, gebügelte Fairways. "Wie auf der PGA-Tour", staunte Stefan Königer, derzeitiger Pro des Golfclubs Hochschwarzwald. Er trat bei der deutschen Meisterschaft der Golflehrer auf einem der renommiertesten Golfplätze Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern an und stellte verwundert fest, dass die Greenkeeper mit einer speziellen Maschine sogar die Fairways gebügelt hatten, um sie schneller zu machen.

Auf zwei Plätzen (davon ein Linksplatz) kämpften mehr als 60 Pros an drei Turniertagen um Siege, Platzierungen und Anerkennung. Am Ende landete Königer, einziger Vertreter aus dem Schwarzwald, im hinteren Mittelfeld und ist dennoch nicht enttäuscht. Angesichts der Corona-Pandemie wurden dieses Jahr alle großen Turniere abgesagt. Spielpraxis konnte folglich nicht aufgebaut werden. Der 57- jährige ehemalige Eishockeyspieler aus Schwenningen, stand in den Sommermonaten im Hochschwarzwald manchmal bis zu acht Stunden täglich auf der Driving-Range, gab besonders Anfängern geduldig Unterricht und war abends einfach zu platt, um noch selbst zu trainieren.

"Ohne Vorbereitung in einem erstklassigen Feld ist schon die DM-Teilnahme eine Herausforderung. Das Ergebnis ist in Ordnung." Die Umstellung von den klimatischen Bedingungen auf dem Platz am Oberaltenweg im Hochschwarzwald, wo die Grüns generell langsam sind und der Ball rollt und stoppt, hin zu top Platzbedingungen, brachte sein Problem mit jedem Schlag näher ans und aufs Grün schonungslos ans Licht: "Lange Schläge waren alle akzeptabel", so Königer. "Auf dem Fairway habe ich mit den Hölzern und Eisen gut getroffen. Aber chippen, pitchen und putten, das war enorm schwierig." Obwohl er im Vorfeld auf der Anlage des GC Hochschwarzwald wohlweislich komplett auf das Putten verzichtet hatte. "Das fehlende Training habe ich beim Wettkampf natürlich gemerkt. Schläge bis zehn Meter aufs Grün waren zu verhalten, weil ich wusste, wie schnell der Ball hinten rausschießen kann. Sein Rettungsversuch lautete deshalb: cool bleiben, aggressiv denken, aber nicht so spielen. Auch mehrere im See versenkte Bälle auf einer kurzen Bahn konnten ihn daher nicht aus der Ruhe bringen.

Als ehemaliger Profi-Eishockeyspieler mit 500 Bundesligaeinsätzen (Düsseldorf, Mannheim, Schwenningen, Krefeld) hat der Allgäuer, der in Toronto aufwuchs, früh gelernt, mit Druck umzugehen. "Aber an drei Turniertagen wurden auch meine konditionellen Schwächen sichtbar." Er sei nicht mehr so beweglich wie gewohnt gewesen, habe "auf Automatik" umgeschaltet und habe nicht mehr nachgedacht, blieb in den schlimmsten Momenten aber dennoch ruhig. Der Golfjunkie, wie er sich selbst bezeichnet, der schon mit Hank Haney, dem Pro von Golf-Weltstart Tiger Woods trainiert hat, liebt Herausforderungen: "Ich will immer sehen, wo ich stehe, wo meine Defizite sind." Da wird das Ergebnis schnell zweitrangig.

Seit 50 Jahren spielt Königer Golf mit Leidenschaft, seit 25 Jahren gibt er sein Wissen und seine Erfahrung als Pro und Coach an Anfänger, Fortgeschrittene und Profispieler weiter. In der kommenden Saison wechselt der ehemalige Kadertrainer zum GC Schloss Langenstein und will die Golfakademie dort weiter ausbauen. "Besonders die 14- bis 16-Jährigen werde ich betreuen und sie auf ihrem Weg unterstützen. Egal, wohin sie wollen."