"Gott, mir geht es gut. Danke."

Hans-Jürgen Hege

Von Hans-Jürgen Hege

Mo, 26. August 2019

Schopfheim

DREYLAND BLUESFESTIAVL (II): Mitreißender Bluesgottesdienst in der Alten Kirche St. Michael.

SCHOPFHEIM (hjh). "Rocking my Blues away" – so überschrieb der Musiker Ignaz Netzer den außergewöhnlichen Gottesdienst, zu dem die evangelische Kirchengemeinde am Sonntag an einen außergewöhnlichen Ort eingeladen hatte: in die Alte Kirche St. Michael im Zentrum der Schopfheimer Altstadt.

Rund 250 Gäste durfte Pfarrerin Ulrike Krumm zu diesem in dieser Form in Schopfheim noch nie dagewesenen Event begrüßen. Und natürlich ihren Stargast, den Gitarristen und Bluesharp-Virtuosen Ignaz Netzer, der seinen Part zum Gelingen des "Dreyland-Blues-Festivals" im Rahmen der "Sommergottesdienste" beisteuerte. Die Idee dazu hatte Ulrike Krumm. Sie fand – das erzählte sie den Zuhörern – dass Netzers Motto "eine geniale Überschrift" nicht nur über diesen, sondern über alle Gottesdienste sei. Der Blues symbolisiere "eine komisch trübe Stimmung, in der die Sinne wie umnebelt sind und man gar nicht spüren kann, wie schön das Leben ist." Sie "überfalle" die Menschen allzu schnell und sorge dafür, dass sich viele nur zu leicht dem Gefühl ergeben: "Alles ist doof und die Welt ist schlecht!" Da komme dieses "Rocking my Blues away" mehr als gelegen.

Wie im Gottesdienst gehe es darum, "dass wir zur Ruhe kommen und uns öffnen, dass wir das Schöne, das ganze Leben wieder spüren, uns selbst und Gott." Von den Liedern, die Netzer im Michel zum Besten gab, ging die Botschaft aus: "Lord I’m feeling alright – Gott, mir geht es gut. Danke. Danke für die Musik, danke für mein Leben."

Sie hießen die Menschen willkommen. Und sie regten zum Nachdenken an, wie dieses eindringliche, aufs Leben wie aufs Sterben und den Tod hinweisende "I’m goin’ over the hill". Tiefgründig waren auch Ignaz Netzers nächsten Songs "The glory of love", "This train is bound for glory" sowie die Aufforderung "Talk to me" und "Stay by me". Gleiches gilt für das Lied von der (Sucht-)Falle, in die Menschen nur allzu leicht geraten können: "How long must this story go on?" – ein Song, dessen Ende dazu animiert, die Liebe zu sich selbst zu entdecken, was die Hoffnung schüre, dass eben doch "diese verdammten dunklen Tage verschwinden werden" und die Sonne wieder für mich scheinen wird.

Andächtig klebten die Menschen an den Lippen der Pfarrerin, die es im Lauf einer guten Stunde perfekt verstand, Musik und Bibelworte für alle verständlich zu verbinden. Ihre Rechnung "Alles oder nichts" ist aufgegangen. "Deine Lieder, Ignaz, sagen: Was soll’s, ich komm da raus. Ich sitze bei mir im Garten, bei meinem Whiskey und dem Kater Willie neben mir. Ich schau den Mädchen zu, lass einfach mal gut sein, was war, denk noch nicht an morgen, mach einfach meine Musik – rocking my blues away."

Es war – wie schon erwähnt – ein Gottesdienst der ganz besonderen Art. Auch in Bezug auf das Ende, das spontan in einem Gospel-Konzert mündete, mit dem die Robert-Fossen-Band zum Bleiben einlud. Zuvor hatten bereits Überraschungsgäste wie Klaus Mojo Kilian (Mundharmonika) und Bluessängerin Pauline Beaulauvier bei den restlos begeisterten Besuchern mit spontanen Einsätzen schon während des Gottesdienstes den Wunsch nach "mehr" aufkommen lassen.