Interview

Regina Leitner "Waldbaden ist ein bewusstes Verweilen im Wald"

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Do, 10. Oktober 2019 um 13:30 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Waldbaden kommt aus Japan und soll fördernd für die Gesundheit sein. Regina Leitner bietet es am Samstag erstmals in Grenzach-Wyhlen an – um die Menschen damit in den Wald zu locken.

Zum Waldbaden lädt die Volkshochschule Grenzach-Wyhlen für Samstag ein. Horatio Gollin hat mit Kursleiterin Regina Leitner über den Waldbaden-Trend aus Japan und seine förderliche Wirkung auf die Gesundheit gesprochen.

BZ: Woher kommt die Idee des Waldbadens?

Leitner: Waldbaden kommt aus Japan. Auf Japanisch heißt es Shinrin Yoku. Das heißt übersetzt: Eintauchen in die Waldatmosphäre. Es ist ein bewusstes Verweilen im Wald mit dem Zweck, sich zu erholen und die Gesundheit zu stärken. Ein Waldspaziergang reicht, um merkbar Stress abzubauen, die Konzentration zu fördern und die Stimmung aufzuhellen. Es wird das Immunsystem gestärkt, die Genesung unterstützt und Schlafstörungen vermindert. Ein Tag im Wald kann die natürlichen Killerzellen im Blut steigern. Das hält bis zu zwei Wochen an. Zwei Tage im Wald steigern die Killerzellen um 50 Prozent, was für einen Monat anhält. In Japan werden Patienten in den Wald geschickt, vor allem Depressive, und anschließend können Antidepressiva reduziert oder sogar abgesetzt werden. Für den Effekt sind Terpene verantwortlich. Das sind Moleküle, die von den Bäumen abgesondert werden. Die atmet man ein.
Regina Leitner wohnt im Rheinfelder Ortsteil Herten. Die 42-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Leitner ist ausgebildete Diplomschauspielerin, Bewegungstherapeutin und Naturcoach.

BZ: Wie kann man sich Waldbaden vorstellen?

Leitner: Ich biete an, mit Achtsamkeitsübungen durch den Wald zu gehen. Dabei machen wir auch Beobachtungspausen und Atemübungen, um möglichst viele Terpene einzuatmen. Es sind achtsame, entstressende Stunden mit sich und dem Wald. In einer Stunde wird da nicht mehr als ein Kilometer zurückgelegt, sondern es gibt immer wieder Zeit zum Verweilen und Beobachten. Es geht darum, hundertprozentig wahrzunehmen, was um einen herum im Wald ist. Im Sommer kann man sich auch länger hinsetzen, aber im Winter werden wir immer wieder stehenbleiben und jeder kann für sich ganz in den Ort eintauchen. Beim Waldbaden kann man immer wieder in denselben Wald gehen und immer wieder etwas Neues entdecken, es bleibt immer interessant. Waldbaden kann gar nicht langweilig werden.

BZ: Ist Waldbaden ein neuer Trend?

Leitner: Nach Europa ist es vor drei, vier Jahren gekommen. In Japan gibt es das schon sehr viel länger und ist fester Bestandteil des Gesundheitssystems. Es ist als Hype hierher gekommen. Das regt auch manche auf, die fragen, ob man das wirklich braucht. Andere machen Qi-Gong oder Yoga im Wald oder der Natur, also warum nicht auch pur Waldbaden für die Gesundheit? Es ist ein Hype, aber es ist auch wichtig, da es dazu beiträgt, die Menschen darauf hinzuweisen, dass sie für ihre Gesundheit einen großen Schritt tun können, indem sie einfach regelmäßig in den Wald gehen. Mein Wunsch ist es, die Leute dazu anzuregen und zu begeistern, danach auch alleine in den Wald zu gehen.
Das Waldbaden findet am Samstag, 12. Oktober, 15 bis 17 Uhr, statt. Anmeldung über die VHS bis Freitag. Spontane Anmeldung vor Ort möglich. Kosten:12 Euro.Treffpunkt: die Bank Schneckenbergweg/Ziegelhofstraße.