Ausstellung in Gundelfingen

In Stephan Birkenmayers Bildern verschmelzen Realität und Fantasie

Andrea Steinhart, Sebastian Krüger

Von Andrea Steinhart & Sebastian Krüger

Mi, 05. Juni 2019 um 09:27 Uhr

Gundelfingen

Stephan Birkenmayer erstellt seine Bilder am Computer. Sie zeigen mystische Städte und Landschaften. Seine Werke sind jetzt in einer Ausstellung im Gundelfinger Rathaus zu sehen.

Stephan Birkenmayer arbeitet mit Computer und Maus – wie so viele. Aber er verändert damit Formen und Flächen, verzerrt Blüten und Gegenstände, verkleinert und vergrößert. So entstehen faszinierende Motive, die den Betrachter anziehen. Die Werke des Denzlingers sind bis zum 26. Juni in einer Ausstellung im Gundelfinger Rathaus zu sehen.

"Wer ist ein Künstler – derjenige, dessen Bilder für Millionen verkauft werden, oder der, dessen Bilder niemandem gefallen? Ich bin kein Künstler, ich bin ein Bildermacher", sagte Stephan Birkenmayer bei der Vernissage. Unter dem Titel "Aus dem Zwischenreich" stellt der seit 25 Jahren in Denzlingen lebende Künstler seine aktuellen Arbeiten aus. Nachdem vor einem Jahr seine Werke im Roccafé zu sehen waren, wandte Birkenmayer sich an den Kunstverein Gundelfingen. Ihm gefällt, dass die Gemeinde dem Verein das Foyer im Rathaus zur Verfügung stellt, wo viele Menschen die Bilder betrachten können. "Ich mache Bilder nicht fürs Archiv oder um sie zu verkaufen, sondern damit Menschen sie sehen können."

Seine Vorliebe für die digitale Kunst entdeckte Birkenmayer an seinem Arbeitsplatz. "Ich begann unsere Briefbögen und Formulare für die Kanzlei zu gestalten – bald reizte es mich, auch kreative Werke auszuarbeiten", erzählte der Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei. Daraufhin legte er sich verschiedene Grafikprogramme zu – und versuchte sich daran. Zwölf Jahre habe er gebraucht, bis er die heutige Perfektion erreicht hatte, sagte Birkenmayer.

Die Bilder zeigen mystische Städte und Landschaften

Die meisten seiner Bilder seien nachts entstanden oder am Wochenende. "Ich brauch zum Glück wenig Schlaf und ich bin den vergangenen drei Jahren nicht verreist", sagt er. Denn seine Arbeit als Anwalt lasse ihm unter der Woche kaum Zeit für sein Hobby. "Meine Bilder plane ich kurz vor dem Einschlafen – am nächsten Tag setze ich das Motiv am Rechner um." Dazu benutzt er mehrere unprofessionelle, analoge Programme.

Die Bilder entstehen aus einzelnen Elementen, die er erst schafft und dann am Ende übereinanderlegt. Als Erstes gestaltet er die Struktur des Hintergrunds und legt die Farbe fest. Dann "malt" er Bäume und Blüten, formt Blätter, Gras und Himmel, schafft mystische Städte und Landschaften. Birkenmayer vermischt dabei auch Motive aus der Alltagswelt mit fantasievollen Gebäuden, hängt in düsteren Industrieanlagen zum Beispiel einen leuchtenden Mond oder produziert Lavendelbilder und Stillleben. Für jedes Bild sitzt er Stunden am Computer.

In den Bildern verschmelzen Fantasie und Realität

Wer einmal in Birkenmayers Bildwelten eingetaucht ist, den lassen diese nicht wieder los. "Die Bilder entstehen in mir nach und nach – die Motive sind teils real und teils fiktiv." Er druckt die Motive auf eine spezielle Leinwand – jedes Motiv nur einmal. Auf den Bildern findet der Betrachter keine Menschen – und wenn, dann nur sehr schemenhaft. Der Grund: "In meine Bilder passen keine Menschen, weil es sich oft um imaginäre Stadtlandschaften handelt. Mich interessiert der vom Menschen entleerte Raum", sagt Birkenmayer, der seine Bilder am liebsten gar nicht erklären möchte, weil ihnen seiner Meinung nach etwas Geheimnisvolles innewohnt. Er will, dass die Betrachter sich ihr eigenes, unvoreingenommenes Urteil bilden. Aus Gesprächen wisse er, dass viele seine Bilder reizvoll finden, andere deprimierend. Er halte es wie Pablo Picasso, den er sinngemäß zitiert: "Bilder lassen sich nicht erklären. Entweder man liebt sie oder man hasst sie."

Der 1951 geborene Birkenmayer ist in Gundelfingen aufgewachsen. 1970 erhielt er in der Schule den Kunstpreis. "Ich habe meinem Kunstlehrer viel zu verdanken", sagte er. Seine künstlerische Arbeit begann mit farbiger Tusche, die er über selbst geschnittene Schablonen aus Elefantenhaut (pergamentähnliches Dokumentenpapier) mit einer Fixativspritze auf Karton sprühte. Doch nach der Schule studierte er Jura – Zeit für die Kunst hatte er nur noch sporadisch.
Die Ausstellung ist bis 26. Juni im Gundelfinger Rathaus-Foyer zu sehen: Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Montag auch 14 bis 17 Uhr und Mittwoch auch 14 bis 18 Uhr.

asdf