Sauberes Wasser – auch ohne lange Fußmärsche

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 22. März 2019

Gundelfingen

Pünktlich zum Weltwassertag am 22. März: Die Gundelfinger Indienhilfe errichtet mit Spendenmitteln neue Brunnen im Norden Indiens.

GUNDELFINGEN/VARANSI (ast). Pünktlich zum Weltwassertag 2019 erhielt die Gundelfinger Indienhilfe "Wasser ist Leben" die Nachricht, dass weitere Brunnen in Musahar-Siedlungen, nahe Varanasi, kürzlich in Betrieb genommen wurden. Der Bau wurde mit Spendenmitteln aus Gundelfingen unterstützt.

"Viele Kinder haben Beulen an Armen und Beinen und strohig, gelbliches Haar, deutliche Zeichen für Unterernährung", schreiben Schwester Daisy aus dem Orden der "Helpers of Mary". Seit zwei Jahren sammelt sie jeden Morgen diese Kinder ein und gibt ihnen eine warme Mahlzeit. Danach werden die Mädchen und Jungen in Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. "Immer wieder haben sich die Kinder einen Brunnen gewünscht – jetzt ist ihr Wunsch in Erfüllung gegangen." Bislang mussten ihre Mütter lange und gefahrenvolle Fußmärsche auf sich nehmen, um an Trinkwasser zu gelangen. Nun kann das Wasser in der eigenen Siedlung bequem hochgepumpt werden.

Bis dahin war es ein langwieriger und schwieriger Prozess. 60 Meter mussten durch harten Fels gebohrt werden. "Aber noch viel schwieriger war es, für die Brunnenbohrung die Genehmigung der Landbesitzer und Gemeindevorsteher zu bekommen", erzählte Gerda Geretschläger, Vorsitzende der Indienhilfe Gundelfingen. Aber Schwester Daisy hat sich in Zeug gelegt und mehrere Anträge gestellt.

Nach neunmonatigen zähen Verhandlungen hat es nun geklappt. Auch in einer weiteren Siedlung wurde ein Brunnen errichtet. Die Familien, die nun Wasser aus diesen Brunnen pumpen können, gehören zur Volksgruppe der Musahar, übersetzt "Rattenfänger". Sie zählen zu den Unberührbaren und stehen auf der untersten Sprosse in der Hierarchie der indischen Kastengesellschaft. Ihre Kinder werden in der Dorfschule nicht geduldet, den Frauen ist es verboten, Trinkwasser aus dem benachbarten Dorfbrunnen zu schöpfen. "In jeder Siedlung leben zehn bis zwölf Familien in einfachsten Lehmhütten ohne Sanitäranlagen", erklärte Geretschläger. Bislang badeten die Kinder in Tümpeln, in Restbeständen des letzten Monsuns. "Darin suhlen sich aber auch die Schweine und die Hühner, die auf dem Markt verkauft werden sollen." Die Familien leben meist von Tagelohnarbeiten auf Gehöften und Feldern umliegender Großbauern. Einige Familien leben vom Müllsammeln in den Städten. Die Indienhilfe "Wasser ist Leben" plant noch weitere Brunnen für Musahar- Familien.

Infos gibt es unter http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de, Spendenkonto: IBAN: DE16 6806 4222 0003 0303 00