Corona-Relativierer

Hätte der Arzt belastbare fachliche Argumente, würde er sich in medizinische Fachgremien einbringen

Klaus Schwinn

Von Klaus Schwinn (Schopfheim)

Mi, 13. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Der Arzt, dem die Corona-Leugner vertrauen", Beitrag von Sarah Trinler (Die dritte Seite, 31. Dezember)

Der Artikel reiht sich ein in eine Folge bereits erschienener Beiträge der BZ-Lokalredaktion, die sich kritisch mit dem Treiben der hiesigen Corona-Relativierer auseinandergesetzt haben. Und ich bin ziemlich sicher, dass die Redaktion wieder von entsprechender Seite über die verschiedenen Kommunikationskanäle dafür angegriffen wird. Deshalb hier von meiner Seite ein expliziter Dank für den mutigen und professionellen Journalismus. Mutig, weil hier klar Ross und Reiter benannt werden und sich die Redaktion damit bewusst angreifbar macht. Dies wird ja auch durch die Stellungnahme des Chefredakteurs klar zum Ausdruck gebracht. Professionell, weil entsprechende Belege benannt werden und im Falle des Arztes die Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde, die, wenig verwunderlich, nicht wahrgenommen wurde.

Hätte der Mediziner ernsthafte und belastbare fachliche Argumente, würde er sich als kompetenter Kollege damit in die entsprechenden medizinischen Fachgremien einbringen, anstatt Unsinn auf dem Schopfheimer Marktplatz vor Gesinnungsfreunden vorzutragen.

Über Fakten gibt es keine Meinungen. Da in der Wahrnehmung der Corona-Relativierer die Alltagsmaske offenbar zum Symbol der Entrechtung und Knechtung des Volkes mutiert ist, hier eine simple Frage: Warum sind in Ostasien, wo die Alltagsmaske seit Jahrzehnten von vielen wie selbstverständlich in der Öffentlichkeit getragen wird, keine der behaupteten lebensbedrohlichen Begleiterscheinungen des Maskentragens bekannt? Ein Menschenversuch im Millionen- oder Milliardenbereich, ohne substanziellen Beleg relevanter negativer Auswirkungen. Es bleibt die Frage: Welches Menschen- und Gesellschaftsbild haben diese Corona-Relativierer eigentlich? Das Grundgesetz garantiert eben nicht nur die individuellen Freiheitsrechte, sondern geht nach meinem Verständnis auch von einer solidarischen Gemeinschaft aus, in der die Schwachen geschützt werden und im Zweifel individuelle oder Gruppeninteressen zumindest zeitweise dahinter zurückzutreten haben.

Wenn die Fakten bezüglich der Existenz und Gefährlichkeit des Virus anerkannt werden, dann ist eine abweichende Meinung zu akzeptieren. Mehr aber auch nicht, denn die Regeln gelten für alle, unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten. Klaus Schwinn, Schopfheim