Der Hebelwirkung nachgespürt

Gudrun Gehr

Von Gudrun Gehr

Mo, 23. September 2019

Hausen im Wiesental

Brillantes Ein-Mann-Theater mit Stefan Österle über die Geschichten Johann Peter Hebels.

HAUSEN (ggw). Johann-Peter Hebel hätte wohl seine helle Freude gehabt an der Vorstellung des Sprechtheaters "Dein Theater – Unterhaltung auf Bestellung" am Wochenende im Hebelhaus Hausen. Die Hebelstiftung mit Bürgermeister Martin Bühler hatte das Ensemble des Stuttgarter Theaters mit seinem Programm "Hebelwirkung – Spiegel der Welt" eingeladen. Allerdings hätten am Samstag noch erheblich mehr Freunde von eindrucksvollem Sprechtheater und Anhänger der Werke des Dichters von Weltrang in den Veranstaltungsraum des Hebelhauses hineingepasst.

Welch eindrucksvollere und authentischere Bühne hätte für die Geschichten aus dem "Schatzkästleins des Rheinischen Hausfreundes" gewählt werden können, als dieses schnuckelige, mit dem Leben des großen Alemanndichters so eng verbundenen Literaturmuseum mitten in Hausen? Dort, wo am Wochenende die Stuttgarter Schauspieler ihr Hebelstück mit Motiven aus seinen bekanntesten Werken aufführten, verbrachte Johann Peter Hebel schließlich die Wintermonate seiner ersten Jugendjahre.

Nicht ganz zufällig wurden denn auch für die beiden Veranstaltungstermine der Samstag und Sonntag gewählt. Am Sonntag jährte sich schließlich der 193. Todestag des sprachgewandten und lebensklugen Dichters: Hebel segnete am 22. September 1826 in Schwetzingen das Zeitliche.

Das Ein-Mann-Theaterstück präsentierte Schauspieler Stefan Österle mit dem Vortrag von zwölf Kalendergeschichten aus der Feder Hebels, untermalt von Fotos der betreffenden Örtlichkeiten und aufgelockert durch das der Einspielen von Musik aus der Zeit des Dichters.

In seiner Hausener Vorstellung nahm Stefan Österle die Gäste mit auf eine literarische Zeitreise, beginnend im frühen 19. Jahrhundert. Österle präsentierte die Dokumente menschlicher Leidenschaft und sündiger Verfehlungen in bravouröser Weise. Er reflektierte ein breites Spektrum von Alten und Jungen, Kranken und Dummen, Klugen, Soldaten, Bergleuten, Barbieren, Bauern, Lehrlingen oder Hausfrauen .

Begabt mit einer packenden Bühnenpräsenz zog Österle die Gäste im Nu in seinen Bann, das Publikum lauschte gespannt den Spiegelungen, Abhandlungen, Gedichten und Erzählungen. Sie alle machten an diesem Abend deutlich, dass Johann Peter Hebels Vorstellungen auch fast 200 Jahre nach seinem Ableben an Aktualität kaum verloren haben. Geschichten wie "Der geheilte Patient", der "Husar in Neiße" oder auch das sinnbildliche "Kannitverstan" bezauberten im verdunkelten Zuschauerraum wohl jeden einzelnen Zuhörer.

In seinen Kalendergeschichten spiegelte Hebel Geschehnisse in satirisch-humorvollen Betrachtungen über das alltäglichen Einerlei bis hin zur Liebesgeschichte von Weltruhm "Unverhofftes Wiedersehen".

Für seine brillanten Darstellungen benötigte Stefan Österle nur wenigen Requisiten. Der Schauspieler erklärte über seine Hauptfigur: "Hebel war ein Freund von Bosheit – aber auch von Bravheit". Und er brachte den Zuhörern nicht nur das Werk, sondern auch die Biographie des Kirchenmannes und Dichters näher, der 1760 in Basel geboren wurde. Für den beeindruckenden Abend erhielt der Schauspieler langanhaltenden Applaus. Bei seinem Auftritt wurde Stefan Österle stimmungsvoll unterstützt von seinem Licht- und Tontechniker Andreas Frey.