Südamerika

Hegemonialität der USA zeigt sich in der Sprache

Anne Reyers

Von Anne Reyers (Freiburg)

Sa, 05. September 2020

Leserbriefe

Zu: "Für dieses Leid sind wir blind", Beitrag von Tobias Käufer (Politik, 8. August)
Schon in der Sprache zeigt sich die Hegemonialität des (weißen) US-Amerikas, der wir uns willig unterwerfen. So ist die abgebildete Karikatur bezeichnend für die Blindheit, die Tobias Käufer in seinem Kommentar zum Genozid an den Indigenen Lateinamerikas beschreibt. Die Unterschrift dazu lautet: "Es lebe die deutsch-amerikanische Freundschaft", wobei mit "Amerika" wohl nur die USA gemeint sind. Und was ist dann Lateinamerika? Nicht Amerika? Welche Peruanerin, welcher Peruaner, welche Bolivianerin, welcher Bolivianer oder Mexikanerin, Mexikaner ist bitte keine Amerikanerin oder kein Amerikaner? Bekanntlich reicht Amerika von Alaska bis Feuerland.

Brasilianische Nichtregierungsorganisationen (NGO), die sich mit den Problemen der indigenen Bevölkerung beschäftigen, haben wenig Einfluss, und hier in Europa interessieren sich auch fast nur NGO um die Belange der Indigenen. Wenn ein Herr Bolsonaro tönt, dass brasilianische Indigene wenig oder kaum portugiesisch sprächen (einige Völker verweigern aktiv den Kontakt zu den Weißen), hat das mit der gleichen weißen Arroganz zu tun, mit der die Indigenen Nordamerikas im 18. und 19. Jahrhundert umgebracht worden sind: Indigenes Land ist nicht besiedeltes Land und kann verbrannt, gerodet und zum Goldschürfen benutzt werden. Das wird einfach weiterhin gemacht. Anne Reyers, Freiburg