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Kuriose Verwechslung

Heitersheimer wird von Schufa für tot erklärt

Martin Pfefferle
  • Di, 24. Januar 2017, 17:51 Uhr
    Heitersheim

     

Bodo Herbstritt lebt. Trotzdem meldete die Schufa seinen Tod an Bankinstitute, bei denen der Heitersheimer Konten hat. Eine Falschmeldung, die beträchtliche Folgen nach sich ziehen sollte.

Nachlass? Wieso das denn? Bodo Herbstritt ist am Leben – aber hatte Ärger mit der Schufa. Foto: Martin Pfefferle
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Bodo Herbstritt ist quicklebendig. Dieser Umstand ist insofern bemerkenswert, als dass die Schufa Anfang Januar genau das Gegenteil an die Bankinstitute meldete, bei denen Herbstritt ein Konto hat. Das sind immerhin sechs, fünf private und ein geschäftliches, das der Steuerfachwirt aus Heitersheim führt. Die Schufa also behauptete, Bodo Herbstritt sei verstorben. Später stellte sich heraus, dass diese Falschmeldung auf der Falschmeldung einer Direktbank beruhte.

"Die melden, Sie sind verstorben." Mitarbeiterin eines Kreditkartenservices
Zunächst aber wusste Bodo Herbstritt gar nicht, wie ihm geschah. Am Montagnachmittag nach dem Jahreswechsel bekam Herbstritt gleich ein gutes Dutzend Anrufe. Wer wollte ihn da so dringend sprechen? Es war die Mitarbeiterin eines Kreditkartenservices. Ihre Nachricht musste Bodo Herbstritt erst einmal verdauen: "Die melden, Sie sind verstorben." Offensichtlich hatte die Frau Zweifel an dieser Meldung, denn ansonsten hätte sie ja nicht so penetrant bei dem tatsächlich lebendigen Bodo Herbstritt angerufen.

"Ich lebe!"Bodo Herbstritt
Herbstritt war fassungslos: Denn mit der Meldung der Schufa startete eine Maschinerie, die bewirken würde, dass nach und nach seine Konten und Karten gesperrt wurden. Es galt also, schnell zu reagieren. Zweieinhalb Tage war Herbstritt in der Folge damit beschäftigt, seinen Bankinstituten glaubhaft zu versichern: "Ich lebe!" Bei einer Bank war man von seinem Anruf gar nicht so sehr überrascht. "Das kommt öfter vor", hieß es am anderen Ende der Leitung. Deshalb wurde dort das zurückgehalten, was eigentlich der vorgeschriebene Automatismus ist. Nach der Sterbemeldung der Schufa werden sofort sämtliche Konten gesperrt. "Ich muss froh sein, dass ich mehrere Konten habe", sagt Bodo Herbstritt. Denn die meisten Banken gingen so vor, wie es von der Schufa nach deren Meldung vorgesehen ist.

Es war das Sterbedatum seiner Mutter

Aber was war geschehen? Inzwischen hat Bodo Herbstritt ein Schreiben der Schufa erhalten, mit der Erklärung, wie das fatale Missverständnis zustande kam. Eine Direktbank, bei der Bodo Herbstritt ein Konto hat und bei der auch seine verstorbene Mutter Rotraud Herbstritt ein Konto hatte, meldete am 30. Dezember 2016, dass Bodo Herbstritt am 11. August 2010 verstorben sei. Tatsächlich ist dies das Sterbedatum seiner Mutter. Daraus ergeben sich weitere Fragen: Warum fiel niemandem auf, dass das Sterbedatum und das Datum der Meldung so weit auseinanderlagen? Wie konnte jemand die beiden unterschiedlichen Geburtstage verwechseln, und wie konnte jemand die verschiedenen Vornamen vertauschen?

Diese Bank bestätigt, dass vonseiten "unseres Kundenservices Herr Bodo Herbstritt versehentlich als verstorben eingetragen" wurde. "Da er bei uns im Haus ein Girokonto mit Dispokredit hat, geht dann immer automatisch eine Mitteilung an die Schufa." Der Hintergrund sei folgender: Auf die Anschrift von Bodo Herbstritt sei ebenfalls seine vor sechs Jahren verstorbene Mutter gemeldet. Diese führte ein sogenanntes Extra-Konto. Im Zuge einer Nachlegitimierungsaktion aufgrund aktueller Bafin-Vorschriften wurde festgestellt, dass Rotraud Herbstritt nicht mehr am Leben ist. "Leider ist es der bei uns bearbeitenden Person nicht aufgefallen, dass auf die Anschrift aber zwei Personen (nämlich auch der Sohn) eingetragen sind. Somit wurde versehentlich Herr Herbstritt anstelle seiner Mutter bei uns als verstorbene Person gekennzeichnet." Dieser Fehler sei bedauerlich. Der Kundenservice der Direktbank hat sich schriftlich bei Herbstritt entschuldigt. Er bekam darüber hinaus 100 Euro als Gutschrift.

Herbstritt überlegte, die Bank zu verklagen

Ärgerlich bleibt die Sache dennoch. "Sie können doch nicht jemanden für tot erklären, ohne eine Sterbeurkunde vorliegen zu haben", schimpft Herbstritt. Er überlegte zwischenzeitlich auch, auf Schadensersatz für die zahlreichen Arbeitsstunden zu klagen, die ihn das Versehen gekostet hat. Schließlich habe er massive Probleme gehabt. Und er musste sich mit den Hotlines der Banken herumärgern. 20, 30, bis zu 50 Minuten lang gab’s Musik vom Band. Weil er seine Aussichten aber als gering einschätzt, wird er darauf wohl verzichten. Bei der Polizei war Bodo Herbstritt übrigens auch, doch die hätte ihm lediglich eine "Lebendbescheinigung" ausstellen können.

Ressort: Heitersheim

  • Artikel im Layout der gedruckten BZ vom Mi, 25. Januar 2017: PDF-Version herunterladen

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