Freiwilligendienst

Verein "Children of Lesotho" aus Stegen entsendet Helfer ins südliche Afrika

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Do, 07. November 2019 um 16:48 Uhr

Stegen

Seit drei Jahren verbringen Schüler des Kollegs St. Sebastian jeweils zwölf Monate in einer lesothischen Partnerschule. Dank ihrer Arbeit gibt es dort etwa eine Mädchen-Fußballmannschaft.

In 2016 gründete sich in Stegen auf Initiative des dortigen Arztes Peter Krimmel der Verein "Children of Lesotho". Er pflegt seitdem eine enge Partnerschaft mit der Kingsgate Primary School in der Stadt Mafeteng in dem Kleinstaat Lesotho, der völlig von Südafrika umgeben ist. Begonnen hat das Ganze durch Zufall. Peter Krimmel lernte auf einer Studienreise über landwirtschaftlichen Anbau von Heilpflanzen auch das Schulprojekt kennen. Die dortige Schulleiterin äußerte ihm gegenüber den Wunsch nach einer europäischen Partnerschule. Nach Stegen zurückgekehrt, suchte Krimmel den Kontakt zu Bernhard Moser, Schulleiter des Kollegs St. Sebastian, und fand bei ihm sofort Unterstützung. Der Verein wurde gegründet, und seit drei Jahren verbringen Schüler des Kollegs je ein Jahr in Mafeteng und helfen an der Schule überall da, wo es notwendig ist.

Mafeteng ist mit 40 000 Einwohnern eine Stadt im Königreich Lesotho, das insgesamt nur wenig mehr als zwei Millionen Staatsbürger zählt. Die Stadt ist relativ gut entwickelt, es gibt Wasser, Strom und einen Supermarkt. Schon sechs Kilometer außerhalb des Stadtgebiets ändern sich die Verhältnisse drastisch. Die Arbeitslosenquote liegt mit 70 Prozent sehr hoch, es gibt Slumviertel, und Kriminalität aller Art ist ein zentrales Problem. Die Kingsgate Primary School ist in einem weiten Sinne mit einer hiesigen Werkrealschule vergleichbar, allerdings kommen dort auf 1000 Schüler nur 15 Lehrer, und die staatliche Unterstützung ist minimal. Zum Vergleich: Im Kolleg St. Sebastian unterrichten 75 Lehrkräfte 800 bis 900 Schüler. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus allen Gesellschaftsschichten und tragen aus Gleichheitsgründen eine Schuluniform.

Dank des Freiwilligendiensts gibt es mittlerweile eine Mädchen-Fußballmannschaft

Leif Habermann, inzwischen erfolgreicher Abiturient, war der erste Freiwillige aus dem Kolleg, der knapp ein Jahr dort geholfen hat. Er bezeichnet diese Zeit als die erlebnisreichste und bewegendste seines Lebens, in der er für sich einen Blick dafür bekommen habe, worauf es wirklich ankommt. Seine Gastmutter und Mentorin war selbst Lehrerin an der Schule, und er war in einem Zimmer der Dienstwohnung untergebracht.

Da in der Schule englischsprachig unterrichtet wird, die Schüler aber vor allem die Landessprache Sesotho sprechen, konnte er im Unterricht leicht in den Fächern Englisch und Mathematik helfen, was bei 60 bis 80 Schülern pro Klasse von großem Nutzen war. Selbständig gründete er eine Gartenbau-AG, die nachmittags eine Brachfläche auf dem Schulareal nach und nach in einen Nutzgarten verwandelte. 80 Schüler nahmen daran teil und Leif Habermann schöpfte aus seinen Kenntnissen aus der Gartenbau-AG im Kolleg. Inzwischen traten Mitschülerinnen den Freiwilligendienst in Mafeteng an– mit dem Erfolg, dass es jetzt an der Schule eine Mädchen-Fußballmannschaft gibt.

Der Verein "Children of Lesotho" hat mittlerweile die Anerkennung des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erhalten und damit Anspruch auf Förderung der anfallenden Kosten für den Aufenthalt in Höhe von 75 Prozent. Allerdings ist dies an die Betreuung eines weiteren Projekts geknüpft. Dieses wurde mit dem Malealea Development Trust (MDT) gefunden, einer Nicht-Regierungs-Organisation.

Verein sucht Freiwillige zwischen 18 und 28 Jahren

Auf einem Hochplateau auf 2000 Metern gibt es im Umkreis mehrere Dörfer, in denen der MDT sechs Schulen mit je 150 Schülern betreibt. Die Verhältnisse sind ärmlich, es gibt kein Stromnetz und kein fließendes Wasser. Ein großes Problem ist die hohe Zahl der HIV-positiv Infizierten und die daraus resultierende hohe Waisenkinderrate im Land. Neben den Schulen gibt es einen Waisenkindergarten, einen Lehrgarten und landwirtschaftlichen Anbau. Ein großer Fortschritt wäre der verstärkte Einsatz von Computertechnologie, deshalb werden dort vor allem Freiwillige zur Unterstützung des Computertrainers gesucht.

Der Verein "Children of Lesotho" sucht daher dringend Freiwillige und ab Herbst 2020 je zwei Bewerberinnen oder Bewerber für die beiden Projekte. Bewerben kann sich jeder junge Mensch zwischen 18 und 28 Jahren mit einem Schulabschluss sowie Offenheit und Bereitschaft für neue Erfahrungen. Bei Real- und Hauptschulabschluss sind entweder eine zusätzliche Berufsausbildung oder zum Beispiel Praktika oder Erfahrungen im freiwilligen Dienst erforderlich.
Bewerbungen und Infos unter http://www.children-of-lesotho.org oder per Mail an kontakt@children-of-lesotho.org

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