Herausfordernde Runden

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 22. Juli 2020

Skilanglauf

Skilangläufer aus Baden-Württemberg testen bei 3000-Meterlauf in Furtwangen ihre Form.

Challenge bedeutet Herausforderung. Die Corona-Pandemie stellt seit Monaten den organisierten Sport vor immer neue Herausforderungen. Auf die verordneten Einschränkungen reagierte der Deutsche Skiverband (DSV) im Langlauf mit einem neuen Wettkampfformat: Aus der Zentralen Leistungskontrolle im Sommer wurde eine dezentrale an den Stützpunkten der Landesverbände – und die bekam den Namen "Challenge" verpasst. Die Kaderathleten aus Baden-Württemberg trafen sich zum 3000-Meter-Lauf im Furtwanger Bregstadion.

. Die äußeren Bedingungen sind prima: Sonne, Temperaturen um 16 Grad und der böige Wind setzt erst ein, nachdem auch der zweite und letzte Lauf beendet ist. Trotzdem sind siebeneinhalb Runden auf der 400 Meter langen Kunststoffbahn – selbstredend in möglichst kurzer Zeit zurückgelegt – eine Aufgabenstellung, die auch bei Leistungssportlern nicht nur schiere Begeisterung hervorruft. Doch leistungswillig sind alle 37 Langläufer und -läuferinnen, die hier in zwei Gruppen nacheinander an die Startlinie treten. Zuerst sind die Älteren dran, Altersklasse U-18 männlich, Junioren und Männer. Aus dem Feld der 19 Läufer löst sich schnell Tobias Horelt (SG Niederwangen). Der 19-jährige Schwabe ist in diesem Rennen eine Klasse für sich, das zeigt sich rasch. Kontinuierlich vergrößert er seinen Vorsprung, bis ins Ziel überrundet er etliche Konkurrenten. In 9:08 Minuten – im späteren Klassement die zweitbeste Zeit aller DSV-Junioren – siegt Horelt überlegen vor zwei Gaststartern aus Bayern, die vor ihrer ersten Saison bei den Männern stehen: Der Oberstdorfer Marius Bauer, Sohn von Andreas Bauer, Bundestrainer der deutschen Skispringerinnen, gewinnt 27 Sekunden später den Zielsprint um Rang zwei eine Sekunde vor dem ebenfalls 20-jährigen Sebastian Kistenmacher vom SK Berchtesgaden. Der ist als Sohn der früheren deutschen Spitzenlangläuferin Sigrid Wille ebenfalls sportlich "vorbelastet".

Auch den Vierten und Fünften dieses Laufs trennt nur eine Sekunde: Matteo Lewe vom SV Kirchzarten spurtet nach 10:05 Minuten knapp vor Luis Braun (WSG Schluchsee) ins Ziel. Mit ihren Zeiten belegen sie unter 46 Startern der männlichen U-18 Rang zwölf und 13, wie sie zwei Tage später erfahren werden. "3000 Meter sind auf jeden Fall hart, aber ganz okay und eine gute Kontrolle, ob das Training funktioniert", sagt der 17-jährige Lewe, als er wieder ruhig atmen kann. Und? Ja, das Training passt.

Beim einem Test an Pfingsten, lief der Kirchzartener dieselbe Distanz in 10:06 Minuten. Die Strecke zusammen anzugehen "war der Plan", bestätigt Luis Braun, der im kommenden Monat 16 Jahre alt wird. Hinter dem Duo wird Jakob Kuß (SZ Brend) als Sechster in 10:11 Minuten gestoppt, die Hochschwarzwälder Leopold Hensler (SC Langenordnach/10:27) und Luca Wehrle (SC Hinterzarten/11:41) haben da noch etliche Meter vor sich. "Wir haben nicht so die Läufergene", sagt Amelie Wehrle lachend über sich und ihren 15-jährigen Bruder Luca. Dabei darf die 18-Jährige mit ihrer Leistung, die auch Langlauf-Landestrainer Dieter Notz ein Lob wert ist, absolut zufrieden sein: Obwohl sie längere Zeit zwischen zwei Grüppchen alleine lief, konnte die Hinterzartenerin ihre persönliche Bestzeit auf 11:59 Minuten steigern. Von den elf Konkurrentinnen in Furtwangen waren nur die Schwäbinnen Lina Gold (SC Heubach-Bartholomä/10:40) und Lena Mettang (WSV Mehrstetten/11:23) schneller. Lina Gold, die im gemeinsamen Lauf der männlichen U-16 und der zwölf Langläuferinnen zwei jüngere Jungs hinter sich lässt, schafft die drittschnellste Zeit aller Juniorinnen und wird Zwölfte der bundesweit 153 DSV-Starterinnen.

Hinter Amelie Wehrle, die erstmals in der Juniorinnenklasse startet, spurten im Abstand von wenigen Sekunden fünf weitere Schwarzwälderinnen ins Ziel: Milena Maier (WSG Feldberg/12:06), Mali Brugger (WSG Schluchsee/12:10), Janna Klimpel (SZ Breitnau/12:11), Milenas jüngere Schwester Leonie (12:12) und die Kirchzartenerin Emily Weiss (12:14). Die noch 14-jährige Leonie Maier platziert sich auf nationaler Ebene als Siebte im ersten Viertel der weiblichen U-16.

Langlauf-Landestrainer Dieter Notz freute sich bei "super Verhältnissen" über die vielen persönlichen Bestzeiten seiner Schützlinge, die sich teils deutlich verbessert präsentierten. Gut sei auch, dass einige Langläufer und -läuferinnen aus der "zweiten Reihe", also ohne Kaderzugehörigkeit, die Möglichkeit zum gemeinsamen Start genutzt hatten. Was die einzelnen Laufzeiten im nationalen Vergleich wert sind, erfuhren die jungen Athleten indes erst, als sie die Ergebnisse der Konkurrenz aus den anderen Verbänden sahen. Die Landestrainer meldeten die Zeiten dem DSV, der anschließend für jede Altersklasse eine Rangliste erstellte. Anders als üblich fließen die Ergebnisse jedoch nicht in die Deutschlandpokal-Gesamtwertung ein, weil die äußeren Umstände wie Wetter- und Windbedingungen an den einzelnen Stützpunkten im ganzen Land eben doch unterschiedlich sind.

Auch das übliche Programm der Sommerleistungskontrolle wurde abgespeckt. Corona-bedingt fiel der Athletiktest flach, ebenso wurde auf den Skiroller-Wettkampf verzichtet. Dennoch stiegen nachmittags alle jungen SBW-Athleten auf das Trainingsgerät. Der ursprünglich vorgesehene Skiroller-Test im Schönwälder Weißenbachtal war nicht möglich, weil die Rollerbahn gerade neu asphaltiert wird. Stattdessen setzte das Trainerteam ein Skiroller-Training von Buchenbach hoch zum Thurner an, wobei es fast ausschließlich über Radwege ging. Selbst ohne Zeitnahme begriffen die jungen Leistungssportler schon der knackigen Anstiege wegen auch diese Aufgabe als "Challenge".