Das Mittelalter erlebbar machen

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Mi, 22. Mai 2019

Herbolzheim

Hans-Jürgen van Akkeren und Bertram Jenisch vermittelten viele Informationen zur Geschichte der Kirnburg .

HERBOLZHEIM-BLEICHHEIM. Die Wettervorhersage war für den Sonntagnachmittag nicht besonders gut. Dennoch wagten es 60 Erwachsene und fünf Kinder, den Regen in Kauf zu nehmen, um Wissenswertes über die Kirnburg zu erfahren, die in diesem Jahr laut erster urkundlicher Erwähnung 800 Jahre besteht. Sie wurden am Ende sogar mit Sonnenstrahlen belohnt.

Ortsvorsteher Patrik Vetter begrüßte die Teilnehmer. Zu den 800 Jahren Kirnburg wurde die Burgruine freigeschnitten und ist nun auch von weitem wieder sichtbar. Das Jubiläum ist Anlass für einige Maßnahmen und Veranstaltungen. Zu diesen gehört auch die Wanderexkursion "Im Schatten der Kürnburg" von Burgführer Hans-Jürgen van Akkeren, die am 30. Juni noch einmal stattfindet.

Gemeinsam führten van Akkeren und Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt von der Kirnburghalle in rund zwei Stunden zur Kirnburg. An mehreren Stationen unterwegs gab es im Dialog der beiden viele Informationen über die Entstehung der Burg, das Leben als Ritter und Burgfräulein bis zur Zerstörung der Burg im 30-jährigen Krieg zu hören.

Stilvoll im historischen Gewand der Ritter von Üsenburg gekleidet, beantworteten Hans-Jürgen van Akkeren ebenso wie Bertram Jenisch die zahlreichen Fragen der interessierten Teilnehmer. Dabei erzählten sie locker und allgemein verständlich auch von neuesten Erkenntnissen der Geschichtsforschung. So steht für die Wissenschaftler inzwischen fest, dass es sich bei der Kastenbuck nicht, wie lange angenommen, um eine frühere Burg, sondern um einen Kornspeicher zur Abgabe des Zehnten an das Kloster Andlau handelte.

Als die Üsenberger die Vogtei über die Güter des Klosters im Jahre 1200 erhielten, dauerte es noch knapp 20 Jahre bis zur Beurkundung der Kirnburg 1219. So lange habe es gedauert, bis die Burg erbaut war, schickte van Akkeren voraus. Und am Ende konnten die Zuhörer die zu dieser Zeit äußerst mühevolle Baugeschichte mühelos nachvollziehen.

Gleichsam vor dem inneren Auge erweckten die beiden kompetenten Führer die Epoche des Mittelalters zu neuem Leben. Da war beispielsweise die Geschichte des Duttenbrunnens auf der Schlosswiese, der als Schlossbrunnen diente. Doch wird darüber hinaus auch in der Burg selbst eine Zisterne angelegt gewesen sein, vermutete van Akkeren. "Brunnen waren selten, denn oben vom Berg war es ein langer Schacht bis zum Wasser", sagte Jenisch.

Das Graben des Schachtes für die Zisterne lieferte zugleich Baumaterial für die Burg. Später wurde das Regenwasser der Dächer in die Zisterne geleitet und über eine Kiesschicht gesäubert. "Von wegen finsteres Mittelalter. Man war damals nachhaltiger als wir heute", so Jenisch.

Beeindruckend waren nicht allein die Mühlsteine, die immer noch zu finden sind und die der Burg ihren Namen gaben. Sondern vor allem auch die enorme Bauleistung des Abtragens der Bergkuppe, auf der die Burg steht und der Ebene, die entstand, als man den Abraum, der nicht als Baumaterial zu verwenden war, als Halde an den Abhang kippte. Die bis heute sichtbaren Spuren an der alten Königsstraße zur Burg verfehlten nicht die entsprechende Wirkung. Ein Wanderer sagte staunend: "Da läuft man sonst achtlos vorüber!"

Manche der Teilnehmer kamen aus der näheren Umgebung. Einige jedoch waren über die Presseberichte auf die Wanderung aufmerksam geworden und kamen aus der weiteren Region wie etwa aus Freiburg. Am Ende wurden sie alle nicht allein mit Sonnenstrahlen anstelle von Regentropfen, sondern auch an der Ruine mit einer heißen Wurst belohnt – stilecht aus dem Kessel über dem Holzfeuer.