Mehrheit der Befragten fühlt sich wohl

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Fr, 01. März 2019

Herbolzheim

Im Herbolzheimer Gemeinderat wurden Ergebnisse der Seniorenbefragung vorgestellt / Viele Angebote für Ältere weitgehend unbekannt.

HERBOLZHEIM. Die Senioren in Herbolzheim wurden gefragt, wie sie sich in Herbolzheim fühlen und was sie sich wünschen. Das Büro LQM Marktforschung hatte dazu eine Umfrage mit einem Fragebogen durchgeführt. Klaus Kortmann von LQM stellte die Ergebnisse am Dienstag im Gemeinderat vor. Sie werden am 14. März noch einmal präsentiert – bei einem öffentlichen Workshop unter dem Motto "Gut leben im Alter" im Bürgerhaus Tutschfelden.

Als die Befragung Ende Oktober startete, lebten insgesamt 2068 Menschen in Herbolzheim, die älter waren als 65 Jahre. 1000 nach dem Zufallsprinzip Ausgewählte wurden angeschrieben. Sie erhielten einen sechsseitigen Fragebogen mit 27 Fragen, den sie anonym zu LQM in Mainz schicken konnten. Knapp die Hälfte der Angeschriebenen hat mitgemacht.

Kortmann wertete diese Rücklaufquote als Beleg für das große Interesse der Herbolzheimer Senioren an der Aktion. Den niedrigsten Wert beim Rücklauf erreichte Bleichheim. Dies sei die Regel bei Ortsteilen, in denen sich die Menschen als nicht so richtig dazugehörig empfänden, so Kortmann. In solchen Orten herrsche oft die Meinung, es werde sich doch nichts ändern, sagte er.

Ein weiteres Ergebnis: Mehr als 90 Prozent der Beteiligten fühlen sich in Herbolzheim wohl. Den höchsten Prozentsatz bei der Frage, ob sie sich in ihrer näheren Umgebung sehr wohl fühlen, erreichten die Brogginger Teilnehmer mit rund 60 Prozent. Alle Brogginger, die geantwortet haben, wohnen auch in den eigenen vier Wänden. Aber auch mit 78 Prozent in der Kernstadt liege Herbolzheim deutlich über den Durchschnitt in Deutschland, erklärte Kortmann.

91 Prozent der Beteiligten beziehen eine gesetzliche Rente und 1,1 Prozent sind auf Grundsicherung angewiesen. Insgesamt beziehen in Herbolzheim und den Ortsteilen nach Behördenangaben 1,7 Prozent der Senioren Grundsicherung. Dass man dieser Prozentzahl so nahe gekommen sei, spreche dafür, dass das Ergebnis der Umfrage durchaus repräsentativ sei, so Kortmann.

Die sozialen Kontakte scheinen in den Bleichtalgemeinden stärker ausgeprägt. Während 27 Prozent der Senioren in der Kernstadt alleine leben, sind es in den Ortsteilen 19 Prozent der Teilnehmer. Auch die Zahl der Kinder, die in der Nähe der Senioren leben und damit für Unterstützung sorgen können, ist in den Dörfern deutlich höher. Umgekehrt liegen Angebote wie Ärzte in der Kernstadt deutlich näher und viele der Beteiligten erreichen sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Das Ergebnis zur Hilfe im Alltag bedeute, dass die dafür nötigen Strukturen in Herbolzheim funktionieren. Allerdings wüssten viele nicht, was es alles an Unterstützungsangeboten gebe, so Kortmann. "Essen auf Rädern" sei noch das Bekannteste. Obwohl 90 Prozent der Beteiligten angaben, sie informierten sich durch das Amtsblatt über das Geschehen in Herbolzheim, würden rund 60 Prozent gar nicht die Angebote kennen, auf die im Amtsblatt hingewiesen wird. Kortmann sah hier Aufklärungs- und Informationsbedarf. Er stellte die Frage, ob die Infos auf den Seiten vier und fünf im Amtsblatt nicht anders vermittelt werden sollten.

Bei den Anregungen, für die es Felder auf dem Fragebogen gab, spielten die Anbindung der Bleichtalgemeinden durch den öffentlichen Personennahverkehr eine Rolle. Obwohl die Stadt jährlich rund 100 000 Euro für den Bus ins Bleichtal ausgibt, sagte Kortmann, er halte die Taktung der Fahrten für nicht flexibel genug, um für die Senioren attraktiv zu sein. Kortmann bezeichnete einen Bürgerbus, wie er in Endingen im Einsatz ist, als ein flexibleres Angebot. Für solche Fahr- und Bringdienste gebe es auch Fördermittel. Zur Nachfrage nach einem Mittagstisch in der Kernstadt brachte Kortmann das Öffnen der Mensa der Emil-Dörle-Schule für Senioren ins Spiel.

Ein größeres Engagement der Senioren für das öffentliche Leben ist nach Kortmanns Zahlen kaum zu erwarten. 41 Prozent der Beteiligten aus den Bleichtalgemeinden und 36 Prozent aus der Kernstadt haben angekreuzt, bereits ehrenamtlich engagiert zu sein. Doch die Bereitschaft zu künftiger ehrenamtlicher Arbeit liege bei etwa drei Prozent. Auch für das viel diskutierte Thema, dass die Älteren von ihren großen Wohnungen in kleinere umziehen könnten, um jungen Familien Platz zu machen, sah Kortmann wenig Interesse. Mehr als 90 Prozent der Befragten wollen betreut zu Hause altern.

"Gut leben im Alter": öffentlicher Workshop am Donnerstag, 14. März, ab 17.30 Uhr im Bürgerhaus Tutschfelden.