Frauenfußball

In Heuweiler trainieren 40 Mädchen in den Jugendmannschaften

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Sa, 15. Juni 2019 um 13:49 Uhr

Heuweiler

Zwischen Anerkennung und Akzeptanzproblemen steht der Frauenfußball im nördlichen Breisgau. Wichtige Grundlagenarbeit leistet die SG Heuweiler, in der rund 40 Mädchen trainieren.

Wer in Heuweiler oder Denzlingen, Gundelfingen, Vörstetten oder Glottertal kicken will, der braucht nicht lange zu suchen. Bolzplätze gibt es und Fußballvereine sowieso. Problematischer wird es, wenn man kein Mann ist: Während die Frauen vom VfR Vörstetten gerade erst die Meisterschaft in der Kreisliga B gewannen, hat sich die erste Damenmannschaft des FC Denzlingen vor einem Jahr aufgelöst, in Gundelfingen und Glottertal geschah dies schon vor etlichen Jahren. Immerhin: Die Denzlinger B-Juniorinnen kicken derzeit in der Bezirksliga und Vorstand Michael Kuwert hofft, dass künftig auch im Erwachsenenbereich wieder Frauen für den FC am Ball sind.

In der E-Jugend von Rot-Weiß Glottertal spielen ab und an Mädchen mit, wie deren Vorsitzender Johannes Flamm sagt. In dem Alter sind die Teams in der Regel noch gemischt. Für junge Mädchen ist es indes nicht leicht, sich unter ihren männlichen Altersgenossen durchzusetzen. Flamm sagt, Mädchen verlieren schnell die Lust, weil der Sport ihnen zu anstrengend sei.

Thomas Frank sieht das anders. Er hat vor vier Jahren die SG Heuweiler ins Leben gerufen, in der rund 40 Mädchen aus Vörstetten, Heuweiler und Freiburg-Zähringen spielen. "Die Mädchen stehen bei den Jungs nicht auf dem Radar und werden seltener angespielt – obwohl sie oft nicht schlechter kicken", so Frank.

Seine Tocher Frieda hat als Achtjährige angefangen, auf dem Pausenhof zu kicken. Doch: "Die Jungs haben nie zu mir gepasst, das hat genervt. Wie soll man denn besser werden, wenn man nie einen Ball zugespielt bekommt?" Und wenn sie doch mal einen Ball bekam und diesen schlecht verwertete, hätten die Jungen sie blöd angemacht. "Das war unfair. Wenn die Jungen Fehler gemacht haben, hat sich keiner aufgeregt", sagt die Zwölfjährige, die mittlerweile seit vier Jahren bei der SG Heuweiler die Außenbahnen beackert. Das hat sich auch bei ihren Klassenkameraden herumgesprochen, die nun häufiger abspielen würden. Jüngst schaute sie sich das Pokalfinale SC Freiburg gegen Wolfsburg an. "Mit den Frauen im Fernsehen kann ich mich identifizieren", sagt Frieda. Sie versuche, deren Tricks nachzuahmen.

Ihr Vater spricht von einem Akzeptanzproblem im Frauenfußball. "Das liegt daran, dass in den Vorständen meist ältere Männer sitzen. Die interessieren sich zuerst für die Herrenmannschaften, dann für die Jugendteams. Frauenmannschaften sind nur das fünfte Rad am Wagen." Verständnis hat er dafür nicht. "Die deutsche Nationalmannschaft ist erfolgreich, ebenso die Frauen des SC Freiburg."

Lisa Groß von der Alemannia Zähringen hingegen meint, Frauenfußball habe sich mittlerweile bewährt. "Früher wurden wir belächelt und der Fußballverstand wurde uns aberkannt", sagt die 25-Jährige. Doch in Freiburg-Zähringen habe sich die Frauenmannschaft durch ihre sportliche Leistungen viel Anerkennung erarbeitet. Sie selbst kommt aus Vörstetten, hat als Neunjährige angefangen, Fußball zu spielen und war in ihrer Jugend lange Zeit beim VfR Vörstetten aktiv. 2017 wechselte sie zur Alemannia, dort trainiert sie auch Jugendteams.

"Ich habe glücklicherweise zwei Vereine kennengelernt, die sich stark im Frauenfußball engagieren", sagt Groß. Beide Vereine hätten in der Vergangenheit Mädchenfußball-Tage veranstaltet und in der Schule für den Sport geworben. In Vörstetten und Zähringen gebe es nun für fast jedes Alter ein fußballerisches Angebot. In der Region sei von der Kreis-, über die Ober- bis hin zur Bundesliga alles möglich. Dennoch: Bei den Zähringern mischen auch Frauen aus Denzlingen, dem Elztal und sogar Lahr mit. Ein bisschen suchen müssen die Frauen dann doch.