Handball

HGW Hofweier: Eine Verjüngung, die gewollt ist

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Di, 08. September 2020 um 14:58 Uhr

Südbadenliga

Die Handballer des HGW Hofweier müssen sich mit einem jungen Team in der starken Nordgruppe der Südbadenliga durchsetzen.

. Vieles wird in der kommenden Saison anders für die Handballer des HGW Hofweier und deren zahlreiche Fans. Die Südbadenliga wurde neu strukturiert, der Spielplan gestrafft, die Zahl der Zuschauer in den Hallen begrenzt. Zudem hat sich das Gesicht des Teams bei den Grün-Weißen aus dem traditionsreichen Handballdorf deutlich verändert. Eine Konstante stellt Trainer Michael Bohn dar: Der Ex-Bundesligaspieler sitzt nunmehr in der vierten Saison auf der Bank.

Sehr moderat ist das sportliche Ziel, welches der 47 Jahre alte Bohn für die anstehende Spielzeit formuliert: "Wir wollen in die Meisterschaftsrunde kommen." Die Südbadenliga wurde in zwei jeweils acht Teams zählende Gruppen aufgeteilt, wobei sich die Hofweierer der Nordgruppe zugeordnet sehen. Um einen Platz in der Meisterschaftsrunde zu ergattern, müssen die Grün-Weißen zunächst mindestens Vierter werden.

"Die Nordgruppe ist um einiges stärker als die Südgruppe. Die meisten Teams dort werden sich für die Meisterschaftsrunde qualifizieren wollen", gibt Bohn zu Bedenken. Dort trifft sein Ensemble auf TVS Baden-Baden II, TuS Helmlingen, SG Kappelwindeck/Steinbach, HTV Meißenheim, SG Muggensturm/Kuppenheim, TuS Ottenheim und BSV Phönix Sinzheim. Falls die Saison so beginnt, wie der Verband dies vorsieht, treffen die Hofweierer am ersten Spieltag am 3. Oktober auf den TuS Helmlingen.

Die personelle Veränderung der Mannschaft ist unübersehbar. Die Abgänge von Nebojsa Nikolic (HSG Ettlingen), Strahinja Vucetic (SG Pirna/Heidenau), Robin Dittrich (SG Scutro), Philipp Kunde (SG Köndringen/Teningen), Luca Barbon (TuS Altenheim), Marco Schlampp (HSG Hanauerland) und Radoslaw Jankowski (TuS Oppenau) fallen deutlich ins Gewicht. Dem stehen als Zugänge gegenüber: Cedrik Lauppe (TV Willstätt), Timo Häß (HTV Meißenheim), Dominik Merz (SG Köndringen/Teningen), Tim Stocker (eigene Reserve), Nils Ehret und Laurin Ehret (eigene A-Jugend).

"Mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren haben wir in der kommenden Saison eine sehr junge Truppe. Wir haben sicher individuelle Qualität durch die Abgänge verloren, das ist keine Frage. Auf der anderen Seite sieht man aber, dass die jungen Spieler mehr Entwicklungsspielraum bekommen", sagt der Coach. "Man muss die personellen Verluste über das Team auffangen. Das versuchen wir, und es zeichnet sich jetzt auch schon ab, dass das gelingen kann. Ein Mann wie Vujetic, der immer eine Menge Tore gemacht hat, fehlt natürlich. Aber diese Entwicklung, mit der damit verbundenen Verjüngung war auch so gewollt." Ein neuer Spielstil soll die Auftritte des HGW kennzeichnen: "Wir wollen schneller spielen als in der vergangenen Saison, wir wollen auch im Angriff mehr über die Mannschaft kommen. Vergangene Runde war das viel zu individuell. Ich bin davon überzeugt, dass wir in der kommenden Saison von meinem Team einen ansehnlicheren Handball sehen als zuvor", so Bohn.

"Ich hoffe, dass

wir diese Leute dann

nicht verlieren."

Michael Bohn
Sein Eindruck von der Mannschaft bislang? "Ich bin sehr zufrieden. In den Vorbereitungsspielen gab es Höhen und Tiefen, aber insgesamt stimmt die Richtung. Es passt sehr gut, es herrscht ein gutes Miteinander." In der vergangenen Woche hat das Trainergespann, zu dem auch Co-Trainer Boris Schnak gehört, acht Trainingseinheiten durchgezogen. Bohns Eindruck: "Alle haben hervorragend mitgemacht." Diese Woche ruht das Mannschaftstraining beim HGW, stattdessen stehen individuelle Bemühungen an, danach wollen Bohn und Co. in der Vorbereitung durchstarten.

Dass die Saisonplanung einen verkürzten Spielplan vorsieht, hat er mittlerweile akzeptiert. "Ich war am Anfang skeptisch, habe mich aber damit angefreundet, denn der Spielplan kommt uns eigentlich auch entgegen. Unser Kader ist nicht allzu groß. Und Timo Häß wird mit einem Muskelfaserriss ein paar Wochen ausfallen."

Gewöhnungsbedürftig werden auch für die Hofweierer die Rahmenbedingungen sein: Der HGW hat mit der Gemeinde Hohberg ein Hygiene-Konzept entwickelt, welches die Anforderungen der Politik erfüllt. "Wir haben es ausgemessen. Wenn wir den Abstand von 1, 50 Meter zwischen den einzelnen Zuschauern einhalten, bekommen wir rund 160 Leute in die Hohberghalle", so Bohn.

Damit gehören die Hofweierer zu den privilegierten Clubs in der Region. In anderen, kleineren Hallen können teilweise wohl nur 50 bis 60 Handballfans zugelassen werden. Der HGW hatte zuletzt einen Schnitt von 400 Fans pro Heimspiel. "Natürlich hoffen wir alle, dass man wieder zum normalen Publikumsverkehr zurückkommen kann. Am Anfang wird das eine Riesenumstellung, wenn du da in die Halle kommst." Zudem stehen die Vereine vor der unangenehmen Aufgabe, einigen Fans mitzuteilen, dass sie nicht zum Spiel kommen können. "Ich hoffe, dass wir diese Leute dann nicht verlieren", sagt der Hofweierer Trainer, der auf finanzielle Einbrüche verweist bei Eintrittsgeldern, Thekenumsatz und Sponsoren.

Trotz dieser Einschränkungen hat er große Lust auf die Runde. "Die Arbeit mit dem Team macht richtig Spaß, die Jungs trainieren richtig gut, man sieht jetzt schon einige sehr positive Entwicklungen, die sich abzeichnen: bei Mike Bächle, Adrian Volk, Fabian Wildt oder Torwart Mark Herbert. Das sind ganz junge Leute, die in kurzer Zeit schon sehr große Schritte nach vorne gemacht haben."