Schule

Hier werden simple Klischees bedient

Ulrich Hamann

Von Ulrich Hamann (Freiburg)

Mi, 15. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Mein Vorschlag: System mit zwei Schichten", Zuschrift von Michael Scholz (Forum, 7. Juli)
Ich muss mich sehr wundern, dass eine seriöse und qualifizierte Zeitung wie die BZ eine derart simple und verkürzte Meinung wie die von Herrn Scholz druckt. Hier werden simple Klischees bedient. Die Vorschläge, die Scholz macht, sind nicht zu Ende gedacht und basieren auf falschen Annahmen. Risikogruppen gibt es quer durch alle Alters- und Berufsgruppen. Hier wird suggeriert, dass eine Berufsgruppe dies ausnutzt, um persönliche Vorteile bezüglich Freizeit zu bekommen. Das ist statistisch nicht belegt.

Der Vorschlag, die Ferien ersatzlos zu streichen, ist lächerlich. Nachgewiesenermaßen sind die Ferien für Kinder und die arbeitenden Lehrer gleichermaßen essenziell. Natürlich wird auch hier suggeriert, dass eigentlich die ganze Corona-Krisenzeit über wenig bis gar nicht gearbeitet wurde. Dies ist falsch. Meine Frau arbeitet als Lehrerin an einer Realschule, und ich kann bestätigen, dass der Aufwand in dieser Zeit gestiegen ist. Es kamen neue Herausforderungen, die zusätzlich zu den normalen Inhalten zu bewältigen waren. Dauerpräsenz wurde eingefordert, Infrastrukturen, die nicht vorhanden waren, mussten geschaffen werden. Den Lehrern und Lehrerinnen wird ja immer wieder die lange Ferienzeit vorgeworfen, ohne Kenntnis des Berufsalltags. Die Lockdownzeit, die die Schüler hatten, ist ebenfalls mit Ferien nicht zu vergleichen.

Der dritte Vorschlag bezüglich Zweischichtsystem ist eine Milchmädchenrechnung. Er bedeutet eine Verdoppelung der Lehrstunden. Das bedeutet, dass die Deputate verdoppelt werden müssten, was sowohl kostenmäßig nicht geleistet werden kann als auch dass die Kapazitäten nicht zur Verfügung stehen. Mich würde interessieren, was Herr Scholz sagen würde, wenn sein Arbeitgeber ihn verpflichten würde, für das gleiche Geld die doppelte Zeit zu arbeiten. Das Lehrer-Bashing wird in keiner Weise der Arbeit gerecht, die unsere Lehrer an den Schulen leisten. Als Vater zweier Töchter möchte mich für all die Arbeit bedanken, die an den Schulen geleistet wird. Man kann das nicht hoch genug schätzen. Ulrich Hamann, Freiburg