Hilfen gingen auch 2020 weiter

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 23. November 2020

Kenzingen

Der Kenzinger Verein Zarok, der sich für jesidische Flüchtlinge im Nordirak einsetzt, hat laufende Projekte besucht.

(BZ). Die Coronapandemie hat im Nordirak zu wiederholten Ausgangssperren in den Städten und Flüchtlingscamps geführt. Ausländische Organisationen haben Mitarbeitende aus dem Land abgezogen, viele Hilfsprojekte wurden eingestellt. Der Kenzinger Verein Zarok konnte durch die enge Kooperation mit lokalen Organisationen die gemeinsam mit dem Verein Khaima realisierten Hilfsmaßnahmen auf kleiner Flamme aufrechterhalten. Andreas Goerlich von Khaima, der Schweizer Partnerorganisation, hat sich Anfang November ein Bild von der Situation im Nordirak machen können.

"In unser Haus lassen wir kein Virus herein", wird eine Besucherin des Girls and Women Empowerment Center im Flüchtlingscamp Domiz empfangen. Schon am Eingang der kleinen Anlage mit drei Containern werden die Kursteilnehmerinnen mit Schutzmasken, Handdesinfektionsmittel und einem Infrarot Fieberthermometer empfangen. Mit einfachen Worten erklärt das Team der Frauenorganisation "The Lotus Flower" der Besucherin der Nähgruppe, wie sie sich vor dem Virus schützen soll.

Die Arbeit des Centers mit geflüchteten kurdischen Frauen aus Syrien wird seit Oktober 2018 von Zarok und Khaima unterstützt. Noch immer liegt ein Schwerpunkt der Informationsveranstaltungen bei der Aufklärung zu Ansteckungswegen und Verbreitung des Coronavirus sowie zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen zum Beispiel zu Gesundheits- oder Erziehungsthemen, die über Whatsapp-Gruppen verteilt werden. Mittlerweile finden auch wieder mehr Präsenzveranstaltungen statt. Da aufgrund der strengen Hygienestandards weniger Frauen daran teilnehmen können, werden die Projekte teurer. So seien die Nähgruppen oder die Alphabetisierungskurse deutlich ausgedünnt, teilte der Kenzinger Verein mit.

Nach mehreren Unterbrechungen wurden die therapeutischen Gruppen in Sharya im August wieder aufgenommen, ebenso die aufsuchenden Einzelfallhilfen. Die Psychologen der Panaga Organization for Education arbeiten mit jesidischen Binnenvertriebenen, die in der Mehrzahl in informellen Siedlungen, unfertigen Gebäuden oder Unterständen in der Stadt Sharya leben. Jesidische Frauen, die zum Teil erst nach Jahren aus der Gefangenschaft des Islamischen Staates freikamen, nutzen die therapeutischen Hilfen.

Ein wichtiges Anliegen von Zarok ist es, abgeschlossene Projekte im Nachgang zu evaluieren. So besuchte Andreas Goerlich auch die Teilnehmerinnen des gemeinsamen Nähateliers vom Januar und Februar 2020 im Camp Kaberto, um zu überprüfen, ob alle Nähmaschinen, die den Frauen nach Abschluss ihrer Ausbildung überlassen wurden, noch vorhanden und in Betrieb sind. Es sei keine Seltenheit, dass solche Gegenstände in Notsituationen, zum Beispiel von Familienmitgliedern, verkauft werden. Erfreulicherweise seien alle Nähmaschinen noch in Betrieb, hieß es. Die Projektleiterin Haveen M. Abdulmajeed von der Organisation Voice of older people and family erklärte, dass die Frauen im Durchschnitt 40 Dollar pro Woche mit ihrer Arbeit erwirtschaften würden. Auch den Lockdown im März und April hätten die meisten Frauen durch die Arbeit gut überstanden. Aufgrund dieser guten Erfahrungen planen Zarok und Khaima Anfang 2021 ein weiteres Nähatelier, in dem 20 Frauen aus dem Flüchtlingslager Shekan ausgebildet und anschließend mit eigenen Nähmaschinen, Generatoren, Bügeleisen und Bügelbrettern ausgestattet in die eigene Erwerbstätigkeit starten können. Wegen der Einschränkungen durch die Coronapandemie werden sich die Gesamtkosten dafür auf 26 000 Dollar belaufen.

Nach dem dauerhaften Erfolg der Bäckerei im Camp Rwanga plant Zarok in Zusammenarbeit mit der Frauenorganisation "The Lotus Flower" die Einrichtung und den Betrieb einer weiteren Bäckerei. Sie soll nach der Ausbildung von drei Frauen im Frühjahr im Flüchtlingslager Domiz starten. Die Gesamtkosten der Ausbildung und Einrichtung belaufen sich auf insgesamt 10 000 Dollar.