Genderdebatte

Immer mehr Freiburger Hochschulen haben genderneutrale Toiletten

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Mo, 06. Dezember 2021 um 09:00 Uhr

Littenweiler

Seit Januar gibt es an der Pädagogischen Hochschule eine Unisex-Toilette. An der Evangelischen Hochschule sind es sogar mehrere. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.

Es ist ein Pilotprojekt: Im Januar hat die Pädagogische Hochschule in Littenweiler erstmals eine genderneutrale Toilette eingerichtet, also eine Toilette, die von allen Personen unabhängig vom Geschlecht genutzt werden kann. Und sie ist nicht die einzige. An der Evangelischen Hochschule in Weingarten gibt es sogar drei solcher Toiletten. Die Katholische Hochschule in Herdern hat erst kürzlich die Einführung von Unisex-Toiletten beschlossen.

Die Inspiration zur Unisex-Toilette an der PH kommt aus Wien. Bettina Fritzsche und eine Kollegin vom Institut für Erziehungswissenschaft der PH haben bei Besuchen an der Universität Wien entsprechende Toiletten entdeckt und die Idee an die PH gebracht. "Es ist wichtig, dass Hochschulen sichere Räume für Minderheiten schaffen", so Fritzsche. Die Toilette steht explizit auch Trans-, Inter- oder nonbinären Personen zur Verfügung. Der Vorschlag ging durch verschiedene Kommissionen und Gremien – und wurde angenommen. "Im Frühjahr 2021 wurde das Schild mit dem Transgender-Piktogramm angebracht", sagt Fritzsche. Auf Schildern in den Toiletten wird das Konzept erklärt, beziehungsweise auf andere Toiletten verwiesen. Gekostet hat das bis auf etwas Handwerker-Arbeitszeit und Material laut PH nichts.

Hochschule will sichere, diskriminierungsfreie Räume anbieten

Die Unisex-Toilette der PH liegt im Erdgeschoss vom Kollegiengebäude 5 – und war vorher nur für Frauen. Nun deutet ein Transgender-Symbol neben der Tür auf die Umwidmung hin. Dahinter gibt es Sanitätsanlagen für Männer- und für Menschen mit Behinderung. "Wir haben uns dafür entschieden, die Frauen-Toilette umzuwandeln, weil es dort separate Kabinen gibt", erklärt Doris Schreck, Leiterin der Stabsstelle Gleichstellung. Gegen eine Umnutzung der Männertoilette hätten die Pissoirs dort gesprochen und die dadurch fehlende Diskretion. "Ideal ist es so nicht, weil die reine Frauentoilette weggefallen ist", sagt Schreck, "aber das fangen wir durch Verweise auf andere reine Frauentoiletten auf."

Baulich hat man die Unisex-Toilette nicht verändert. "Die Markierung ist nur eine andere", so Fritzsche, "der Aufwand war gering." Hauptanliegen ist, eine inklusive und geschlechterreflektierende Hochschulkultur zu etablieren. "Für Menschen, die sich nicht weiblich oder männlich einordnen, kann es eine Diskriminierungserfahrung sein, wenn es nur diese Kategorien gibt, auch bei Toiletten", sagt Fritzsche.

Wie viele Mitglieder der Pädagogischen Hochschule sich als Trans-Menschen definieren, weiß die Hochschule nicht. Aus verschiedenen Befragungen lässt sich ableiten, dass die Zahl sich im niedrigen zweistelligen Bereich bewegen könnte. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität geht von 60.000 bis 100.000 trans* Personen in Deutschland aus.

Feedback ist zum Großteil positiv

In einem gelben Pappkasten in der Unisex-Toilette können Studierende und Hochschulmitglieder Feedback geben. "Der Großteil der Rückmeldungen, rund 80 Prozent, war positiv", sagt Doris Schreck. Kritik gab es allerdings auch. Vor allem wird kritisiert, dass die reine Frauentoilette in dem Gebäude im Erdgeschoss weggefallen ist. "Auf den Schildern weisen wir daraufhin, dass es separate Frauentoiletten im KG 3 gibt", so Schreck. Es gab aber auch vereinzelt Kritik, dass die PH sich in Pandemiezeiten um solche Themen kümmert. Bis Sommer 2021 dürfte die Zahl der Nutzenden gering gewesen sein, da die Hochschule viel digitale Lehre anbot.

Dabei haben Hochschulen dieses Thema schon länger entdeckt. An der Freiburger Evangelischen Hochschule gibt es schon seit April 2020 im Kubus, einem Neubau, eine Unisex-Toilette. Da dort das Hauptgebäude gerade saniert und erst kommendes Jahr fertig wird, nutzt die Hochschule derzeit das neue Studierendenwohnheim für den Lehrbetrieb. Dort wurden im August vergangenen Jahres gleich zwei genderneutrale Toiletten eingerichtet. Der Impuls kam laut Sprecherin Barbara Hirth vom Arbeitskreis "Queer Denken" des Asta. "Es ging darum, die Hochschule offen und Diskriminierungsfrei zu gestalten", teilt Barbara Hirth mit.

Auch die Katholische Hochschule in Herdern plant eine rasche Einrichtung einer ersten Toilette für alle in einem Frauen-WC, das direkt am größten Hörsaal liegt. "Unser Ziel ist es, künftig in jedem Gebäude der Hochschule mindestens eine genderneutrale Toilette einzurichten" teilt KH-Sprecherin Astrid Spüler mit. An der Uni Freiburg scheint es bisher keine solcher Toiletten zu geben.