Hohe Gaspreise würden Grünen entgegenkommen

Bernhard Bernauer

Von Bernhard Bernauer (Freiburg)

Do, 24. September 2020

Leserbriefe

Zu: "Rufe nach Aus für die Pipeline", Agenturbeitrag (Politik, 4. September)
Führende Politikerinnen, Politiker und Leitmedien in Deutschland vermuten, die russische Regierung habe den Oppositionspolitiker Nawalny vergiften lassen. Nachdrücklich wird von den Grünen deshalb zur Bestrafung Russlands das Ende der mit einer Investition von rund zehn Milliarden Euro bereits zu 94 Prozent fertiggestellten Ostseepipeline Nord Stream 2 gefordert.

Da stellt sich die alte Frage: Wem nützt dies und was sind die Folgen? Die USA sind strikt gegen das Projekt, sie wollen ihr teures Flüssiggas nach Europa verkaufen. Polen und die Ukraine sind verständlicherweise dagegen, sie wollen weiterhin hohe Transitgebühren für die Durchleitung russischen Erdgases kassieren. Warum aber sind die deutschen Grünen, auch im Europaparlament, so dagegen?

Der Stopp des Projektes wird deutlich höhere Preise für Erdgas in Deutschland wegen des dann notwendigen Imports von Flüssiggas zur Folge haben. Man sollte nicht vergessen, dass wir aus Atomkraft und Kohle aussteigen und die Gasvorräte in der Nordsee zur Neige gehen. Hohe Gaspreise würden es den Grünen erleichtern, die derzeitigen massiven Subventionen über Strompreise und Steuern für erneuerbare Energien zu rechtfertigen. Der Abbruch von Nord Stream 2 wäre unwirtschaftlich teuer, würde primär uns selbst schaden und den Frieden in Europa weiter gefährden. Bernhard Bernauer, Freiburg