Offenburg

Hohe Nachfrage treibt die Wohnungspreise weiter nach oben

Dierk Knechtel

Von Dierk Knechtel

Sa, 19. Oktober 2019 um 14:05 Uhr

Offenburg

Für Wohnungseigentum in Offenburg wurde 2017/18 im Schnitt 3390 Euro pro Quadratmeter bezahlt – und die Tendenz geht weiter nach oben.

Wohneigentum in Offenburg wird immer teurer. Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht für 2017/18 hervor, der wie die zugehörigen Bodenrichtwerte für Offenburg jetzt öffentlich zugänglich ist. Stadtverwaltung und Gutachterausschuss legten im Technischen Rathaus eine Zusammenfassung des Berichts vor. Die Zahl der gemeldeten Verkäufe stagnierte, während der Umsatz um 27 Prozent auf 408 Millionen Euro stieg.

Jeder Eigentümerwechsel bei einem Grundstück muss notariell beurkundet werden. Die Notare seien gesetzlich gehalten, eine Abschrift jedes Kaufvertrages an den unabhängigen Gutachterausschuss der Stadt Offenburg zu schicken, sagte dessen Vorsitzender Prof. Erwin Drixler. Der reine Kaufpreis ist allerdings ohne Informationen über Qualität und Ausstattung der Immobilie wenig aussagekräftig, und die stehen in der Regel nicht im Notarvertrag. Entsprechende Fragebögen würden deshalb an die Käufer geschickt, die zu den Angaben verpflichtet seien. Die Rücklaufquote liege bei 60 Prozent, sagte Drixler.

In den Berichtsjahren 2017/18 wurden insgesamt 2191 Verkäufe mit einer Gesamtsumme von 408 Millionen Euro gezählt. Davon fielen auf bebaute Grundstücke 192 Millionen, auf Wohnungs- und Teileigentum 175 Millionen und auf unbebaute Grundstücke 40 Millionen Euro. Um acht Prozent weniger bebaute und unbebaute Grundstücke als 2015/16 wurden verkauft. Die Gutachter vermuten, dass die Eigentümer angesichts der derzeit niedrigen Zinsen ihren Besitz halten oder nur zu sehr hohen Preisen abgeben. Die Verkäufe bei Wohnhäusern und Wohnungen stiegen dagegen um 14 Prozent. Dies sei auf die Erschließung des Baugebiets "Seidenfaden" sowie die Sanierungsgebiete "Nordweststadt" und "Mühlbach” zurückzuführen.

Mit der Hälfte aller Verkaufsfälle dominiere Wohnungseigentum den Offenburger Immobilienmarkt. Die Preise seien um 13 Prozent gestiegen und bewegten sich zwischen 2055 und 4456 Euro pro Quadratmeter, im Schnitt seien 3390 Euro gezahlt worden. Die Ursachen der Teuerung lägen neben hoher Nachfrage, den im bundesweiten Vergleich sehr hohen Baukosten auch in gestiegenen Baulandpreisen. Die Bodenrichtwerte in Offenburg seien zum Stichtag 31.12.2018 gegenüber 2016 um bis zu zehn Prozent gestiegen. Im Gebiet Seitenpfaden betrage der Quadratmeterpreis durchschnittlich 550 Euro bei Ein- und Zwei-Familienhäusern (plus 17 Prozent), im Geschosswohnungsbau 450 Euro (plus 21 Prozent). In den Ortsteilen habe der Quadratmeter zwischen 241 und 335 Euro (plus 5 bis plus 10 Prozent) gekostet.

In etlichen Fällen seien für Grundstücke Preise erheblich über dem Bodenrichtwert gezahlt worden. Dies seien Werte aus der Vergangenheit, betonte Baubürgermeister Oliver Martini. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Preise aktuell noch höher lägen. Die Teuerung habe zur Folge, dass die Renditen bei vermieteten Objekten in Offenburg deutlich gesunken seien, denn die erzielbaren Mieten könnten nicht im selben Maß steigen.

Durbach, Hohberg und Ortenberg haben mit Offenburg einen gemeinsamen Gutachterausschuss gebildet. Dieser nimmt seit dem 1. Juli 2019 die gemeinschaftlichen Aufgaben wahr. Der nächste Marktbericht wird somit die Zahlen der anderen Gemeinden enthalten. Der Grund für den Zusammenschluss ist, dass nach neuester Gesetzgebung mindestens 1000 Kauffälle pro Ausschuss vorgeschrieben sind. Die kleineren Gemeinden kommen nicht auf diese Zahl.

Die Aufgaben des Gutachterausschusses, dem 39 Fachleute angehören, bestehen neben der Führung und Auswertung der Kaufpreissammlung und der Ermittlung der Bodenrichtwerte auch darin, Verkehrswertgutachten zu erstellen. Die bereitgestellten Daten dienen ferner dem Fiskus bei der Berechnung der Erbschaftssteuer und bei der anstehenden Grundsteuerreform.

Infokasten: Die Bodenrichtwerte können im Geodatenportal eingesehen werden: http://www.geodatenportal.offenburg.de. Den Immobilienmarktbericht gibt es bei der Stadt in Papierform oder als PDF (30 Euro).