Lieder von Sklaven und Songwritern, von Abba und aus Opern

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Fr, 07. Juni 2019

Horben

Der Gospelchor St. Agatha feiert in Horben sein zehnjähriges Bestehen mit einem Konzert und holt sich den Männergesangverein Bollschweil/Sölden zur Unterstützung.

HORBEN. Agatha, die Gute, gab der Ende des 18. Jahrhunderts erbauten Horbener Kirche ihren Namen. Nach ihr benennt sich auch der Gospelchor, der in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag begeht und dieses "kleine Jubiläum" mit einem Konzert feierte, zu dem er als Gastchor den Männergesangverein (MGV) Bollschweil/Sölden eingeladen hatte.

Die Abendsonne sandte ihre warmen Strahlen in das am Übergang vom Barock zum Klassizismus erbaute Gotteshaus, als sich die muntere Schar des Gospelchors St. Agatha auf den Altarstufen aufbaute. Leiterin Martina Freytag hatte ein Programm zusammengestellt, das zunächst dem vor zehn Jahren gewählten Namen des Chors entsprach, später aber über diese Begrenzung weit hinausging.

Zunächst gab es, mit dem Einzug durch das Kirchenschiff, das bereits zur Tradition gewordene Eröffnungslied "Kumbaya", ein an die afrikanische Herkunft der amerikanischen Südstaatensklaven erinnernder Song, der einen wahren Siegeszug um die Welt angetreten hat, gefolgt von dem nicht viel später entstandenen "This Little Light of Mine", hier neu arrangiert von Martina Freytag. Aber auch Songwriter der späteren Jahre haben sich des Genres angenommen, so etwa Leonard Cohen mit seinem vertonten Vaterunser "If It Be Your Will (Dein Wille geschehe)" oder das Klagelied, das in eine Lobpreisung Gottes umschlägt "Shackles (Fesseln)", seit 1999 Erkennungsmelodie des Gesangsduos Mary Mary.

Dass sie auch ganz anders können, bewiesen die Damen des Gospelchors mit einer interessanten Melodienfolge im zweiten Teil. Da eröffneten sie mit der Tonschöpfung "Adiemus" von Karl Jenkins, eine Herausforderung für jeden Chor – nicht nur musikalisch, sondern auch textlich, wird doch hier eine Sprache verwendet, die sich zwar wie Latein anhört, aber in keinem Lexikon zu finden ist, eine regelrechte Kunstsprache. Die Sängerinnen mit ihren bestens ausgebildeten Stimmen brachten dieses Werk mitreißend zu Gehör, ebenso wie im Anschluss die Nummer "Sing & Pray (Singe und preise)" sowie das unsterbliche Abba-Lied "Thank You for the Music".

Die elektrisierende Wirkung der Darbietung verdankte sich nicht zuletzt der Tatsache, dass alles auswendig gesungen wurde, allerdings diskret unterstützt von auf Aufstellern in großer Schrift geschriebenen Texten – ein Modell, das sich bestens zur Nachahmung empfiehlt. Daran hatte auch sichtlich Claudia Walz Freude, Gründerin des Chors und als Gast im Publikum herzlich begrüßt. Die Moderatorinnen machten mehrmals darauf aufmerksam, dass auch männliche Stimmen im Chor willkommen wären, der sich jeden Mittwoch von 20 bis 21.30 Uhr im Horbener Bürgersaal zusammenfindet.

Die Mannen vom MGV Bollschweil/Sölden ließen zunächst als Hommage an einen der für Chöre wichtigsten Lieferanten singbaren Liedguts drei Lieder hören: Friedrich Silcher. Er wurde in seinem kurzen Leben zu einem der Protagonisten des Chorgesangs und arrangierte zahlreiche Chorsätze von deutschen und internationalen Volksliedern. Anschließend gab es bekannte Weisen aus Opern – vom "Postillon von Lonjumeau" über "Rigoletto" bis zu "Martha", dirigiert von Fritz Haege und am Klavier begleitet von Hermann Haege.

Beim Finale vereinigten sich die Chöre und intonierten gemeinsam das hymnenartige "I have a Dream" von Benny Andersson und Björn Ulvaeus (Abba), frei nach der berühmten Rede von Martin Luther King. Großer Beifall, dann versammelten sich alle zum Anstoßen auf den Geburtstag draußen vorm Kirchenportal.