Drittliga-Handballerinnen

HSG Freiburg streben mit Neu-Coach Igor Bojic den Wiederaufstieg an

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 05. September 2021 um 10:46 Uhr

Handball 3. Liga

Zweitliga-Abstieg und Ende einer Trainer-Ära: Die Drittliga-Handballerinnen der HSG Freiburg müssen einen großen Umbruch bewältigen. Nach 16 Jahren unter Ralf Wiggenhauser übernimmt der Kroate Igor Bojic den Trainerstuhl.

Als Handball-Trainer Ralf Wiggenhauser diesen Winter an Igor Bojic mit der Frage herantrat, ob er nicht Interesse habe, ihn nach 16 Jahren bei der HSG Freiburg zu beerben, da setzte sich der 41-jährige Kroate an seinen Schreibtisch und schrieb eine lange Liste an Fragen auf. "Wir haben dann mehrere und sehr lange Gespräche gehabt, in denen wir alle Fragen angegangen sind", erinnert sich Bojic.

Wo stehen die Spielerinnen? Wie viel wollen sie trainieren? Wie steht es um den Nachwuchs, wie um die Infrastruktur, wie um den Athletikbereich? Bojics Fragenkatalog deckte ein breites Spektrum ab. Er sagt: "Ich wollte wirklich sicher sein." Als sich nach mehreren Wochen und etlichen besichtigten Trainings sein Bauchgefühl vom ersten Gespräch bestätigte, sagt der Handballtrainer zu. Er tritt ein großes Erbe an.

Wiggenhauser führte die HSG in die zweite Liga

16 ganze Jahre trainierte Wiggenhauser die HSG-Frauen. Er führte den Verein aus der Landesliga bis in die 2. Bundesliga. Auch wenn am Ende der Abstieg aus der zweithöchsten Spielklasse stand, der Realschullehrer hat bei den Red Sparrows eine Ära geprägt. "Daraus leitet sich ganz automatisch die Hauptaufgabe für die kommende Saison ab", sagt Gisela Schoritz, die sportliche Leiterin der HSG, "wir wollen den Neustart mit dem neuen Trainer schaffen."

Schoritz wirft seit 1986 in Freiburg Handbälle. Damals existierten die Red Sparrows noch nicht, Schoritz lief für die Handballabteilung des Freiburger FC auf, die später zur HSG wurde. Sie erinnert sich noch ganz genau daran, als das letzte Mal beim Drittligisten ein Umbruch anstand. Zu Beginn des Jahrtausends war das, als Bernhard Person nach 15 Jahren sein Engagement als Trainer beendete. "Damals ist uns der Übergang nicht gelungen", sagt Schoritz. Die HSG stieg doppelt ab, aus der Regional- in die Landesliga. Erst unter Wiggenhauser wuchsen bei der HSG die Bäume wieder in Richtung Handballhimmel.

Igor Bojic ist einer, der weiß, wie es auf höchstem Handball-Niveau zugeht. Während seines Jurastudiums in Osijek spielte er als Linksaußen vier Jahre im kroatischen Oberhaus und stürmte zwei Spielzeiten im Europokal. "Da sind Träume wahr geworden, als ich die besten Spieler der Welt verteidigen durfte", sagt Bojic.

Dabei lernte er auch seine Frau Ana kennen, die ebenfalls in Beletage, Champions League und für das kroatische Nationalteam auflief. "Sie ist von uns beiden die deutlich bessere Handballerin", schmunzelt der Kroate, der neben seinem Engagement als Trainer bei der Post arbeitet.

In dieser Zeit wuchsen zwei Wünsche in Bojic: "Zum einen habe ich bereits mit 24 gemerkt, dass ich mehr wie ein Trainer als ein Spieler gedacht habe." Bojic bekam die Chance, einen Zweitligisten als Spielertrainer zu übernehmen und war ausgesprochen erfolgreich. Mehrere Profiangebote flatterten ins Haus. Doch der Handballer sagte ab. Denn zum anderen wuchs die Sehnsucht nach einer eigenen Familie: "Uns war klar, dass wir nicht Jahr für Jahr von Vertrag zu Vertrag denken und ständig die Stadt wechseln wollen." So bekamen die Bojics Kinder und kamen über mehrere Zufälle vor sechs Jahren ins Dreiländereck. Ein Bekannter hatte Bojic einen Job als Trainer bei Frauen-Drittligist TV Brombach vermittelt. Seitdem hat er sich in Südbaden einen Namen gemacht, auch wenn er bei seinem letzten Verein – der HSG Dreiland – aufgrund der pandemiebedingten Unterbrechungen wenig zum Zug kam. "Die Corona-Pause war eine schwierige Zeit", sagt er.

Bojic gilt als akribischer Trainer

Nun also Freiburg. Und Bojic ist gut vorbereitet. Der breite Fragenkatalog, den er seinem Vorgänger präsentierte, verdeutlicht, wie akribisch er dabei vorgeht. Am Mittwoch feierte er mit seinem Team die 50. Einheit der Vorbereitung.

"Er hat eine unglaublich positive Art und bestärkt die Mädels positiv. Nach zwei schweren Jahren tut das allen gut", hat Sportchefin Schoritz festgestellt. Und genau darauf setzt Bojic. Er will seinen Spielerinnen den Spaß am Spiel vermitteln und dadurch erfolgreich sein. "Wenn wir keine Verletzungen haben, sind wir eine starke Truppe." In der kommenden Spielzeit gibt es sechs Drittliga-Staffeln à elf Teams. Die beiden Erstplatzierten qualifizieren sich für eine Aufstiegsrunde. Schoritz sagt: "Wir würden gerne dabei sein." Im Jahr des Umbruchs ist das eine hohe Hürde. In Igor Bojic hat die HSG einen Trainer, mit dem die Red Sparrows sie nehmen können.