Die einzige Frau im Feuerwehr-Einsatz

skk

Von skk

Mi, 17. Juli 2019

Hüfingen

Die 31-jährige Mareike Seiffert ist gern bei der Hüfinger Wehr / Sie sagt: "Frauen können alles, wenn sie nur wollen".

HÜFINGEN-SUMPFOHREN (gal). Die kleine Teilortgemeinde Sumpfohren ist in mancherlei Hinsicht ein fortschrittliches Dorf. Hier findet man mehr Frauen in verantwortungsvollen Führungspositionen als in vergleichbaren Orten. Seit vielen Jahren ist Ancilla Batsching Ortvorsteherin und im Musikverein gibt’s mit der Vorsitzenden Viktoria Batsching und der scheidenden Dirigentin Eva Maria Agostini ebenfalls ausreichend Frauenpower. Aber bemerkenswert ist vor allem, dass die Sumpfohrener Feuerwehr auf Mareike Seiffert als einzige Frau in der gesamten Hüfinger Feuerwehr stolz sein darf.

Mit der 31-jährigen Agrarwissenschaftlerin mit Masterabschluss und jungen Mutter aus Norddeutschland verfügt die Wehr über eine ausgebildete Gruppenführerin und Atemschutzträgerin, die trotz ihrer zierlichen Figur alle Einsätze bewältigt. "Frauen können alles, wenn sie nur wollen", ist sich die zielstrebige Mutter sicher und möchte andere Frauen ermuntern, ebenfalls mitzumachen.

Sie stammt aus Kiel an der Ostsee, wo sie mit ihren drei Brüdern aufwuchs. Dabei hatte sie bereits gelernt, sich unter Jungs durchzusetzen. Mit zehn Jahren trat sie zusammen mit ihrem besten Kumpel in die dortige Jugendfeuerwehr ein, in der auch zwei ihrer Brüder bereits waren. Dort ging man spielerisch an die Aufgaben heran, übte aber durchaus schon mal Löschangriffe. "Wir hatten bereits in der Jugend verschiedene Leistungswettbewerbe, bei denen ich damals sehr viel gelernt habe", erklärt Mareike Seiffert. Bevor sie in die aktive Mannschaft aufstieg, war sie als erste weibliche Jugendgruppenleiterin in der Kieler Wehr erfolgreich. "In der aktiven Mannschaft war ich wieder die einzige Frau, aber später kamen dann Weise einige hinzu. Ich würde mich freuen, wenn ich hier in Hüfingen auch nicht immer allein als Feuerwehrfrau erwähnt würde", wünscht sie sich.

Im Studium lernte sie ihren späteren Ehemann Lothar Seiffert kennen, dessen Vater Werner den großen Wiesenackerhof in Sumpfohren bewirtschaftet. Die Hüfinger erinnern sich an den Brand am ersten Advent vor drei Jahren, als hier ein großer Teil des Stallgebäudes abbrannte. Werner Seiffert, selbst in der Feuerwehr Sumpfohren, konnte glücklicher Weise alle seine Milchkühe retten. Der neue Stall vom Wiesenackerhof wurde vergrößert zur neuen Heimat von Mareike Seiffert. Beide Ehepartner verfügen über den Master-Abschluss der Agrarwissenschaften, Mareike arbeitete bis vor wenigen Tagen im Landwirtschaftsamt in Waldshut in der Sachgebietsleitung Betriebswirtschaft. Das Paar hat den eineinhalbjährigen Sohn Till, weiterer Nachwuchs wird demnächst das Licht der Welt erblicken.

Dass sie in die hiesige Feuerwehr eintritt war für die junge Frau selbstverständlich. Ihr Mann Lothar folgte ihr später, da er sich irgendwie dazu verpflichtet fühlte. "Ich wurde ohne Vorbehalte willkommen geheißen, die Eingliederung verlief ganz unproblematisch. Wenngleich auch erst mal unter den Floriansjüngern abgestimmt wurde, ob das für alle in Ordnung wäre", erinnert sich schmunzelnd Mareike Seiffert. "Dabei geholfen hat mir sicher meine vorherige langjährige Ausbildung, die deutlich umfangreicher ist als bei manch anderen. Da konnte man einfach nicht nein sagen. Heute kann es sich keine Wehr mehr leisten, eine Frau abzulehnen. Schon gar keine, die zur Atemschutzträgerin ausgebildet wurde, denn die sind ständig Mangelware", weiß Mareike Seiffert.

Ihre Gruppenführerausbildung machte sie dann auch gleich in Hüfingen. Sie möchte weitere Frauen, egal welcher Altersklasse, Mut machen, mitzumachen, nicht nur in Sumpfohren. Denn Arbeit gibt es genügend, an ganz unterschiedlichen Stellen.