Königschaffhausen

"Ich möchte wieder in die Schule"

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Mi, 25. März 2020 um 22:36 Uhr

Endingen

Die Endinger Grundschullehrerin Marina Gut steht ihren Erstklässler der Maria-Sibylla-Merian-Grundschule mit einer Telefonhotline zur Seite.

Alle Schüler sehen sich seit dem Schließen der Schulen vor eine außergewöhnliche Situation gestellt. Besonders trifft es auch Erstklässler, für die die Schule einen neuen Lebensabschnitt bedeutet. Deshalb haben sich die betreuenden Lehrkräfte der Maria-Sibylla-Merian-Grundschule wie Martina Gut bereit erklärt, von zuhause aus Eltern und Kinder zu unterstützen.

Martina Gut unterrichtet zurzeit 21 Kinder. Von ihrer angebotenen Kindersprechstunde machen etwa ein Drittel der Schüler Gebrauch. "Die Kinder vermissen ganz stark das Gemeinsame – beim Lernen, Turnen oder Basteln", beobachtet die Grundschullehrerin. Sätze wie "Frau Gut, ich vermisse Dich so" oder "Ich möchte wieder in die Schule, Lernen ist so nicht so schön" äußert jedes der Kinder. Noch seien sie nicht in der Lage, ihre Emotionen am Telefon konkret auszudrücken. Meist sitze deshalb ein Elternteil mit am Telefon und unterstütze, erzählt die Lehrerin.

Martina Gut versucht, Trost zu spenden. Etwa indem sie das Bild heraufbeschwört, wie sie selbst jetzt allein im leeren Schulhaus sitzt. "Die Situation ist nicht schön, aber nicht zu ändern", sagt sie. Ihr ist es ein Anliegen, das Gespräch später immer ins Positive zu lenken. Zum Beispiel, indem sie nachfragt, was die Eltern mit den Kindern schon gelernt oder gebastelt haben.

"Für die Eltern ist das eine enorme Belastung. Sie sind jetzt alles: Arbeitnehmer, Erzieher und Lernbegleiter", sagt Gut. Ein großes Lob gilt daher dem hohen Einsatz, den die Eltern bringen. Wirklich Sorge bereitet der Grundschullehrerin, was passiert, falls der Zustand bis nach den Osterferien anhalten sollte. "Die momentane Situation verlangt von den Eltern wahnsinnig viel ab", ist sie sich sicher.

"Das Zwischenmenschliche, das das Lernen in der Gemeinschaft einfacher werden lässt, fällt für die Kinder komplett weg", sagt Gut. So fehlt den Kindern das gemeinsame Erarbeiten und Ausprobieren ebenso wie darüber zu reden. Auch Martina Gut hat letzten Montag Aufgaben für zuhause mitgegeben. "Aber Sie können für Grundschüler keine drei Wochen planen", sagt die erfahrene Lehrerin. Die Internetseite, die eigentlich erst in Planung war, wurde schnell freigeschaltet. Dadurch haben die Eltern die Möglichkeit, einen Lernplan einzusehen. Ein weiteres Angebot ist die Telefonsprechstunde. "Schüler und Eltern können jederzeit bei uns anrufen", ermuntert Gut.