Zisch-Interview

"Ich war sofort in den Ort verliebt"

Klasse 4a, René-Schickele-Schule

Von Klasse 4a, René-Schickele-Schule (Badenweiler)

Fr, 27. März 2020 um 09:03 Uhr

Zisch-Texte

Wir Zisch-Reporter aus Badenweiler, waren sehr erfreut, dass sich unser frisch gewählter Bürgermeister Vincenz Wissler Zeit für ein Interview mit uns bei uns in der Schule nahm.

Vincenz Wissler ist erst 26 Jahre alt und derzeit der jüngste Bürgermeister in Baden-Württemberg. Seit dem 1. Januar ist er Rathauschef von Badenweiler.

Zisch: Herr Wissler, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bürgermeister werden zu wollen?
Wissler: Ich habe mich schon sehr früh für Politik interessiert und bereits als Kind gemeinsam mit meinen Eltern Nachrichten gesehen. Ich bin später in eine Partei eingetreten, habe mich dort engagiert, habe in der Bank gearbeitet und bin später in die Landespolitik gewechselt. Im Landtag sitzen viele Leute und dürfen abstimmen, allerdings dauert es recht lange, bis ein Gesetz verabschiedet wird und ein Projekt beginnen kann. Der einzelne Abgeordnete hat keine so hohe Entscheidungskraft wie ein Bürgermeister. In meinem Studium hatte ich Verwaltungsrecht im Nebenfach. Deshalb habe ich mir überlegt, wie ich in Zukunft einmal selbst mehr Verantwortung übernehmen kann. Dann wurde ich angerufen von verschiedenen Leuten, die gesagt haben, Badenweiler sucht einen Bürgermeister. Auf die Idee kam ich selbst gar nicht, Bürgermeister zu werden, und Badenweiler hatte ich sowieso erst mal nicht im Blick. Dann habe ich mir mit meiner Partnerin Badenweiler angeschaut und habe mich sofort in den Ort verliebt.

Zisch: Braucht man für Ihr Amt einen besonderen Schulabschluss oder eine besondere Ausbildung?
Wissler: Eigentlich kann jeder, der nicht vorbestraft ist und das 25. Lebensjahr vollendet hat, Bürgermeister werden. Aber man sollte natürlich gewisse Vorkenntnisse haben, zum Beispiel im Verwaltungsbereich und vielleicht auch schon etwas Erfahrung in der Politik mitbringen.

Zisch: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Wissler: Es gibt keinen typischen Arbeitstag. Gestern war Gemeinderatssitzung, heute bin ich zu einem Interview bei euch, heute Abend ist Ortschaftsratssitzung. Einen typischen Arbeitstag gibt es als Bürgermeister nicht – von den Arbeitsstunden her sind es mindestens 60 Stunden plus pro Woche.
Zisch: Sind Sie jeden Tag im Rathaus?
Wissler: Ich bin bisher fast jeden Tag im Rathaus gewesen, aber wenn ich Termine in Stuttgart hatte oder ein Seminar, dann nicht.
Zisch: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Wissler: Zur Gemeindeverwaltung gehören insgesamt 64 Mitarbeiter. Diese sind in den Bereichen Rathaus, Kindergärten, Schule, Bauhof und Wasserwerk tätig.
Zisch: Jetzt sind Sie seit über zwei Monaten Bürgermeister. Haben Sie Spaß an Ihrem Amt? Wenn ja, was gefällt Ihnen besonders?
Wissler: Meine Aufgaben sind sehr umfangreich und abwechslungsreich. Es macht mir viel Spaß. Es ist kein Tag wie der andere.
Zisch: Als Bürgermeister können Sie ja oder sollen Sie Veränderungen vornehmen. Wenn ja, was?
Wissler: Selbstverständlich möchte ich etwas verändern, dazu haben mich die Leute gewählt. Die Informationspolitik muss besser werden, der Ort muss wieder attraktiver werden – es gibt viel zu tun.
Zisch: Konnten Sie in der kurzen Zeit schon etwas verändern? Oder was möchten Sie als Erstes angehen?
Wissler: Die ersten kleineren Veränderungen gab es schon beim Neujahrsempfang. Erstmals haben die Guggemuhlis gespielt. Ebenso in der Verwaltung. Hier findet für das ganze Rathausteam ein Team-Jour-fixe statt. Die Luisentraße Ost wird in Angriff genommen. Ebenso versuche ich die Kommunikation zu den Hotels, dem Einzelhandel und den Vereinen zu verbessern.
Zisch: Wie finden Sie eigentlich unsere Schule?
Wissler: Die Schule ist sehr schön. Ihr habt tolle Lehrer und eine hervorragende Ausstattung. Nichtsdestotrotz ist es notwendig, dass wir Sanierungsmaßnahmen durchführen. Eure Schule ist in die Jahre gekommen und da ist es wichtig, dass man anpackt und modernisiert.
Zisch: Wir wünschen uns schon lange ein Rollo für die Turnhalle. Werden Sie uns dabei helfen?
Wissler: Das ist eins der Dinge, die wir anpacken wollen, da wird es auf jeden Fall eine Lösung geben müssen.
Zisch: Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Wissler: Ich bin ein politischer Mensch, ich interessiere mich auch da viel für Politik, schaue zum Beispiel gern Talkshows an. Ich bin gern in der Natur, verbringe möglichst viel Zeit mit meiner Partnerin und bin kulinarisch sehr interessiert, was man mir auch ein bisschen ansieht.
Zisch: Sie waren ja auch mal Schüler. Welche Fächer hatten Sie am liebsten?
Wissler: Sehr gerne hatte ich Gemeinschaftskunde und Geschichte. Mathe war in Ordnung. Für Kunst war ich gänzlich ungeeignet.
Zisch: Gibt es eine Sportart, die Sie besonders mögen?
Wissler: Wenn ich überhaupt Sport treibe, dann gehe ich joggen.