Maskenaffäre

Im Mittelalter zählte das zu den sieben Todsünden

Leonhard Fleischer

Von Leonhard Fleischer (Gundelfingen)

Sa, 27. März 2021

Leserbriefe

Zu: "FDP fordert Sonderermittler", Beitrag von BZ und Agentur, und "Gift – nicht nur im Wahlkampf", Leitartikel von Thomas Fricker (Politik, 9. März)

Die Maskenaffäre macht einmal mehr deutlich, welch heuchlerische Vermessenheit der christliche Anspruch der Parteien "C"-DU und "C"-SU bedeutet. Deren Unionsabgeordnete Löbel und Nüßlein haben mit ihren hohen Provisionen für Corona-Masken besonders perfide gehandelt, da sie aus der existenziellen Notlage der gesamten Gesellschaft während der Pandemie ihren Profit zogen.

Dieses profitzynische, dem urchristlichen Geist der Nächstenliebe und Solidarität zuwiderlaufende Ausnutzungs- beziehungsweise Bereicherungsverhalten zeugt von jener Untugend der Gier, die noch im Mittelalter zu den sieben Todsünden zählte. Hatte sich die Kirche selbst damals diesbezüglich durch eine feudalmächtige, dem spirituellen Kloster-Asketismus konträre Lebensweise immer wieder schuldig gemacht, so zeigt sich gewissermaßen eine solche heute bei der Wirtschaftslobby, zu denen die "C"-Parteien in einer viel zu starken und deshalb korruptionsverdächtigen Nähe stehen.

Diese trat wie in der Maskenaffäre ebenso besonders drastisch in der Schwarzgeldaffäre Ende der 90er Jahre sowie in der Flickaffäre in der ersten Hälfte der 80er Jahre zutage, die speziell auch der "geistig-moralischen Wende" Hohn sprach, die Helmut Kohl damals propagiert hatte. Fazit: Unsere Demokratie leidet offensichtlich seit jeher an einer plutokratischen Unterwanderung, worauf bereits Hans Herbert von Arnim in seinem Buch "Staat ohne Diener. Was schert die Politiker das Wohl des Volkes?" 1993 hinwies. Leonhard Fleischer, Gundelfingen