Immenser Einschlag ist nötig

Gerd Leutenecker

Von Gerd Leutenecker

Sa, 19. Oktober 2019

Murg

Laufenburger Stadträte informieren sich im Wald / Borkenkäfer ist ein großes Problem.

LAUFENBURG. Als Waldstadt ist die Kommune "Laufenburg" in der Region bekannt. 230 Hektar Stadtwald sind Aufgabe und Pflicht zugleich. Jetzt stand bei einer gemeinsamen Begehung von Gemeinderat und den Verantwortlichen im städtischen Forst die Bilanz im Vordergrund. Der Holzeinschlag bei der Fichte war in diesem Jahr immens – aber nötig. Der leidige Borkenkäfer hat die großflächige Durchforstung als Zwangsnutzung erforderlich gemacht.

Gleich vorneweg bescheinigte der scheidende Revierförster Karl Ulrich Mäntele auch seinen Vorgängern einen sehr guten und vorausschauenden Waldumbauplan. "Bei allen aktuellen Problemen – der Wald steht dennoch relativ gut da", bemerkte Mäntele auch auf das Positive. Keine Panikmache und mit ruhiger Hand im Wald weiterarbeiten war das eigentliche Credo der Begehung oberhalb der Autobahn.

Bürgermeister Ulrich Krieger musste angesichts der abnehmenden Gewinnerwartungen aus dem städtischen Forst den klaren Blick in die Zukunft aufzeigen: "Geldverdienen ist das eine, die Erholung im Stadtforst und der Beitrag zum Klimaschutz das andere." Krieger bleibt gelassen im Umgang mit den Wald.

Der aktuelle Forstplan gilt bis 2022. Schon im März 2012 war die Beschlussfassung über die Forsteinrichtungserneuerung im Stadtwald als klarer Hinweis abgefasst, die labilen Fichtenbestände durch einen Mischwald zu begünstigen. Mit zweidrittel aus Samen der alten Waldbestände ist das Naturverjüngungsverfahren im Stadtforst längst gut sichtbar.

Manuel Nägele wird neuer Revierförster

Einige 80-jährige Douglasien-Bäume ragen nun gut sichtbar oberhalb der Autobahntrasse heraus. Die Fichte hat derzeit noch einen Anteil von 34 Prozent im Stadtwald. Der Anteil wird seit den 1980er-Jahren kontinuierlich geringer. Gerechnet wird zukünftig nur noch mit 15 Prozent, so die Prognose von Forstbezirksleiter Markus Rothmund. Schon in den 50er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren große Borkenkäferplagen im Stadtwald. Der Waldumbau fuße deshalb auch auf Erfahrungswerten.

Mehrere Gemeinderäte wollten wissen, welche Möglichkeiten für Bauholz mittelfristig die Fichte ersetzen können. Rothmund gab die klare Antwort und überraschte: "Importe aus Beständen in Osteuropa und Übersee". Mit einer verstärkten Globalisierung des Holzhandels sei Laufenburg schon jetzt im Boot. Mäntele zeigte derweil auf die Holzlager im Stadtwald und an den Wegerändern. Nach drei Kategorien ist das diesjährige Fichtenholz eingeschlagen worden: Über 3000 Stämme mit 11,8 Meter Länge gehen per Container nach China. Als zweites Sortiment sind die Stämme mit bis zu fünf Metern aufgeschichtet. Diese werden in den regionalen Sägen aufgearbeitet. Das Schwachholz bleibt in der Region und wird von der Firma Gutex aufgekauft.

Auch die Esche schwindet im Laufenburger Wald. Derzeit sind sieben Prozent Eschenbestand. Das Eschentriebsterben wird 95 Prozent mittelfristig zum Absterben bringen, machte Rothmund den Gemeinderäten klar. Auf Fragen von Gemeinderat Manfred Ebner, wo derzeit weitere Probleme zu erwarten sind, gaben die Forstmitarbeiter klare Auskunft: "Die Privatwaldeigentümer müssen jetzt Holz machen, sonst werden wir dem Borkenkäfer nicht mehr Herr", so Rothmund. Schon jetzt wird der Nachfolger von Mäntele eingearbeitet. Der 28-jährige Forstwissenschaftler Manuel Nägele nahm an der Vor-Ort-Besichtigung teil.