"Immer einen Stift dabei"

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW: Klaus Biehler ist Lehrer und Musiker.

Morgens unterrichtet Klaus Biehler Schüler, abends macht er zusammen mit seiner Band Musik. Jenny Stieler und Alina Boos, beide aus der 8a des Max-Planck-Gymnasiums aus Lahr, wollten von ihrem Kunst- und Englischlehrer wissen, wie man sich als Mensch mit Doppelleben fühlt.

Zischup: Herr Biehler, warum sind Sie Lehrer geworden?
Biehler: Weil ich immer gerne Schüler war und ich die Schule als Ort der Begegnung mochte. Und ich empfand den Unterricht in Bildender Kunst als sehr interessant – sowohl für Lehrer als auch für Schüler.
Zischup: Unterrichten Sie lieber Kunst oder Englisch?
Biehler: Das kommt ganz auf die Klasse und die Themen an.
Zischup: Warum unterrichten Sie nicht Musik, obwohl Sie in einer Band sind?
Biehler: Ich kann keine Noten lesen, und die Praxis ist mir ehrlich gesagt lieber als die Theorie.
Zischup: Wie sind Sie eigentlich auf die Band Bail gekommen?
Biehler: Ich war davor in einer anderen Band. Die hat sich nach zehn Jahren aufgelöst. Ich habe aber weiter Lieder geschrieben und dann Jahre später die Band mit einem alten Freund gegründet. Es sind dann noch ein anderer Freund und Leute aus anderen Bands dazu gekommen.
Zischup: Sind die anderen Band-Mitglieder auch noch Lehrer?
Biehler: Einer ist Lehrer, die anderen nicht.
Zischup: Ist es Stress Lehrer zu sein und auch noch in einer Band zu spielen?
Biehler: Es gibt eigentlich keinen Stress. Wir schreiben unsere Lieder selber, also sollte man immer einen Stift dabei haben, denn man weiß nie, wann einem eine Idee für einen Text kommt.
Zischup: Haben Sie schon mal überlegt, den Lehrerberuf an den Nagel zu hängen oder die Band hinzuschmeißen?
Biehler: Diese Frage stellt sich nicht. Beide Tätigkeiten sind aus unterschiedlichen Gründen unverzichtbar. Ich mache die Band, weil es Spaß macht und weil man nicht einfach beschließen kann, keine Ideen mehr zu haben.
Zischup: Proben Sie regelmäßig und wo proben Sie?
Biehler: Wir versuchen jede Woche zu proben, aber meistens treffen wir uns dann doch nur alle zwei Wochen. Wir proben meistens bei mir zu Hause. Ich habe dafür einen extra Raum.
Zischup: Gibt es vor Konzerten mehr Stress, als wenn kein Konzert ansteht?
Biehler: Es gibt nicht mehr Stress, aber es gibt mehr zu tun wie Werbung zu machen oder konzentrierter zu proben.
Zischup: Was halten Ihre Schüler und Kollegen davon, dass Sie in einer Band sind?
Biehler: Ich habe keine Ahnung, aber ein paar Schüler kommen regelmäßig zu Konzerten.
Zischup: Freut Sie das?
Biehler: Ja ich finde es schön, man sieht auch, dass Schüler Schule von Privatem trennen können, man lernt sich so ein bisschen besser kennen, und ich bin für sie nicht nur der Lehrer.
Zischup: Als letzte Frage: Könnten Sie sich auch vorstellen, mit ihrer Band auf dem Schulfest zu spielen?
Biehler: Ja, wenn das Konzept stimmt.