Wildtiere verlieren ihre Scheu

Immer mehr Füchse und Waschbären in Wohngebieten

Johannes Burkart

Von Johannes Burkart

Do, 24. August 2017 um 15:10 Uhr

Ihringen

Wildtiere in Hausgärten sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Auch in Ihringen werden immer öfter Füchse und Waschbären in Wohngebieten gesichtet.

Markus Fehrenbach, Sachbearbeiter des Kreisjagdamts in Freiburg, warnt vor Krankheiten, die durch Wildtiere auf Menschen und Haustiere übertragen werden können.

Laut Fehrenbach können die Wildtiere auf ihrer Suche nach Futter Fuchsbandwurm, Räude und Staupe verbreiten. Vor allem für die Haustiere sind die Krankheiten gefährlich, aber auch Menschen sollten sich vor dem Kontakt mit den wilden Tieren schützen.

Der Experte rät dazu, das selbst angebaute Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich zu waschen, um einer Bandwurmerkrankung vorzubeugen. Haustiere sollten regelmäßig entwurmt und der Kontakt mit Wildtieren verhindert werden. Staupe und Räude können für Haustiere sehr gefährlich sein. Die Staupe, die durch ein Virus übertragen wird, geht mit hohem Fieber einher, auch das Nervensystem kann befallen werden. Einer Ansteckung kann durch regelmäßiges Impfen vorgebeugt werden.

Die Tierseuche Räude, im Volksmund auch "Krätze" genannt, ist ebenfalls sehr ansteckend für Haustiere. Die Krankheit kann ärztlich behandelt werden. Eine Gefahr der Übertragung auf Kinder besteht laut Fanny Betge, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Freiburg, aber nicht.

Um kein unnötiges Risiko einzugehen, sollte der direkte Kontakt mit Wildtieren jedoch generell vermieden werden, rät auch sie.

Wer ein sichtbar krankes oder verletztes Tier entdeckt, sollte die Jagdbehörde oder einen Tierschutzverein informieren. Generell sollten Wildtiere nicht gefüttert werden. Aber auch offen stehende Mülleimer, leicht zugängliches Tierfutter oder Komposthaufen locken Füchse und Waschbären an. Finden die Tiere in Gärten und Wohngebieten Nahrung, werden sie immer wieder dorthin zurückkehren und nach und nach die Scheu vor den Menschen verlieren. Wird ihnen dann das gewohnte Futter verwehrt, besteht die Gefahr, dass die Eindringlinge aggressiv reagieren.

Auch die Wahrscheinlichkeit, Artgenossen zu treffen, Verstecke und Nistmöglichkeiten zu haben, ist für die Tiere attraktiv. Wenn sie krank sind, seien auch nachtaktive Tiere des Öfteren tagsüber in Wohngebieten anzutreffen. "Der Leidensdruck wird so groß, dass die Tiere ihre Scheu ablegen, um an Futter zu kommen", erklärt Fehrenbach.