Störche haben Nachwuchs im Nest

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Do, 29. April 2021

Denzlingen

In Denzlingen schlüpfen im Horst auf der evangelischen Kirche die ersten Jungvögel.

. Das erste Denzlinger Storchenküken dieses Jahres hat das Licht der Welt erblickt. Vergangenen Freitag sei es im Nest auf dem Dach der evangelischen Kirche Sankt Georg aus dem Ei geschlüpft, sagte der Storchenbetreuer Manfred Wössner. Samstag und Sonntag folgten Nummer zwei und drei. Die beiden Storcheneltern Gaby und Peter, die den Horst auf dem Dach der Kirche seit Jahren besetzen, hatten im März fünf Eier gelegt. "Vermutlich sind auch die anderen beiden bereits geschlüpft", so Wössner. Er wisse es aber nicht, da er am Montag das letzte Mal nachgeschaut habe.

Die beiden Dauergäste auf dem schräg gegenüber liegenden Dach der Kirche Sankt Michael, die Störche Rosi und Karli, legten ihre Eier zehn Tage später und seien daher noch am Brüten. "Sie haben insgesamt sechs Eier gelegt, das sind außergewöhnlich viele", sagte Wössner. Ob am Ende alle Vögel durchkommen, sei indes unklar. Im vergangenen Jahr hätten es aus beiden Familien nur jeweils drei Vögel geschafft. Aus einem Ei sei kein Vogel geschlüpft, Wössner spricht von einem Blindgänger. Zwei Jungvögel seien recht früh gestorben und einen weiteren hätten seine Eltern später aus dem Nest gestoßen. "Vermutlich war er krank, und die Eltern wollten seine Geschwister vor einer Ansteckung schützen", so Wössner.

Etwa drei bis vier Monate bräuchten die Jungvögel, um flügge zu werden. Wössner rechnet ab Juli mit den ersten Flugversuchen der dann ausgewachsenen Jungstörche. Etwa vier Kilogramm bringen sie dann auf die Waage. Bis dahin haben die Eltern einen harten Job. Schließlich müssen sie entsprechend viel Futter anschleppen. In einem Umkreis von fünf Kilometern fangen die Störche Mäuse, Würmer und Käfer – und wenn es gut läuft auch mal eine Blindschleiche, so Wössner. Bei einer Radtour habe er jüngst acht Störche auf einer Wiese bei Sexau beobachtet – alle suchten in Ruhe nach Futter, Konkurrenzkämpfe um die Nahrung habe er bislang nicht erlebt.

Ohnehin scheint das Nahrungsangebot rund um Denzlingen gut zu sein. Denn neben den beiden Paaren im Ort haben sich auf der Gemarkung Denzlingens elf weitere Storchenpaare auf Strommasten niedergelassen. Im Februar hatten sie mit dem Nestbau begonnen. Sie mussten bei null anfangen, da der Netzbetreiber die Horste im Herbst des vergangenen Jahres entfernt hatte, so Wössner.

Da sind Gaby, Peter, Rosi und Karli schon etwas verwöhnter. Denn Wössner und sein Kollege Hans Peter Rieder pflegen deren Nester und entfernen jeden Herbst den Kot der Jungtiere. So stellen sie sicher, dass auch nach heftigeren Regenfällen genügend Wasser abfließen kann und die Jungtiere der kommenden Generation nicht ertrinken. Aber ganz wollen die Tiere ihr Schicksal nicht in die Hände der beiden Vogelliebhaber legen. "Auch in diesem Frühjahr konnten wir beobachten, wie die Störche sich noch Reisig beschafft haben, um ihren Horst auszupolstern", so Wössner. Zuerst komme in aller Regel das Männchen, das seinen Horst gegen andere Vögel verteidige, etwas später folge das Weibchen.

Das Geschehen in den Horsten können Interessierte auf Monitoren am evangelischen Gemeindehaus und an der Museumsscheune beobachten.