"In Häusern lief deutlich mehr als in anderen Gemeinden"

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Fr, 12. Juli 2019

Häusern

Roland Behringer saß 25 Jahre am Ratstisch / Trotz kontroverser Diskussion gab es nie persönliche Angriffe.

HÄUSERN. Nach einem Vierteljahrhundert im Gemeinderat ist nun Schluss: Roland Behringer stellte sich bei der Kommunalwahl im Mai nicht wieder zur Wahl und wurde aus dem Gremium verabschiedet. Viel wurde in den vergangenen 25 Jahren für die Bürger getan, sagte er rückblickend.

Der Wunsch, den Ort nach vorne zu bringen, nannte Behringer als Motivation dafür, seinen Hut als Kandidat für den Gemeinderat erstmals 1994 in den Ring zu werfen. Der damalige Gemeinderat Bernhard Moers habe ihn auf eine mögliche Kandidatur angesprochen, für ihn als Zugezogenen eine große Ehre, erinnert sich der Förster.

Von weit her kam er allerdings nicht, denn Behringer stammt vom Dachsberg, wo er auch heute noch eine kleine Landwirtschaft betreibt. Von Anfang an schenkten ihm die Bürger ihr Vertrauen, gleich auf Anhieb erhielt er die viertmeisten, bei seiner zweiten Kandidatur die zweitmeisten Stimmen. Bei den weiteren Wahlen wurde er jeweils Stimmenkönig. Üblich war, dass der Stimmenkönig auch erster Bürgermeisterstellvertreter wird, aufgrund seiner beruflichen Belastung sei er aber sehr dankbar gewesen, dass Sabine Gruhn dieses Amt übernommen habe, sagte er. Behringer übernahm aber von 2009 bis zu seinem Ausscheiden das Amt des zweiten Bürgermeisterstellvertreters. In der 25 Jahren im Gemeinderat hat Behringer nur einen Bürgermeister erlebt: Den heutigen Rathauschef Thomas Kaiser, der sein Amt kurz vor der Gemeinderatswahl 1994 antrat.

In 25 Jahren als Gemeinderat nur einen Bürgermeister erlebt

An Themen lagen Behringer stets Land- und Forstwirtschaft am Herzen, die, wie er sagte, zu wenig berücksichtigt würden. Eine Einstellung, die sich seiner Einschätzung nach eher verstärkt habe, bedauerte der Förster. In seiner Tätigkeit als Gemeinderat waren ihm die Themen am liebsten, an deren Umsetzung er beteiligt war, wie die Flurbereinigung und der Fahrradweg zwischen Häusern und Schluchsee. Auch die Tagespflege sei ihm sehr wichtig gewesen, sagte Behringer.

Behringer: "In Häusern ist deutlich mehr gelaufen als in anderen Gemeinden. Welcher kleine Ort mit 1300 Einwohnern kann das alles noch bieten?" Sein Resümee der vergangenen 25 Jahre fiel also positiv aus. Er sprach damit unter anderem die Entwicklung des Kindergartens, der Grundschule, die Tagespflege sowie die Ansiedlung von Aldi und Schmidt’s Markt an. Trotz aller teils heftigen Widerstände gegen einzelne Projekte sei er aber nie persönlich angegriffen worden, so Behringer. "Das rechne ich der Häuserner Bevölkerung hoch an".

Nach 25 Jahren sei man amtsmüde, begründete Behringer seine Entscheidung, aus dem Gremium auszuscheiden. Es sei an der Zeit, den Platz für andere zu räumen. Die Jugend sollte stärker in dem Gremium vertreten sein, denn es gehe um deren Zukunft. Ein Problem, die nun gewonnene Zeit zu verbringen, wird der Altgemeinderat nicht haben, wie er schmunzelnd sagte. Ihr Mann sei sehr engagiert und mit Leib und Seele bei der Sache gewesen, erzählte Rita Behringer und erinnerte sich an so manche schlaflose Nacht. Sie begrüße, dass er nun aufhöre, 25 Jahre seien eine lange Zeit, sagte sie.

Bei der Verabschiedung von Behringer aus dem Gemeinderat lobte Bürgermeister Thomas Kaiser dessen "große und tolle Arbeit". Behringer habe Politik für die Bürger gemacht und deren Wünsche bestmöglich berücksichtigt.