In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Astrid Heidemann

Von Astrid Heidemann (Emmendingen)

Mi, 20. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Weniger Ausnahmezustand", Beitrag von Christopher Ziedler und Agentur (Politik, 29. April)
Es öffnen wieder Geschäfte, Mediatheken, es gibt Pläne, wie Freizeiteinrichtungen wieder öffnen können, viele Meldungen befassen sich mit dem Luxusproblem Urlaubsreise. Und die Lufthansa glaubt, wenn alle Passagiere eine epidemiologisch weitgehend nutzlose Community-Maske tragen, müsse zwischen ihnen kein Sitzplatz mehr freigehalten werden.

Derweil bleiben Kitas für die meisten Kinder auf unabsehbare Zeit geschlossen. Wenn man den Aussagen zu Schulen zuhört, ist an geregelten Kitabetrieb nicht zu denken. Zeitgleich meint der Arbeitgeber, volle Leistung im Homeoffice abrufen zu können, sogar mehr als üblich, weil vieles durch Corona verändert ist.

Klar ist: Eine erneute exponentielle Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen muss vermieden werden. Klar ist auch: Jeder soziale Kontakt birgt das Risiko einer Ansteckung. Wenn daher nur eine begrenzte Zahl von Sozialkontakten möglich ist, ohne wieder in ein exponentielles Infektionsgeschehen abzugleiten, sollte man sich auf das wirklich Wichtige konzentrieren. Für mich ist das die Kinderbetreuung. Sie ist notwendig, sollen nicht Einkommen und berufliche Zukunftschancen wegfallen. Wenngleich die sozialen Kontakte der Kinderbetreuung vielleicht riskanter sind als der Besuch der Mediathek, muss man doch Kosten und Nutzen einander gegenüberstellen.

Lieber auf weniger wichtige Kontakte verzichten und den einen wirklich wichtigen realisieren. Jetzt wird geopfert, was an Vereinbarkeit von Familie und Beruf mühsam errungen war. Ich fühle mich stellvertretend für viele im Homeoffice arbeitende Eltern von der Politik im Stich gelassen. Astrid Heidemann, Emmendingen