Wohnungsbau

In zehn Jahren haben sich die Emmendinger Immobilienpreise verdoppelt

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Sa, 11. September 2021 um 10:36 Uhr

Emmendingen

Bundesweit gibt es für Immobilienpreise und Mieten nur einen Weg: Sie klettern nach oben. Auch in Emmendingen beträgt das Plus in den vergangenen Jahren rund fünf Prozent.

Dies geht aus dem bericht der Sparkassen-Immobiliengesellschaft 2021 hervor. Und dieser Trend werde sich fortsetzen.
Der Blick auf die Preisentwicklung in den vergangenen zehn Jahren sowie die Prognose für die kommenden zwei Jahre bei den Immobilienpreisen sowie den Mieten in Emmendingen ist eindeutig: Wohnen, ob zur Miete oder im Eigentum, wird zunehmend teurer. So haben sich nach Angaben der Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft die Mieten seit 2011 um mehr als 30 Prozent verteuert. Für den Erwerb eines Hauses zahlen Käufer in diesem Jahr rund 60 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, beim Wohnungskauf sind es mehr als 110 Prozent. Dabei wird aktuell ein durchschnittlicher Mietpreis von 9,80 Euro pro Quadratmeter angegeben, die Preisspanne betrage zwischen 6,90 Euro und 14 Euro, je nach Lage, Ausstattung und Zustand der Wohnung.

652 000 Euro für ein Haus

Im Durchschnitt 652 000 Euro schlagen laut Immobilienmarktbericht für den Kauf eines Hauses zu Buche. Die Spanne beginnt bei rund 324 000 Euro für ein Reihenhaus in einfacher Wohnlage bis hin zu fast 1,3 Millionen Euro für das Einfamilienhaus in einer Toplage wie etwa am Kastelberg. Beim Kauf einer Wohnung müssen die Erwerber gegenüber den Preisen von 2011 den höchsten Aufschlag hinnehmen. Die Preise haben sich mehr als verdoppelt. Bei Wohnungen in der Größe von 80 bis 120 Quadratmetern liege die Preisspanne bei 1965 Euro bis 4260 Euro pro Quadratmeter, im Mittel müssten Interessenten von einem Kaufpreis von rund 277 000 Euro ausgehen.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt

Vor der erwarteten Entwicklung weiter steigender Immobilienpreise und Mieten stehen die Kommunen vor der Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch, um das Menschenrecht auf Wohnen, wie es der parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Christian Lange, bei einem Termin mit Johannes Fechner von der SPD in Waldkirch nannte. Für Emmendingen sei das eine schwierige Aufgabe, die eigentlich nicht lösbar sei, so Oberbürgermeister Stefan Schlatterer: "Die Frage ist doch, ob man tatsächlich zu einem Ergebnis kommen kann, dass wir unter den gleichen Bedingungen das schaffen, was in Freiburg nicht möglich ist, nämlich bezahlbaren Wohnraum zu schaffen." Auch Emmendingen unterliege den selben Marktgesetzen wie Freiburg, die Verhältnisse entlang der Rheinschiene als hochattraktive Region seien vergleichbar.

Das "Emmendinger Modell"

Dabei nutze die Stadt verschiedene Instrumente, um weiter benötigten Wohnraum zu schaffen. In einem Dreiklang stehe zuvorderst die Nachverdichtung, sei es durch das Aufstocken von oder den Anbau an Gebäuden. Mehr Quadratmeter Wohnfläche auf identischer Grundfläche können dazu beitragen, den Preisanstieg abzuflachen. Wobei Schlatterer auch auf klassische Zielkonflikte der Nachverdichtung hinweist. "Nachverdichtung heißt auch mehr Lautstärke, mehr Verkehr und stößt in der Nachbarschaft nicht immer auf große Gegenliebe, ist daher ein kompliziertes Verfahren." Dennoch sei dies ein probates Mittel, Wohnraum zu schaffen.

Ein Augenmerk lege die Stadt mit ihrem Emmendinger Modell auf die Zielgruppe der Wohngeldberechtigten, "die eigentlich vollkommen chancenlos auf dem freien Wohnungsmarkt sind", so Schlatterer. Hier sei die Städtische Wohnbaugesellschaft aktiv, sei es an der Jahnstraße, wo 15 Gebäude entstehen, oder im Jägeracker mit 14 Gebäuden. In der Neubronnstraße würden durch Erwerb zusätzliche Wohnungen gebaut werden können, in der Hochburger Straße sollen weitere 40 Einheiten entstehen.

Und letztlich runde die Neuausweisung von Bauflächen die Angebote der Stadt ab, um etwa Familien die Möglichkeit zu geben, zu bauen und Immobilieneigentum zu erwerben. Dabei sollen unter den Gesichtspunkten des Naturschutzes wie auch der Verkehrsthematik zusätzliche Flächen generiert werden, als Beispiel nennt Schlatterer etwa das Elzmättle in Wasser oder den Rathausweg in Windenreute.

"Wir sprechen also ganz unterschiedliche Zielgruppen an, die, die Eigentum haben, nun aber mehr Platz schaffen wollen, die, die sonst keine Chance auf dem Wohnungsmarkt haben und die, die neuen Wohnraum schaffen wollen", sagt Schlatterer.