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Ingrid Böhm, das Gesicht der BZ in Rheinfelden, sagt adieu

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 05. April 2020 um 13:03 Uhr

Rheinfelden

Sie begann mit Bleisatz, 41 Jahre später schrieb sie auch Texte für Online. Nun geht Ingrid Böhm in den Ruhestand. Seit 2004 leitete die 63-Jährige die Redaktion der BZ in Rheinfelden.

Sie war 16 Jahre lang das Gesicht der Badischen Zeitung Rheinfelden, nun ist Redaktionsleiterin Ingrid Böhm in den Ruhestand getreten. Sie sollte mit einem würdigen Fest im Kreise vieler Kollegen und Weggefährten verabschiedet werden, doch die Corona-Krise machte dies unmöglich.

ibö – dieses Kürzel kennen nicht nur die BZ-Leser am Hochrhein gut. Bevor die 63-Jährige 2004 die Leitung der hiesigen Redaktion übernahm, arbeitete sie mehr als 20 Jahre lang in Weil am Rhein. Als junge Frau in einem in den 1980er Jahren noch stark männlich dominierten Umfeld musste sie sich beweisen, und das hat sie geprägt. Der Freude am Lokaljournalismus aber konnte dies nichts anhaben, sie und die Überzeugung für diesen Beruf waren bis zum letzten Arbeitstag spürbar.

Ingrid Böhm hat die Entwicklung Rheinfeldens begleitet

Gute Geschichten erzählen, kritische Fragen stellen und "ihre Stadt" mit allen Facetten im Blick haben, das war die Richtschnur ihres journalistischen Handelns. Diese Stadt übrigens hatte sie sich nicht ausgesucht, es war ein Zufall, der die in Stuttgart Geborene nach Rheinfelden führte. In vielen Gesprächen mit Kollegen hat sie immer wieder erzählt, dass Rheinfelden ihr von der ersten Minute an "anders" vorgekommen war. Hier gab es kein alteingesessenes Bürgertum, das die Fäden zog. Stattdessen erlebte Böhm eine junge, heterogene Stadt, die ihren Platz in der Region erst noch finden musste.
Autorenprofil: Ingrid Böhm

Böhm begleitete dieses Wachsen und Finden mit stets wachem Blick auf die Geschehnisse und, bei aller gebotenen Distanz, mit großem Wohlwollen. Als eine besonders schöne Zeit ist ihr die Grün 07 in Erinnerung geblieben, die Rheinfelden Aufschwung verlieh und das ohnehin starke gesellschaftliche Engagement in der Stadt noch beflügelte. Genau dieses Miteinander und das sehr breite Netz an sozialen Hilfsangeboten hat Böhm stets für ein Aushängeschild Rheinfeldens gehalten. Den Menschen, die hinter diesen Aktionen stehen, hat sie Raum in der BZ gegeben und Öffentlichkeit geschaffen. Mehrere Serien übers ehrenamtliche Wirken sind so entstanden.

Die Kommunalpolitik war ihr Steckenpferd

Bei aller Liebe auch zu den "weichen Themen", war es doch die Kommunalpolitik, die Ingrid Böhm mit Sachverstand und akribischen Recherchen für ihre Leser aufarbeitete. Es reichte ihr nie, nur die Sitzungsvorlage wiederzugeben oder die Debatte im Gemeinderat. Der Arbeitstag nach langen Sitzungen begann regelmäßig frühmorgens mit vertiefenden Gesprächen. Ihre Hartnäckigkeit, bei Amtsleitern oder Entscheidungsträgern nachzufragen, dürfte denen, die es betraf, in Erinnerung bleiben.

42 Jahre lang bei einem Arbeitgeber. Das zeugt nicht nur von Durchhaltevermögen, sondern auch von einer großen Loyalität. Diese hob auch Heimatchef und stellvertretender Chefredakteur Holger Knöferl in seiner Laudatio – die wegen Corona schriftlich erfolgen musste – hervor, und bedankte sich im Namen des Hauses für ihren unermüdlichen Einsatz.

Vor 42 Jahren brachte noch ein Bote die Texte nach Freiburg

42 Jahre Journalismus bedeuten aber auch, sich immer wieder auf technische und inhaltliche Neuerungen einzustellen. Als Ingrid Böhm 1978 bei der BZ begann, wurde die Tageszeitung noch im Bleisatz gedruckt. Nachmittags kam der Bote, der die geschriebenen Texte und entwickelten Negative nach Freiburg brachte. Was dann nicht fertig war, stand am nächsten Tag eben nicht drin. Heute steckt die BZ in einer digitalen Transformation, eine Herausforderung, der sich Ingrid Böhm auch noch gestellt hat. Lediglich den lokalen Facebook-Auftritt hat sie den jüngeren Kollegen überlassen.

Deutlich jünger und weiblicher wurde die Redaktion ab 2016, als erst Verena Pichler zum Team dazu kam und kurz darauf Elena Borchers. Damit änderte sich durchaus auch der Inhalt. Unvergessen bei den Kollegen werden die hochgezogenen Augenbrauen bleiben, als Ingrid Böhm von der Idee erfuhr, eine ganze BZ-Seite mit Bildern von Lesern zu bestücken, die ihre Haustiere als Nikoläuse verkleidet hatten. Letztlich einigte sich die Redaktion auf eine halbe Seite – mit dem Kompromiss konnten alle leben und online kamen die niedlichen Tiere gut an.

Verena Pichler übernimmt die Leitung der Redaktion

In der Redaktion wird Ingrid Böhms große Expertise und ihr breites Netzwerk fehlen. Weitergehen wird es dennoch, mit Ralf H. Dorweiler, Elena Borchers und Verena Pichler. Sie übernimmt die Nachfolge von Ingrid Böhm. Die 34-Jährige hat bei der BZ volontiert, war von 2013 bis 2016 Redakteurin in Bad Säckingen, bis sie der Zufall nach Rheinfelden führte. So schließt sich der Kreis.

Wir wünschen Ingrid Böhm von Herzen eine tolle Zeit nach der BZ, viel Gesundheit und Zufriedenheit.